Gebucht hatten wir bereits im Juli 2013. So ab September 2014 fingen wir langsam an, und Gedanken darüber zu machen, was alles an Reisevorbereitungen zu treffen ist.

Neue Technik fürs Bloggen

Da ich wieder einen Reise-Blog machen wollte, entschied ich mich mir eine eigene Internetadresse zuzulegen und die bei einem Provider "hosten" zu lassen. Die bisherigen Blogs hatte ich über den kostenlosen Dienst vom WORDPRESS erstellt. Diese Lösung hatte aber den Nachteil, dass man nicht alles auf dem Laptop vorbereiten konnte und deshalb bei den Landgängen, wenn man Internetzugriff hatte, beim Einstellen der neuen Beiträge, Berichte und Fotos noch viel "Handarbeit" verrichten musste, bis Text und Bilder halbwegs vernünftig im Netz standen. Außerdem ist der zur Verfügung gestellte Internet-Baukasten nicht sehr komfortabel und flexibel.

Joomla-ZichenMit nun eigenem Web-Space ist das alles anders. Für die technisch Interessierten, diese Seite wird mit dem System Joomla erstellt und gewartet.

 

Vorteile für die Leser des Blogs

Bei Blogs ist es so üblich, dass auf der Startseite alle Bereichte zu finden waren, wobei der Aktuellste an erster Stelle stand, an zweiter Srelle der vorherige Beitrag usw.
Das hat für den Leser, der den Blog regelmäßig von Anfang an verfolgt hat, den Vorteil, dass das neueste immer gleich oben zu finden ist.
Andereseits hat jemand, der den Blog erst später zu lesen beginnt, das Problem, dass er sich von hinten nach vorn durcharbeiten muss.

Hier ist die Lösung dieses Dilemmas.

Menue chronologisch

Unter diesem Menüpunkt findet man die Berichte in chronologischer Reihenfolge, also genau in der Rreihenfolge, wie die Reise auch verläuft.

Reisekrankenversicherung – nicht ganz einfach

Für so eine lange Reise (96 Tage) greift unsere normale Reisekrankenversicherung nicht mehr. Man ist lediglich 6 Wochen pro Reise, also 42 Tage versichert. Diese Problem kann man auf zwei Arten lösen.

  1. Man fliegt am 42. Tag nach Hause (da sind wir gerade in Chile) und am 43. Tag wieder zurück, dann beginnt rein rechtlich eine neue Reise. Nach kurzer, aber reiflicher Überlegung, nehmen wir Abstand von dieser Lösung.
  2. Man schließt eine Zusatzversicherung ab.

Europa-VersicherungAber viele Versicherungsunternehmen bieten für so lange Reisen gar keine Tarife an. Andere langen preislich ziemlich heftig zu. Erschwerend kommt hinzu, dass wir Beide die 60 überschritten haben, da wird der Zuschlag noch heftiger.
Schließlich wurden wir bei der Europa-Versicherung fündig. Für den 43. – 96. Tag zahlen wir 77,00 € pro Person. Das ist OK.

 

Moderne Wegelagerer in Niederhöchstadt.

"Deutsche Staatsbürger benötigen für diese Reise einen Reisepass, der am Ende der Reise noch mindestens 6 Monate gültig ist."
So ist es laut und deutlich in der Reiseinformation des Reiseveranstalters zu lesen.Passbild-Peter
Der Pass muss mindestens bis 12.10.2015 gültig sein.
Bingo! Peters Pass läuft am 04.10.2015 ab.
Also muss ein Neuer her. Peter findet sogar noch ein Passbild, auf dem er sich recht ähnlich sieht und tappt damit zur Verwaltungsstelle Niederhöchstadt, einer Zweigstelle des Eschborner Rathauses. Das Foto wird strikt weg abgelehnt, es ist nicht biometrisch genug. Also geht’s zum Fotografen. Benötigt wird zwar nur ein Bild, aber unter vier Bildern tut es der Fotograf nicht. Des fertige Bild ist nicht besonders schön, dafür aber sehr biometrisch.
Zurück zum Amt - Pass beantragen – 2 Wochen später ist das Dokument da.
59,00 € knöpft man Peter dafür ab – Protest zwecklos. Der Pass ist doppelt so teuer wie beim letzten Mal, zum Ausgleich wurde dafür die Gültigkeitsdauer fast halbiert. Statt zehn gilt der Pass nur noch sechs Jahre.

01. Reisetag – Dienstag, 6.1.2015 Anreise nach Marseille

Jetzt geht es los. Die Koffer sind gepackt. Das war nicht ganz einfach. Der Reiseveranstalter hatte uns mitgeteilt, dass jeder für den Lufthansaflug nach Marseille 2 Gepäckstücke mitnahmen darf, die zusammen nicht mehr als 30 Kg wiegen dürfen. Das hieß für uns beide also 60 Kilogramm – klingt viel ist aber wenig. Trotz sparsamster Auswahl der Klamotten, Computertechnik, sonstiges wie Fernglas, Duschgel, Zahnpasta und und und und , wogen die Koffer zusammen fast 70 Kilogramm. Egal, dann zahlen wir eben zähneknirschend am Lufthansaschalter „Nachporto“.
Aufstehen war heute um 4 Uhr früh, das Taxi kann fast pünktlich um 6 Uhr und am Lufthansaschalter erfuhren wir, dass jeder 2 Koffer a 23 Kg Freigepäck hat, also zusammen 92 Kilogramm. Ich hätte also durchaus meine Kieselsteinsammlung mitnehmen können oder auch eine Bohrmaschine, Dinge eben, die man auf dem Schiff so braucht.

Statler und Waldorf muppet Show jiStatler und Waldorf muppet Show ji

Lästermäuler

Was hat sich der Reiseveranstalter Phoenix dabei gedacht? Wahrscheinlich gar nichts, aber ich kann meine geneigten Leser schon jetzt darauf vorbereiten, dass in diesem Blog noch der ein oder andere sarkastische Absatz über wunderliche Verhaltensweisen und Entscheidungen der Reiseleitung zu finden sein werden. Dabei werden mir die beiden Lästermäulern Waldorf und Statler aus der Muppetshow als Vorbild dienen. Schimpfen über die Reiseleitung gehört eben zu jeder Reise. Tatsächlich aber machen die Jungs und Mädels von Phoenix einen großartigen Job. Mit einer unendlichen Geduld gehen sie auf jedwede Befindlichkeit des Reisegastes ein

Wir kamen in Marseille mit einer Verspätung von 45 Minuten an und wurden mit dem Bus gleich zum Schiff transportiert. Einchecken, Mittagessen, Kabine beziehen, wobei das Beziehen der Kabine der arbeitsintensivste Teil war. Es ist nur wenig Platz, der Stau- und Schrankraum ist immer zu wenig, aber irgendwie schafft man es immer, sein ganzes Gedöns irgendwo unter zu bringen. Jedenfalls ist das Projekt Kofferpacken, auf dem Schiff Koffer wieder auspacken und Sachen in der Kabine verstauen durchaus mit einem Umzug vergleichbar.

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Die Außendecks achtern

Um 17:30 Uhr mussten wir zur unvermeidlichen Seenotrettungsübung und um 20:00 Uhr legten wir endlich ab – Kurs auf Casablanca in Marokko. Und da war es wieder, dieses unbeschreibliche Gefühl, dass einem auf einem Schiff befällt. Vor uns das offene mehr, hinter uns die Lichter von Marseille, die immer kleiner wurden und Die Spannung, was uns alles auf dieser Reise erwarten wird, die großen Sehenswürdigkeiten, aber auch die kleinen Abenteuer und kleinen touristischen Sehenswürdigkeiten, die einen Staunen lassen oder einfach nur schön sind.

 

02. Reisetag – Mittwoch, 7.1.2015 Auf See

Gestern Abend ging es nach einem kleinen Schlummertrunk in „Harrys Bar“ relativ früh ins Bett. Heute und morgen werden wir den ganzen Tag auf See sein.
Das Tagesprogramm, dass wir jeden Tag in gedruckter Form auf die Kabine bekommen verrät, welche Aktivitäten, Belustigungen und Freizeitmöglichkeiten auf dem Schiff angeboten werden. Die Austernparty auf einem der Außendecks konnte uns nicht locken, da wir keine Austern mögen, frei nach dem Motto: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Auch der Vortrag über die Grundlagen der digitalen Fotografie fand ohne mich statt, denn so oder so ähnlich gab es schon etliche Vorträge auf unseren vorherigen Reisen.

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Kaum angekommen, wird einem schon Appetit auf die nächste große Reise gemacht.

 

Interessant hingegen waren die Informationen, dass das Schiff, das 1200 Passagiere aufnehmen kann zurzeit nur 550 Passagiere an Bord hat. Am kommenden Sonntag werden wir auf Teneriffa noch einmal 30 Leute aufnehmen, Nach der Atlantiküberquerung in Recife in Brasilien steigen noch einmal 300 Leute zu, sodass wir mit knapp 900 Passagieren die erste Etappe der Südamerikareise bis nach Buenos Aires durchführen werden. Es ist immer angenehm, wenn ein Schiff nicht vollständig ausgebucht ist.

03. Reisetag – Donnerstag, 8.1.2015 Auf See, Straße von Gibraltar

Wir erhaschen noch weitere Informationen. Zum einen ist Stefanie Hertel an Bord und wird die nächsten Tage für uns Singen.

Zum anderen ist ein Filmteam an Bord um neue Episoden für die Doku-Soap „Verrückt nach Meer“ zu drehen. In der Vergangenheit wurde für diese Serie auf der MS Albatros gedreht, wobei der Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleis und der Kapitän Morton Hansen als Hauptdarsteller fungierten.
Sowohl der Kreuzfahrtdirektor als auch der Kapitän sind von der MS Albatros zur MS Artania gewechselt.

Das Zusammentreffen der drei Fernsehgrößen Stefanie Hertel, Thomas Kleis und Morton Hansen auf diesem unserem Schiff ist also dem Fernsehen geschuldet.

Die gesamten 96 Tage werden Filmteams an Bord sein, um die nächste Staffel von „Verrückt nach Meer“ zu drehen. Die Staffel wird aus sage und schreibe 50 Folgen bestehen, das heißt, die Leute drehen hier an Bord alle 2 Tage eine neue Folge ab.

Statler und Waldorf muppet Show jiDoris hat auch schon einen Dreh mitbekommen. Ein Fan trifft auf Stefanie Hertel und es kommt zu einem spontanen Gespräch von Fan zu Star. Die Spontanität musste allerdings mehrmals geprobt werden, bis es auch wirklich spontan war.

Es lohnt sich eigentlich fast nicht, für 3 Reisetage (Casablanca, Seetag, Teneriffa) einen eigenen Blogeintrag zu spendieren. Heute sind wir in Las Palmas/Gran Canaria, wo ich die Berichte der letzten 3 Tage in Netz schießen kann. Über Las Palmas kann ich natürlich erst heute Abend etwas schreiben und da sind wir schon wieder auf dem offenen Meer Richtung Brasilien. Und so eine Atlantiküberquerung dauert 6 volle Tage. Und vor so einer langen Funkstille wollte ich mich noch mal melden.

Noch 2 kleine Tipps zu Nutzung meiner Homepages.

  1. Wenn man einen Anschubser bekommen möchte, dass es wieder einen neuen Blogeintrag gibt, der kann sich für den Newsletter anmelden und erhält automatisch eine mail, wenn es etwas Neues im Blog gibt.
  2. Es gibt zu jedem Blogeintrag eine zusätzliche Bilderstrecke (quasi eine neue Seiten im Blog-Fotoalbum). Man findet die verschiedenen Seiten im Blog-Album, wenn man den Menüpunkt „Fotoalbum“ anklickt.
    Läßt man sich dort ein Foto anzeigen, lohnt es sich durchaus auch noch ein Stück nach unten zu scrollen, weil dort in dem meisten Fällen noch ein paar erkärende Worte stehen.

04. Reisetag – Freitag, 9.1.2015 Casablanca/Marokko

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Unser Taxi

Wir haben keine vom Schiff organisierte Stadtrundfahrt gebucht, weil, wie in den vergangenen Blogs von 2013 schon oft beklagt, sind diese Rundfahrten im Bus mit den vielen Reisegenossen oft recht nervig.
Deshalb haben wir mit einem Tagesfahrer für eine Stadttour mühsam einen Preis ausgehandelt, wie hier so üblich. Das Ergebnis der Verhandlungen war wahrscheinlich nur suboptimal, von den ursprünglich geforderten Preis von 60 Euro für zwei Stunden, ging der Fahrer auf 40 Euro runter.

 

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"Die" Sehenswürdigkeit! Moschee Hassan II.

Die Tour selbst hatte den selben Charme wie eine mit dem Bus, nämlich einen sehr geringen, aber man fuhr wenigsten an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei, wie Rick’s Café (Nachbau aus dem Film Casablanca mit Humphrey Bogart), dem Diplomatenviertel, Justizpalast, Königspalast, den Boulevard de la Corniche. Fotostopps wurden eingelegt bei der gigantische modernen Moschee Hassan II., an der Strandpromenade und am zentralen Platz Mohammed V. gegenüber der Bustour hatten wir hier zumindest Einfluss auf die Aufenthaltsdauer bei den Sehenswürdigkeiten.
Und wir bekamen hautnah mit, wie man hier Auto und Moped fährt. Wer die stärksten Nerven hat, hat Vorfahrt, der andere bremst oder weicht aus.
Wir ließen uns nicht zum Hafen zurückfahren, sondern entließen unseren Fahrer nach Zahlung unseres Salärs am Platz Mohammed V., nachdem er uns noch verraten hatte, wo sich eine öffentliche Toilette befand. Diese Lokation war die eigentliche Sensation der Stadtrundfahrt. Es ist unbegreiflich, wie man im touristischen und kommerziellen Zentrum so ein, gelinde gesagt gewöhnungsbedürftiges WC betreibt. Zum Glück musste ich nur „klein“.
Nach einigen Suchen fanden wir in der Nähe ein nettes Café mit WLAN, schließlich hatten wir schon drei Tage Internetabstinenz hinter uns. Jetzt stand dem Besuch der Medina mit ihren Souks nichts mehr im Weg. Was mich hier am meisten beeindruckt hat, war nicht das Warenangebot, das ist weitgehend touristisch orientiert, sondern eine Handyfreisprecheinrichtung für kopftuchtragende Frauen. Man klemmt sich das Handy einfach zwischen Ohr und dem darüber liegenden Kopftuch und hat so beide Hände frei.

 

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Lediglich ein Kühlschrankmagnet fand unser Gefallen unter den riesigen Basar-Angeboten.


Gegen 15:00 Uhr waren wir wieder am Schiff. An der gleichen Pier, an der wir lagen, hatte auch ein riesiger Autotransporter der Reederei Grimaldi festgemacht (ja die gehört den Fürstens von Monaco; Zwillinge, Schiffe, was die alles so haben) und es wurden gerade hunderte Pickups verladen. Da mussten wir natürlich erst mal hin und die Verladung beobachten.

Zurück an Bord, wurde gerade die Kaffeestunde eingeläutet. Da wir noch kein Mittagessen zu uns genommen hatten, passte das sehr gut, um uns mit Sandwiches und Apfelkuchen mit Schlagsahne zu stärken. Ansonsten lassen wir in der Regel diesen Teil des Nahrungsaufnahmeangebots des Schiffes weg, denn wenn man alle Möglichkeiten nutzt, kommt man auf bis zu fünf Essensterminen. Wem das nicht reicht, der kann sich noch ganztätig Hamburger und/oder Pizza und/oder Schnitzel bestellen.

Gegen 18:00 Uhr wurde im Foyer des Schiffs von der Reiseleitung ein „orientalischer Basar“ zelebriert. Alle Phoenix-leute waren in orientalische Gewänder und Kaftane etc. gehüllt, aus den Lautsprechern ertönte die entsprechende Musik und es gab süßes Gebäck, ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass die Kuchentafel gerade mal vor einer Stunde erst abgebaut wurde.

Um 20:00 Uhr legten wir ab unter den Trompetenklängen der Auslaufmelodie.
Das nächste Ziel ist Teneriffa, das wir übermorgen erreichen werden.

05. Reisetag – Samstag, 10.1.2015 Seetag

Von heute gibt es nichts Ausgewöhnliches zu berichten.

Stefanie Hertel hatte heute Abend ihren Auftritt. Mir wäre zwar lieber gewesen, Phoenix hätte die Rolling Stones engagiert, aber zumindest reingeschaut in die Show haben wir dann doch.

 

06. Reisetag – Sonntag, 11.1.2015 Santa Cruz/Teneriffa/Spanien

Für den Landgang hatten wir nichts Besonderes geplant, wir wollten uns einfach so treiben lassen.
Für die zwei Kilometer bis zum Ausgang des Hafengeländes stand ein kostenloser Shuttelbus-Service zur Verfügung.
Selbst bei einer so kurzen Fahrt wurde mir wieder klar, warum ich Busausflüge nicht besonders mag. Das Statler und Waldorf muppet Show jigeht beim Einsteigen los. Die Ersten die einsteigen, wählen auch die vorderen Sitzreihen und solange diese Leute umständlich ihren Platz einnehmen, hindern sie die Nachfolger am Einsteigen. Aber zu den hinteren Reihen Durchgehen hätte ja den Nachteil, dass man nicht als Erster wieder aussteigen kann. Diese umständliche Procedere wurde noch getoppt, dass jemand für ein befreundetes Paar, das beim Einstieg nicht unter  den Top Ten war, Platz freihalten wollte, damit man bei der 3-minütigen Fahrt zusammensitzt. Dies führte zu größeren Diskussionen, was den Einstiegsprozess noch mehr verzögerte.
Aber irgendwann waren wir alle im Bus und er fuhr uns zum Hafenausgang und damit waren wir auch schon im Zentrum von Santa Cruz. Da es Sonntagmorgen war, waren die meisten Geschäfte und Restaurants (noch) geschlossen und sonst viel zu sehen gab es auch nicht.
Da entdeckten wir zufällig eine Straßenbahnstation und aus den Reiseinformationen wussten wir, dass es in Santa Cruz die einzige Straßenbahn in Teneriffa gibt. Spontan kauften wir uns jeder ein Ticket (1,35 EUR) und fuhren in ca. 40 Minuten nach La Laguna, deren historische Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde.
Neben dem Weltkulturerbe fanden wir auch eine Kneipe mit kostenlosen WLAN.
Für erneute 1,35 € fuhren wir später zurück. An diesen Preisen sollten sich der RMV und die Deutsche Bahn AG in Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Da aber nur am Rande.
Wir fuhren jetzt spaßeshalber bis zur Endstation und das war eine gute Idee, wie es sich beim Ausstieg zeigte. Zum einen standen wir vor dem Opernhaus, das ein wenig  aussieht wie die kleine Schwester des Opernhauses von Sidney. Zum anderen gab es einen Markt, teils mit Flohmarktartikel, teils mit  kommerzielle Waren, mit einer unüberschaubaren Anzahl von Ständen. Der Frankfurter Flohmarkt am Mainufer ist dagegen schon fast provinziell.  

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Auf dem Weg zurück zum Schiff.

Also nahmen wir diese touristische Attraktion auch noch schnell mit, bevor wir zurück zum Schiff kamen.
Inzwischen war es schon nach 15:00 Uhr und wir hatten noch nicht zu Mittag gegessen. Der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß jetzt auch schon in etwa, wie die Geschichte weitergeht. Zur Kaffeestunde gab es für wieder ein paar Sandwiches und ein großes Stück Schwarzwälder Kirschtorte.
Der Rest des Tages verlief unspektakulär, also wie im Urlaub.

 

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07. Reisetag – Montag, 11.1.2015 Las Palmas/Gran Canaria/Spanien

Die in der Nacht zurückgelegte Strecke von Teneriffa nach Gran Canaria betrug lediglich 60 Seemeilen, das sind circa 110 Kilometer (1 SM = 1,852 Km).
In Las Palmas erwarteten uns wiederum frühlingshafte Temperaturen. Seit Marseille hatten wir eigentlich nur gutes Wetter.

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Hafenausgang. Im Hintergrund das 60 Meter hohe

Wohn- und Geschäftshaus "Torre Woermann".

Für heute waren unsererseits keine großen Aktivitäten geplant. Zum einen, weil wir Gran Canaria einschließlich Las Palmas schon ganz gut kennen, zum anderen, weil Doris seit gestern an einer Erkältung laboriert. Erkältungen auf einem Schiff sind eigentlich der Normalfall. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einem während der Reise erwischt, ist recht hoch, trotz Desinfizierung der Hände beim Betreten des Schiffs oder innerhalb des Schiffs beim Betreten der öffentlichen Räume.
Der Hafen von Las Palmas liegt direkt am Stadtteil Santa Catalina mit seinem Strand Playa de las Canteras. Dieser Strand war Ziel unseres morgendlichen Spaziergangs. Mit wachem Auge suchten wir dabei natürlich auch wieder nach einem Internetzugang und wurden in einem Café an der Strandpromenade fündig. Das dort zur Verfügung gestellte WLAN-Netz  war allerdings nicht sehr stabil und brach immer wieder zusammen, aber ich habe es doch geschafft, alles was zum Blog gehört hochzuladen.
Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher in einen Supermarkt und deckten uns mit 10 Flaschen Mineralwasser a 1,5 Liter (55 Cent/Flasche) ein. Durch die Anwendung des doppelten Dreisatzes habe ich dann ausgerechnet, dass wir pro gekaufter Flasche 4,85 € gegenüber dem Preis auf dem Schiff gespart haben. Ich bin nun überzeugt, dass wir uns dadurch so richtig reich trinken können.


Um 18:00 Uhr legte unser Schiff ab mit Kurs auf Recife/Brasilien. Die 6-tägige Atlantiküberquerung hat begonnen.

 

08. Reisetag – Montag, 12.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 10:00 Uhr: 23° 25′ Nord und 18° 9′ West (= Höhe Westafrika)

Die Seetage an Bord sind vollgepackt mit Unterhaltungs- und Animationsprogrammen, die nur durch Mahlzeiten unterbrochen werden. Da ich bereits in meinem Blog „Mit dem Schiff einmal rund um die Nordhalbkugel“ die Themen mehr als ausführlich behandelt habe, gehe ich hier jetzt nicht mehr im Detail darauf ein.
Von dem breiten Angebot habe ich mir um 15:00 Uhr den Vortrag „Digitalfotografie – Tipps zum Kamerakauf“ angehört. Der Vortrag war wirklich gut gemacht, brachte mir jedoch keine neueren und tiefere Erkenntnisse.

Die See ist nach wie vor sehr ruhig.

09. Reisetag – Mittwoch 14.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 10:00 Uhr: 17° 38′ Nord und 22° 01′ West.

Am späten Nachmittag erreichten wir die Inselgruppe Kap Verden, die wir aber nicht anliefen, sondern steuerbords liegen ließen. Eigentlich schade, aber so war halt der Reiseplan. Vom Schiff aus war wenig zu sehen, da die Sicht trübe war. Der Grund für die schlechte Sicht sei der Sand aus der Sahara, den der Wind über das Meergetrieben hat, so erklärte es der Kapitän über die Bordlautsprecher.
Der Höhepunkt des Abends war das Oktoberfest um 21:00 Uhr in der Kopernikusbar. Die Kopernikusbar ist eines von mehreren Außendecks und hier ging jetzt der Punk ab. Ballermannmusik, Leberkäs‘, Bratwurst, Fleischpflanzerln (Frikadellen) und sonst noch dies und das. Diese Vergnüglichkeit schloss sich fast nahtlos an das Abendessen an. So waren mir zwar von anderen Schiffsreisen Bayerische Frühschoppen bekannt, die sich aber von diesem Oktoberfestabend dadurch unterschieden, dass sich das Mittagessen nahtlos an die Vergnüglichkeit anschloss. Beide Veranstaltungskonzepte beinhalten den einstündigen Ausschank von Freibier. Am heutigen Abend wurde aber noch einer daraufgesetzt. Die Frau des Kapitäns hatte Geburtstag, und nachdem sie von der Phoenix-Reiseleitung ausgiebig gehuldigt wurde, spendierte der Kapitän eine weitere Stunde Freibier.
Leider habe ich von diesem Event keine Fotos gemacht, aber das ist nicht weiter schlimm, weil zwei Filmteams das Geschehen ausführlich dokumentiert haben. Man kann sich das Ganze dann in Ruhe ab Herbst 2015 in der Doku-Soap „Verrückt nach Meer“  anschauen.

10. Reisetag – Donnerstag 15.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 15:00 Uhr: 11° 25′ Nord und 24° 54′ West.

100 2015-01-15 hoe p1000231 20150116 1748250525Am Vormittag um 11:00 Uhr gab es einen maritimen Austern-Frühschoppen. Diese Veranstaltung hatte durchaus ihre Berechtigung, denn neben den Austern gab es weitere fischige Angebote unter anderem Rollmöpse, die nach der gestrigen Freibierorgie durchaus von Nutzen sein konnten.
Die Kellner, die gestern noch in lustigen Lederhosenkostümen steckten, erfreuten den kreuzfahrenden Gast heute in zünftiger seemännischer Kluft.  130 2015-01-15 hoe p1000235 20150116 1115913320140 2015-01-15 hoe p1000238 20150116 1251335802


Anscheinend konnte die Schiffsküche Fisch günstig im Sonderangebot erwerben, denn am Abend stand auf dem hintern Außendeck eine Sushi-Party auf dem Programm. Sushi, das ist meines Wissens gerollter Fisch, also die japanische Variante des deutschen Rollmopses. Es gab Sake und die „Spirit-Band“ spielte Oldies aus den 60ern und 70ern und das recht gekonnt.
Da wir uns immer mehr dem Äquator nähern, lässt sich draußen, bei sehr milden Temperaturen gut feiern. Eine Jacke braucht man nicht mehr.

11. Reisetag – Freitag 16.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 10:00 Uhr: 7° 12′ Nord und 27° 3′ West.

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Zuckersüßes Traumschiff

Die MS Deutschland hat ja als Fernseh-Traumschiff ausgedient. Das hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die Reederei Deilmann in Konkurs gegangen ist und das Schiff zurzeit nicht fährt. In diese Bresche  springt jetzt die MS Amadea, ein Schwesterschiff der MS Artania, das auch unter der Phoenix Flagge fährt. Dies wurde als Anlass genommen, am heutigen Nachmittag eine Traumschiff-Kuchen-Party zu veranstalten und da es neben der Traumschiff-Torte Sekt satt umsonst gab, war die Party auch gut besucht.

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Blick von oben auf das feierende Seefahrervolk


Es kann beim geneigten Leser jetzt langsam der Eindruck entstehen, dass eine Atlantiküberquerung nur aus Party-Events besteht.  Das ist sogar teilweise richtig, die Phoenix-Leute sind bemüht, dass keine Langeweile aufkommt und es gibt Animationsprogramme von morgens bis spät abends.

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Auf dem Promenadendeck hat man viel Ruhe

Wir selbst nehmen nur einen Bruchteils dieses Angebots war und gehen auch ab zu mal zu einem Vortrag und kiebitzen natürlich bei den „Highlights“. Aber wir lesen auch viel, nutzen den Fitnessraum machen Spaziergänge über das Promenadendeck (1 Runde = 440 Meter) oder stehen an der Reling und schauen aufs Meer. Das ist, was wir am Kreuzfahren so mögen.
Was wir auch sehr ausgiebig nutzen, ist das Frühstücksbüffet im Lido-Restaurant. Da brauchen wir immer sehr viel Zeit. Z.B. vom Eierkoch individuell zubereitetes Spiegelei  mit Käse und Zwiebeln, dazu Speck und gebratene Bohnen. Im Anschluss frisch zubereitetes Bircher-Müsli und ein paar Scheiben Melone zum Ausklang.
Auch zum Mittag- und Abendessen gehen wir immer ins Lido-Restaurant, denn hier werden die Malzeiten am Selbstbedienungsbüffet angeboten. In den beiden anderen Restaurants wird das Essen klassisch auf Tellern angerichtet serviert. Das Selbstbedienungs-restaurant hat aber keinesfalls den derben Charme einer Kantine, sondern Speise- und Getränkekellner und Köche am Buffet bieten einen ausgezeichnet Service. Selbstverständlich wird nicht mehr gebrauchtes Geschirr von den Kellnern abgeräumt und Getränke werden serviert.
Der allergrößte Vorteil des Buffets ist, dass man sowohl Größe als auch Zusammensetzung der Mahlzeit frei gestaltet.  So nimmt man sich erst mal auf einem kleinen Tellerchen eine „Kostprobe“ und entscheidet dann, ob man dabei bleibt oder sich etwas anderes aussucht oder man kann sich dreimal die Vorspeise holen und geht sofort nahtlos zum Nachtisch über, z.B. von der Eis-Theke, wo einem ein freundlicher Servicemann mit Eis und Sahne versorgt.

 

 

12. Reisetag – Samstag 17.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 10:00 Uhr: 2° 19′ Nord und 29° 30′ West.

Gleich nach dem Frühstück probte die Crew ein “Mann über Bord“-Manöver. Halt, das habe ich jetzt falsch wiedergegeben, das heißt ja jetzt geschlechtsneutral “Person über Bord“-Manöver. So hat man es uns auch am ersten Tag während der Seenotrettungsübung beigebracht. Wenn jemand ins Wasser fällt, muss man: “ Person über Bord“ rufen. Soviel Gender-neutralität und “political correctness“ ist zwar sehr löblich, wurde aber noch am gleichen Abend wieder aufgeweicht, als es als Dessert “Mohr im Hemd“ gab.

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Eine von Neptuns Einseif-Nonnen

Heute Abend werden wir den Äquator überqueren. Aus diesem Anlass wurde bereits um 11:00 Uhr die Äquatortaufe durchgeführt, ein erneuter kostümlastiger Party-Event. Diesmal mussten sich allerdings die Phoenix-Leute verkleiden, als Neptun, dessen Frau Tetis, sein Gefolge bestehend aus Nonnen, Krankenschwestern, einem Quacksalber und weiteren buntschillernden Figuren. Neptun beschimpfte zunächst traditionsgemäß Besatzung und Passagiere, wollte sich aber friedlich zeigen, wenn man sich einem Reinigungsritual unterzöge. Zum Glück ist dieses Ritual nicht obligatorisch, sodass wir uns, wie viele andere auch davor drückten. Aber es gab immer noch genügende Freiwillige, die sich dieser Prozedur unterzogen. Zunächst musste man einen Fisch in der Hand der Neptun-Gattin küssen, dann wurde man von den Nonnen mit buntem klebrigem Schaum eingeseift, dann bekam man vom Quacksalber den Mund mit Hilfe einer großen Spritze mit Wodka den Mund ausgespült und wurde von weiteren Neptun-Gehilfen in den Pool geschubst.
Trotz unsrer Verweigerung des Reinigungsrituals fanden wir am Abend auf unsere Kabine eine bunte Urkunde über die Teilnahme einer erfolgreichen Äquatortaufe.

 

13. Reisetag – Sonntag 18.1.2015 Auf See

Positionsmeldung um 10:00 Uhr: 4° 7′ Süd und 32° 51′ West.

Dass wir uns langsam Land nähern, sieht man daran, dass zunächst vereinzelt und dann immer häufiger Möwen und Fregattvögel gesichtet werden.

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Eiskünstler in Aktion

Heute, am letzten Tag der Atlantiküberquerung, wurden noch einmal alle Register in Sachen Unterhaltungsprogramm gezogen, der FernSeeGarten, in Anlehnung der ZDF-Sendung. Sängerinnen in der Rolle von Helene Fischer und Andrea Berg, kleine Kochshows, Eis- und Gemüseschnitzetr und sonst noch dies und das.

Ab morgen geht der touristische Alltag los, wenn wir in Recife/Brasilien erstmals in Südamerika an Land gehen werden.
 

 

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14. Reisetag – Montag, 19.1.2015 Recife/Brasilien

010 2015-01-19 recife dhl p1000309 20150122 1943298225Nach einer absolut ruhigen Atlantikfahrt, ohne Sturm und größeren Wellengang, erreichen wir am frühen Morgen die Millionenstadt Recife in Brasilien. Wir liegen in einem Industriehafen, er ist hässlich, unspektakulär, und er hat keinerlei Flair.
Mit und liegen noch zwei weitere Kreuzfahrtschiffe an der Pier, die Costa Deliziosa (bis zu 2800 Passagiere) und die Aurora von der Reederei P&O (bis zu 1800 Passagiere).
Da wir für den Nachmittag einen Ausflug gebucht haben, wollen wir am Vormittag nur kurz in das Zentrum, um Geld zu tauschen und einen Internetzugang zu suchen. Als wir sofort nach Weihnachten in Deutschland Geld für diese Südamerikareise tauschen wollten, sagte man uns bei der Eschborner Volksbank, dass dies wegen der Jahresabschlussarbeiten bis zu unserer Abfahrt am 6. Januar nicht mehr möglich sei. Dieselbe Antwort erhielten wir auch bei der örtlichen Sparkasse. Nur Dollars  konnten wir noch bekommen.
Ein Shuttlebus bringt uns vom Schiff zum Hafenterminal, über das man das Hafengelände dann verlassen kann. Im Terminalgebäude wimmelt es von Menschen. Ja, wenn drei Kreuzfahrtschiffe ihre Ladung ausspucken, dann ist was los “uff de Gass“. Im Terminal befindet sich auch eine Wechselstube, sodass wir unsere Dollars in brasilianische Reals umtauschen konnten.
An einem kleinen Info-Stand wurden wir zunächst für den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft beglückwünscht und erhielten dann einen Stadtplan von Recife, das ja auch einer der Austragsorte war.
Recife  ist eine großflächige Millionenstadt (1, 5 Mio. Einw.) mit supermodernen architektonisch futuristischen Hochhäusern, mit Gebäuden aus der Kolonialzeit, aber auch teilweise schon sehr angeschmuddelten Häuser aus der Zeit Anfang der 1900er Jahren und die typischen kleinen einfachen ein bis zweistöckigen Häuser.
Die Altstadt liegt ganz in der Nähe des Hafens und dorthin wollen wir unsere Nase mal kurz reinstecken und durchwanderten mit touristischem Blick die Straßen von Recife.
Doris entdeckte ein verstecktes Internetcafé, wo ich den Blog aktualisieren konnte.   

060 2015-01-19 recife dhl p1000317 20150122 1052828538Am Nachmittag starteten wir per Bus zu unseren gebuchten Ausflug “Strandtransfer“.   Der Strand ist 7 Kilometer lang und wir auf der gesamten Länge genutzt. Überall sind kleine Buden und es wimmelt von Strandverkäufern, die Eis, Getränke, Nüsse, Schmuck, Hüte, aber auch Austern oder gebratenen Fisch anbieten. Uns fällt auf, dass diese Händler nicht penetrant sind und ein freundliches Kopfschütteln unsererseits wird mit einem Lächeln akzeptiert.
Da gerade Flut herrschte, waren die Wellen recht heftig und da wir uns nur im flachen Bereich aufhielten haben wir auch die Gefahr eines Haiangriffs ausgeschlossen.
Auf der Rückfahrt zum Schiff führte unser Ausflug noch kurz zur “Casa da Cultura“ und nicht nur unsere Ausflug, sondern alle Ausflüge der Artania, der Costa Deliziosa und der Aurora, sodass man auch hier meinte, im Weihnachtstrubel auf der Frankfurter Zeil zu sein. Die “Casa da Cultura“ ist ein ehemaliges Gefängnis, in dessen Zellen jetzt kleine Souvenir- und Kunstgewerbelädchen untergebracht sind. 

110 2015-01-19 recife dhl p1000342 20150122 1341431422110 2015-01-19 recife dhl p1000342 20150122 1341431422
Unser Aufenthalt in Brasilien hat auch einige Konsequenzen für unser Schiff. Auf Grund behördlicher Auflagen darf in den Restaurants das Frühstück nicht mehr in Buffetform angeboten werden, sondern muss als Menü serviert werden. Zum Glück darf, warum auch immer, im Lido-restaurant, wo wir immer Frühstücken und Essen gehen, die Buffetform beibehalten werden. Allerdings darf dort die Toaster nicht mehr aufgestellt werden, sondern man muss einen Kellner bitten, dass dieser einem das Weißbrot in der Küche toastet, Besonders tragisch ist der behördlich angeordnete Wegfall der Eisstation beim Mittagessen. Die Bordboutique hat ganz und gar resigniert und bleibt während des Brasilienaufenthaltes ganz geschlossen. Bis gestern gab es dort noch eine Art „Brasilienschlussverkauf“, indem es auf alle Artikel 5% Rabatt gab.
Meine Anmerkungen hierzu: Brasilien hat riesige soziale Probleme mit Armut, aber auch Kriminalität und Korruption und hierauf sollten die Behörden ihr Augenmerk richten und nicht ihre Energien in Toasterverordnungen für Kreuzfahrtschiffe sinnlos verschwenden.

15. Reisetag – Dienstag, 20.1.2015 Maceió /Brasilien

2015-01-20 Maceio hoe P1000475Um viertel nach acht sollte unser Ausflug diesmal schon losgehen. Das bedeutete um 6:00 Uhr aufstehen. Der Titel des Ausflugs lautete “Lagune Mundaú“, eine Fahrt mit dem Boot auf besagter Lagune mit Bademöglichkeit in derselben oder wahlweise auch  im Atlantik, der von der Lagune selbst durch einen schmalen Landstreifen getrennt ist.  
Die Fahrt mit dem Ausflugsboot war schön, das Auge bekam viel zu sehen. Bemerkenswert ist lediglich das Bad im Atlantik. Es herrschte Ebbe und die Strömung war bereits im hüfthohen Wasser beträchtlich, sie zieht einem aber nicht Richtung offenes Meer, sondern parallel zur Küstenlinie. Schwimmend kam man kaum dagegen an, solange man steht kann einem die Strömung wenig anhaben.
Was es ansonsten noch an Kleinigkeiten zu berichten gibt, findet man bei den Bildern dieser Fahrt im Fotoalbum. Dort habe ich bei den Bildbeschreibungen des Öfteren mehr als nur drei erklärende Worte dazu geschrieben.

 

16. Reisetag – Mittwoch, 21.1.2015 Salvador da Bahia/Brasilien

2015-01-21 Salvador hoe P1000518Salvador ist eine weitere Millionenstadt (2,6 Mio. Einw.). Sie gehört zum brasilianischen Bundesstaat Bahia und erlangte im 19. Jahrhundert traurige Berühmtheit als Umschlagplatz für den Sklavenhandel.
Salvador ist auf verschiedenen Ebenen einer Bergkette gebaut, welche die Stadt in eine Oberstadt (cidade alta) und in eine 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt (cidade baixa) teilt. Um vom einen Teil in den anderen zu gelangen, kann man den Aufzug Lacerda benutzen. (Quelle: Wikipedia)
Auch hier in Salvador gab es Fußballspiele zur WM 2014.
Als wir im Hafen einliefen war das Riesenkreuzfahrtschiff Costa Deliziosa, das wir aus Recife schon kennen, bereits da. Und noch ein weiteres ebenfalls. Man sehe mir nach, dass ich den Namen vergessen habe, aber so ein touristisches Hirn ist eben auch nur begrenzt aufnahmefähig.
Nach dem Frühstück ging es mit dem Shuttlebus zum Hafenausgang. Ich rieb mir die Augen, weil ich das Costaschiff auf einmal doppelt sah. Wie sich herausstellte, war mit meinen Augen alles bestens, auch die Brille war geputzt, es lag da tatsächlich ein weiterer Dampfer dieser italienischen Reederei, die Costa Favolosa mit bis zu 3800 Passagieren und 1100 Mann Besatzung.
2015-01-21 Salvador hoe P1000565Gleich hinter dem Hafenausgang brodelte das Leben. Nachdem man das Spalier mit den duzenden Anbietern von Ausflügen, Taxirundfahrten etc. durchlaufen hatte waren Doris und ich selbst ein touristisches Fotomotiv. Eine junge Brasilianerin sprach uns auf Portugiesisch (die brasilianische Landessprache) an, eine Sprache, von der wir nicht mehr kennen als “Danke“ und nach einigem hin und her mit Händen und Füßen, war klar was sie und ihre beiden Begleiterinnen wollten. Was uns so fotografisch interessant machte, wird ewig ein Geheimnis bleiben.
Unser Weg führte uns zunächst zur Markthalle und von dort zu einem Aufzug. Der brachte uns für 0,15 Real (ca. 5 Cent) von der Unterstadt in die Oberstadt. Ein ähnliches Konstrukt findet man auch in Lissabon. Nachdem wir das imposante Aufzugsgebäude verlassen hatten waren wir mitten im bunten Treiben der Oberstadt, die zum Weltkulturerbe zählt.  Die pastellfarbenen Häuserreihen, Kirchen, Klöstern, Cafés, Bars, Restaurants und Kleinkunstmärkten bilden eine der touristischen Hauptattraktionen Salvadors. Wir lassen uns einfach treiben und genießen für einige Stunde den bunten Trubel. Auch hier verweise ich wieder auf die Bildergalerien in den Fotoalben auf dieser Webseite. Sie vermitteln wahrscheinlich die Eindrücke besser, als das ich mkit Worten beschreiben kann.
gegen 10:00 Uhr kommen wir doch ein wenig kaputt wieder am Schiff an. Die Hitze ist doch enorm.

 

17. Reisetag – Donnerstag, 22.1.2015 Ilhéus/Brasilien

Man glaubt es nicht, aber wir mussten um halb sechs in der Frühe aufstehen. Wir hatten wieder einen Ausflug gebucht und für den galt: Treffpunkt um 7:30 Uhr in er Atlantik-Show-Lounge des Schiffs. Von dort wurden wir zum Ausflugsbus geführt, den wir nach einem kurzen Fußmarsch durch den kleinen Hafen erreichten. Dort begrüßte und der örtliche Reiseleiter, Willi, ein gebürtiger Karlsruher, der seit vielen Jahren in Brasilien lebt und wir fuhren die wenigen Kilometer in die Stadt Ilhéus. Dort das übliche Programm, zwei Kirchen, eine von außen (die vom St. Sebastian) und eine von innen, ein Denkmal, das Rathaus im klassizistischem Kolonialstil.

2015-01-22 Ilheus dhl P1000418Mitten bei der Stadtführung fing es an zu regnen und 30 Sekunden später bog schon ein Schirmhändler mit seiner Schiebekarre um die Ecke und bot lautstark seine Ware an. Der Schirmhändler und ich wurden schnell handelseinig. Für 10 Real (ca. 3,30 €) erstand ich einen kleinen Schirm, der in den Rucksack passt. Meinen eigenen hatte ich dummerweise im Koffer gelassen und der wanderte gleich zu  Beginn der Reise in irgendein Kofferdepot tief im Bauch des Schiffs. Zwar gab es in jeder Kabine zwei Schirme in den Phoenix-Farben (siehe Foto), das sind aber derart große und unhandliche Prügel, die in keinen Rucksack passen, ja nicht einmal in einen riesen Koffer. Die sind wahrscheinlich so gro0, dass man sie nicht am Ende der Reise mit nach Hause nimmt.

Auf der anschließenden Fahrt mit unserem Bus zum eigentlich Ziel, den  Tijuipe-Wasserfall, erzählte Willi über den brasilianischen Alltag, wie z.B. Schulwesen oder  Gesundheitswesen und das sehr anschaulich, wirklich interessant. Gesetzliche Krankenversicherungen gibt es nicht und die Privaten sind für die meisten Menschen unerschwinglich  und die kostenlose  medizinische Grundversorgung ist eine reine Alibifunktion und unzureichend, da der Großteil der Ärzte in Privatpraxen und Privatkliniken ihr Geld verdienen und in den öffentlichen Kliniken und Ambulanzstationen nur sporadisch z. B. nur einen Tag in der Woche arbeiten. Dabei ist den Medizinern kein Vorwurf zu machen, sondern der unzureichend umgesetzten staatlichen Fürsorgepflicht für die Menschen.


2015-01-22 Ilheus dhl P1000421Ein Problem ist auch die fehlende Schulpflicht. Zwar bekommen Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken kein Kindergeld, das sowieso nur ca. 20 € pro Monat beträgt. Und oft haben die Eltern gar keine Möglichkeit, die Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, weil diese viel zu weit von ihren Dörfern entfernt sind. Einige Industrie- und Plantagenbetriebe bieten zwar so eine Art Schulunterricht für die Kinder ihrer Mitarbeiter an. Dieser ist aber völlig unzureichend.
Ein weiteres Manko ist, dass in Brasilien Englisch als Fremdsprache nicht sehr verbreitete ist. In den öffentlichen Schulen wird es weder als erste noch als zweite 2. Fremdsprache angeboten.

Statler und Waldorf muppet Show jiAber die Probleme der Brasilianer treten völlig in den Hintergrund, wenn es um einen allgegenwärtigen und immerwährenden touristischen Konflikt geht – die Klimatisierung des Busses.
Sie spaltet das busreisende Einheitsvolk in zwei unversöhnliche Lager. Das eine Lager fordert eine umfassende und vollständige Kühlung des Busses, während das andere Lager über die dadurch verursachte kalte Zugluft klagt und sich deshalb mit Mütze, Schal und Jacke dagegen zu schützen versucht. In 90% der Fälle setzt sich die Air-Condition-Fraktion durch, egal ob in den Tropen oder in Grönland. Doris und ich gehören zu denen, die dann mit Hut und Mantel resignierend im Bus sitzen. Aber diesmal hat die Fraktion gesiegt, die meint, in Äquatornähe kann die Bustemperatur durchaus mal die 18-Grad-Marke um ein halbes Dutzend Celsiusse übersteigen darf. Dies hat einen Verfechter der Kühlschranktemperatur derart erbost, dass er völlig außer sich durch den Bus schrie: „Wenn es in dem Bus weiterhin so warm bleibt, fahre ich mit dem Taxi zurück.“ Unser gemütlicher badensischer Reiseleiter Willi stutze kurz und dozierte dann in seinem singenden Karlsruher Dialekt: „Eine Fahrt mit dem Taxi zum vom Wasserfall zum Schiff koscht (kostet) ungefähr 100 Real, das sind knapp 35 Euro.“
Die Fahrt bis zu dem Naturpark, in dem sich unser Wasserfall befand, erfolgte dann ohne weitere nennenswerte Komplikationen.
Am Naturpark angekommen gelangte man nach einem kleinen Fußmarsch zum Wasserfall, wo einige die Möglichkeit nutzen, zu baden. Der Wasserfall selbst ist sicherlich keine touristische Attraktion, aber, wird aber einfach von den Ausflugsanbietern einfach zu einer gemacht.

2015-01-22 Ilheus dhl P1000423

2015-01-22 Ilheus hoe P1000590Aber das ist nicht weiter schlimm, denn im naturbelassenen Park wurden lediglich einige Trampelpfade angelegt, es gab ein bisschen Infrastruktur in Form eines Toilettenhäuschen und einem hölzernen Pavillons, wo man etwas Essen und Trinken konnte . Entfernte man sich ein paar Meter, kam doch schon ein wenig Dschungel-Feeling auf. Doris und ich spazierten also durch die Natur, genossen die Selbige und machten viele Fotos. Einige davon kann man im Fotoalbum zu diesem 4. Blogeintrag finden.

Nachdem zwei Stunden ging es wieder zurück zum Bus, der uns noch zu einem Geschäft fuhr, in dem Kakao und Schokolade verkauft wurde. Natürlich fuhren auch hier alle Ausflugsbusse hin und auch ohne Costa-Schiffe war der Laden proppenvoll. Über Sinn und Unsinn solcher „Ausflugsziele“ schweigt des Sängers Höflichkeit.
Auf der Rückfahrt zum Schiff blies die Klimaanlage übrigens wieder aus allen Rohren, aber ich hatte ja noch ein trockenes Badetuch mit dabei, in das ich mich einwickeln konnte.

 

18. Reisetag – Freitag, 23.1.2015 Seetag

Diesen Seetag habe ich bitter nötig gebraucht, war ich doch mit meinen Aufzeichnungen für den Blog arg im Rückstand. So war ich mehrere Stunden damit beschäftigt die Berichte zu schreiben, Bilder für den Blog aus der Masse auszuwählen, sie so umzubenennen, dass die Fotos von Doris und mir in der richtigen Reihenfolge angezeigt werden.

Am späten Nachmittag gab der Kapitän eine Kursänderung bekannt, weil ein allein reisender Passagier so erkrankte, dass er in eine Klinik musste. Wir steuerten nun auf den nächsten größeren Ort zu und gleichzeitig wurde uns ein Boot von der Küste entgegengeschickt. Nach knapp zwei Stunden trafen sich Boot und Artania. Der Patient konnte zwar sitzend transportiert werden, musste aber irgendwie auf das kleine brasilianische Boot hinüber, dass auf den Wellen wie eine Nussschale tanzte, trotz der durch Taue hergestellten Verbindung zwischen Boot und Kreuzfahrschiff. Irgendwie schaffte man es, den Mann von der Artania auf das schwankende und auf und ab tanzende Boot zu ziehen und zu tragen. Seine Reisetasche und sein Koffer wurden noch rasch rüber geschmissen und das Boot nahm Kurs auf die Küste. Ich mag gar nicht daran denken, was in dem armen Mann vorging. Ganz allein in einem brasilianischen Krankenhaus, man versteht die Sprache nicht und hat niemanden der sich um organisatorische und sonstige Dinge kümmert. Das ist der GAU, der einem auf einer Reise passieren kann.

Noch mehr Bilder zu diesem 4. Blogbeitrag


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19. Reisetag – Samstag, 24.1.2015 Búzios /Brasilien

2015-01-24 Buzios hoe P1000667

Bardot-Denkmal

Búzios war bis 1964 ein kleiner Fischerort, dann wurde er von Brigit Bardot, die aus dem südlicher gelegenen Rio de Janeiro vor einigen lästigen Paparazzi flüchtete “entdeckt“ und ließ sich hier zeitweise nieder. Das zog weitere Jetset-Kreise an und so entwickelte sich der Ort und ist heute eine bedeutende Urlaubshochburg  für die Brasilianer und die Bewohner der benachbarten Länder.

Da der Ort keine Pier für größere Schiffe hat, mussten wir auf Reede liegen und an Land tendern. Das heißt, wir ankerten in der Bucht von Búzios und die Rettungsboote des Schiffs, die sogenannten Tender, brachten uns an Land.  Während der Fahrt mit dem Tenderboot liegt mit immer der Elvis Presley Song  “Love Me Tender“ auf den Lippen, aber Doris hat mir streng verboten, das im Rettungsboot zu singen.
Da die Anlegestelle des Tenders direkt am Ortszentrum liegt, haben wir keine Ausflüge gebucht, sondern gingen auf eigene Faust los, den Ort zu erkunden.
2015-01-24 Buzios hoe P1000662Als wir am Landungssteg ankamen, waren dort schon hunderte von Menschen, natürlich nicht wegen uns, sondern um eines der vielen Ausflugsboote zu besteigen, die sie an eine der zahlreichen Strände brachte. Und dieser Menschenstrom brach den ganzen Tag nicht ab, genauso wenig wie die verfügbaren hölzernen Ausflugsschiffe.
Das Städtchen selbst war sehr gepflegt, es gab endlich mal keine Hochhäuser, kurz ein Ort der zum Bummeln einlädt. Große Sensationen, außer den vielen Stränden, gab es nicht, aber es macht einfach Spaß, dem Treiben am Wasser zu zuschauen.
Wir fanden ein keines Lokal, in dem es WiFi gab, sodass wir unsere E-Mail abrufen konnten. Eine Mail hat mich besonders gefreut. Sie stammte von einem mir unbekannten Herrn Michael D. aus Norddeutschland (Name ist der Redaktion bekannt :-) ). Herr D. schreibt, dass er auf diesen Blog gestoßen ist und ihn mit großem Interesse verfolgt, insbesondere da er im März in Acapulco auf der Artania  zusteigen wird.
Sonst gibt es eigentlich nichts zu berichten, außer, dass wir und beim “Treibenlassen“ etwas vom Meer entfernt hatten, selbiges nicht mehr sahen und total die Orientierung verloren hatten. Ein Einheimischer zeigte uns dann aber die grobe Richtung, nach dem wir mit Händen und Füßen unsere Frage nach Orientierungshilfe gestellt hatte. Er sprach nur portugiesisch und sonst nichts und wir nur deutsch und englisch und sonst nichts. Auch meine rudimentären Lateinkenntnisse aus meiner Messdienerzeit brachten uns hier leider nicht weiter. Aber irgendwie hat es ja dann doch geklappt und allzu weit hatten wir uns auch gar nicht vom Strand, an dem sich auch der Steg für unseren Tender befand, entfernt. Aber hätten wir uns allein auf unser Gefühl verlassen, wären wir ganz woanders rausgekommen.

20. Reisetag – Sonntag, 25.1.2015 Rio de Janeiro /Brasilien

2015-01-26 Rio hoe P1000902Schon alleine die Einfahrt nach Rio trieb viele Passagiere bereits um 7:00 Uhr auf die Außendecks, da es backbordseitig den Strand von Copacabana, den Zuckerhut und die Christus-Statue zu sehen gab.

Da Rio mit Sicherheit einen Höhepunkt unserer Reise darstellen würde, hatten wir überlegt, wie wir es am besten anstellen, die Stadt zu erkunden. Die organisierten Ausflüge von Phoenix hielten wir dafür nicht geeignet und einfach einem Taxifahrer anzuheuern war für uns wegen der Sprachprobleme ebenfalls für nicht zielführend. Deshalb hatten wir bereits in Deutschland eine individuelle deutschsprachige Führung für unsere zwei Tage in Rio gebucht. Doris ist im Internet auf die Seite einer Marion Rölleke gestoßen, eine lizensierte Reiseleiterin, die sich selbstständig gemacht hat. Mit einigen Mails wurde grob das Besichtigungsprogramm abgesteckt und das war schon alles. Keine Vorauszahlung, kein Papierkram – nichts. Ob das alles so klappen würde? Unser Schiff machte pünktlich um 8:00 Uhr an der Pier fest und um halb neun sollte unsere individuelle Stadtführung stattfinden. Kaum dass wir festgemacht hatten, klingelt mein Handy: „Hallo, hier ist Marion. Ich stehe am Tor 2B des Hafenterminals, das ist Euer Ausgang“. Und so war es. Sie stand da, hielt einen Zettel mit unserem Namen hoch und so kamen wir zusammen.
Marion ist in Rio geboren, hat deutsche Wurzeln (Ihre Mutter stammt aus Berlin) und einen deutschen Mann und spricht vor allem ausgezeichnet deutsch. In ihrem klimatisierten Wagen ging es gleich zum ersten Ziel, den Zuckerhut. Auf dem Weg dorthin erklärte sie uns dies und das, z.B. das zurzeit viel für Olympia 2016 gebaut wird, Sonntags  bestimmte Straßen an den Stränden für Autos gesperrt sind, damit dort die Fußgänger laufen können und und und…

 

2015-01-25 Rio hoe P1000693

Die Copacabana

Unser Weg führte durch den Stadtteil Copacabana, wo sich auch der gleichnamige berühmte Strand befindet. Weil wir zufällig einen freien Parkplatz fanden, konnten wir sogar unplanmäßig anhalten und aussteigen. Was diesen Strand von den vielen anderen, weniger berühmten unterscheidet, konnten wir nicht erkennen, wahrscheinlich, weil es gar keine gibt. Der Strand z.B. in Recife war sogar noch länger und mindestens genauso schön.
Das ist hier wohl so Ähnlich, wie mit der Popularität des Getränkekiosk Balneario Nº 6 auf Mallorca. Dieser Kiosk ist einer von 15 fast baugleichen Kiosken (Balneario Nº 1 …. Balneario Nº 15) am 4 Kilometer langen Strand von S’Arenal und hat in der Verbalhornung  seines Namens, nämlich  Ballermann 6, eine gewisse Berühmtheit erreicht, während z.B. Balneario Nº 5 weiter in der Bedeutungslosigkeit dümpelt. Aber ich schweife schon wieder ab.

 

 

2015-01-25 Rio dhl P1000489 ji

Mittelstation - im Hintergrund der Zuckerhut

Weiter ging es zur Talstation der Seilbahn. Vorher hatte Marion noch schnell den Parkplatzwächter des ganz in der Nähe gelegenen Parkplatzes angerufen, damit dieser einen Platz freihält. Wir kamen an, Marion übergab ihm die Autoschlüssel, damit er den Wagen parkte und wir trabten die wenigen Meter Richtung Kassenhäuschen der Seilbahn. Vor einem der Häuschen gab es eine kleine Schlange vor dem anderen war (noch) nichts los, dieses war nämlich ausschließlich für Gruppen und Reiseleiter gedacht. Dort gingen wir hin, den Marion hatte ja eine Stadtführer-Lizenz. Für Menschen ab 60 Jahren reduziert sich der Fahrpreis von 60 Real (ca. 20 €) auf 30 Real (ca. 10 €) pro Person, wenn man denn einen original Ausweis oder Pass vorlegt. Unsere Pässe lagen bei der Rezeption der Artania. Marion schaffte es trotzdem, mit Hilfe von Fotokopien unserer Pässe (da haben wir immer dabei) und unseren Bordausweis den Rabatt zu bekommen.
Um auf die Spitze des Zuckerhuts zu kommen, muss man zwei Bahnen benutzen. Die erste Seilbahn führt auf einen dem Zuckerhut vorgelagerten Berg. Dort geht man wieder ein paar Schritte um mit der nächsten Bahn schließlich ans Ziel zu fahren.
Eine Gondel fasst 65 Leute und über die Drehkreuze in Richtung Einstiegsbereich erfolgt eine elektronische Zählung. Das Einsteigen geht schnell und problemlos und ruckzuck waren wir schon auf der Mittelstation. Rund um diese Station war ein Park angelegt mit Spazierwegen, Bänken und vielen schattenspendenden Bäumen. Schon von hier aus hat man einen tollen Blick auf Rio und auf den 700 Meter hohen Berg Corcovado, auf dessen Spitze sich die 38 Meter hohe Christusfigur befindet. Von der Mittelstation startet auch der Sightseeing-Helikopter. Ein 7 Minütiger Flug mit einer Mindespassagierzahl von drei Personen kostet übrigens 85 € pro Person.
Nachdem wir von verschiedenen Stellen die Aussicht bestaunt hatten, fuhren wir zum Gipfel des Zuckerhuts. Die erste Attraktion hatten wir hiermit im Sack, ohne Stress, ohne Schlange stehen, nur genießen.

 

 

2015-01-25 Rio hoe P1000777

Marion und Doris

Wieder unten angelangt schlug Marion vor einen Spaziergang in einem nahegelegen Wald zu machen, der am Meer entlangführte. Hier geht auch der Rioaner spazieren oder wie nennt man den Bewohner von Rio eigentlich? Das haben wir vergessen Marion zu fragen, sie weiß schließlich alles über Rio und Brasilien.
Aus dem Wäldchen zurück, kamen wir an einen kleinen Strand, wo wir jeder erst einmal eine kalte Kokosnuss tranken, bevor es weiterging, zum Besuch einer Favela. So etwas gehört eigentlich nicht zum Standardprogramm eines Touristen, aber Doris hatte das im Vorfeld der Reise mit Marion abgesprochen.
Eine Favela ist eine besondere Form eines Armenviertels.

2015-01-26 Rio dhl P1000516Favelas sind als wilde Siedlungen entstanden, die Ersten gleich nach Beendigung der Sklaverei (das war in Brasilien erst 1888!). Menschen kamen nach Rio in der Hoffnung auf Arbeit, bauten sich Hütten aus Kisten Wellblech und Pappe meist am Fuße eines steilen Hangs. Solche Siedlungen wuchsen mit der Zeit den unwegsamen Berg bzw. Hang hoch. Die Versuche der Behörden diese Siedlungen aufzulösen, sind in der Regel gescheitert und wurden daher zähneknirschend geduldet. Die Notunterkünfte wurden nach und nach durch einfachste Beton- und Backsteinkonstruktionen ersetzt und erhielten auch Strom und Wasser. Auch führen manchmal kleine Sträßchen in die Favelas, die aber nicht breit genug für PKWs sind und auch nicht jede Hütte erreichen. Vielmehr führen schmale steile Treppen durch das ungeordnete Gewirr von Behausungen. “Unsere“ Favela beherbergt etwa 5000 Menschen, aber es gibt auch erheblich Größere mit mehreren zehntausend Menschen.
Mittlerweise gehen die meisten Bewohner auch einer Arbeit nach, aber der Lohn reicht halt nicht, um in eine bessere Gegend zu ziehen.
Einige der Häuschen “unserer“ Favela hatten sogar einen ansehnlich Farbanstrich, der rührte daher, dass ein großer Farbenhersteller zwecks Imagepflege einige Anstriche gesponsert hatte. Auch  bezüglich Kriminalität soll unsere Favela unbedenklich sein und es gibt sogar eine Standseilbahn mit jeweils einer Station am Fuße, in der Mitte und im oberen Drittel des steilen Hangs, in den die Siedlung gebaut wurde. Die Standseilbahn fährt auf Schienen und wird über ein Stahlseil bewegt. So ein Gefährt ist aber eigentlich kein Favela-Standard.
Marion bat uns, die Fotoapparate im Rucksack zu lassen, weil die Bewohner es nicht mögen, dass man sie oder ihre Behausungen aus der Nähe fotografiert, wofür ich vollstes Verständnis habe.
Auf dem 15 minütigen Weg von einem Parkhaus an einem Hotel, wo wir den Wagen ließen, durch eine Straße mit noblen Anwesen, z.B. einem Park mit Villa einer Filmproduktionsgesellschafft, erreichten wir den Fuß der Favela. Ab sofort war es nicht mehr so nobel. Auf dem Weg zur Standseilbahn wuchs die Spannung, ob diese überhaupt fährt, denn sie ist sehr oft defekt. Aber sie fuhr, vor allem uns erst mal vor der Nase weg, sodass wir eine gute viertel Stunde warten mussten. Marion nutze die Zeit, um mit zwei schwarzen Jungs, die ebenfalls warteten, ein wenig zu plaudern.  Die Jungs waren interessiert und neugierig, wen sie denn da im Schlepptau hatte. Als ich eine Flasche Wasser aus dem Rucksack holte und trank, fragte der eine sofort, wo ich denn die Flasche gekauft hätte (über Marion als Dolmetscher). Richtig, das Wasser war noch ein Restbestand aus Gran Canaria und das pfiffige Kerlchen hatte sofort erkannt, dass dies kein brasilianisches Produkt ist. Ob diese Jungs aber trotz ihrem aufgeweckten Interesse eine Chance auf ordentliche Bildung und damit auch die Chance auf ein besseres Leben bekommen, ist offen.
2015-01-25 Rio dhl P1000499Irgendwann kam die Bahn ratternd an und wie beim Zuckerhut fuhren wir erst zu einer Mittelstation um in eine weitere Bahn umzusteigen, die uns nach oben brachte.
Einige enge Treppen mussten wir noch bewältigen und dann waren wir oben. Zu unserer Überraschung war es hier oben ganz leicht touristisch geprägt, es gab nämlich einen kleinen Souvenirshop. Das rührt daher, dass 1996 Micheal Jackson hier das Video zu dem Song “They Dont't Care About Us“ gedreht hat.

2015-01-25 Rio hoe P1000789Eine Aussichtplattform mit Gedenktafel, Bronzefigur und Wandmosaik erinnern daran, wahrscheinlich von der Stadtverwaltung installiert und gebaut. Trotz dieser touristischen Attraktion waren wir an diesem Sonntag die einzigen Touristen.

2015-01-25 Rio hoe P1000792In einer kleinen Kneipe tranken wir noch eine Cola, kauften im Souvenirlädchen noch einen Kühlschrankmagneten und begannen den Abstieg zu Fuß über die steilen schmalen Treppen. Ergonomisch waren diese nicht. Ein ganzer Fuß passte nicht auf eine Stufe, sondern er stand vorne über. Und diese Stufen sind die einzigen Transportwege von den Seilbahnstationen zu den einzelnen Häusern, egal ob tägliche Einkäufe, Möbel oder Baumaterialien.  Uns kam ein Mann entgegen, auf dem Rücken einen großen Plastiksack mit Kies auf dem Rücken. Glücklich und entspannt sah er nicht aus. Und an jeder Ecke sah man, ebenfalls in Plastiksäcken verpackt, die typischen roten Backsteine, mit denen hier die Hütten gebaut werden. Bauen scheint man hier immer noch sehr viel.  
Bei unserem Abstieg, der uns übrigens bei der Hitze doch sehr anstrengte (wie beschwerlich mag da erst der Aufstieg sein), konnten wir ab und zu einen Blick in eine Behausungen werfen. Ein kleiner Raum, einige Kinder schliefen auf Matratzen, mehrere Erwachsene saßen um einen Tisch und an der Wand hing ein Flachbildschirm, dieses Ensemble sah man des Öfteren. Und immer wieder begegneten uns Menschen, die Mühsam ihre Einkäufe oder sonstige Gegenstände die Treppen hochwuchteten.
Als wir unten angekommen waren, konnten wir die Favela hinter uns lassen. Die Menschen die hier leben, können das nicht.

 

2015-01-25 Rio hoe P1000812Unser nächstes Ziel war wieder einmal ein Strand. Er hatte einen Abschnitt, der für die Landung von Drachenfliegern und Paragleitern vorgesehen ist. Die Drachenflieger, meist als Tandem, also mit zwei Leuten im Gestänge unter den breiten Flügeln, tauchten im Minutentakt auf, flogen im Landeanflug mit einer irren Geschwindigkeit eine Kurve, dass man befürchten musste, sie knallen gegen die Mauer an der Strandpromenade, um dann doch butterweich im Sand zu landen.
Gestartet wird von einem nahegelegenen Berg, von denen es hier in Rio dutzende gibt. Und sie sind meist kegelförmigen und sehen alle ein bisschen aus wie der Zuckerhut. Die Verwechslungsgefahr ist nicht zu unterschätzen :-)
Um die brasilianische Wirtschaft kräftig anzukurbeln, kauften wir uns jeder noch eine Tüte Popcorn und ließen uns von Marion zurück zum Schiff bringen.

21. Reisetag – Montag, 26.1.2015 Rio de Janeiro /Brasilien

Heute holte uns Marion bereits um halb acht ab, also Aufstehen war wieder um halb sechs. Hauptziele heute: Der Corcovado, also der Berg, auf dem die berühmte 38 Meter hohe Christusstatue steht. Egal an welcher Ecke man in Rio gerade steht, die Statue ist zu sehen.
2015-01-26 Rio hoe P1000820 jiAuf dem Weg dorthin, legten wir noch einen Fotostopp an einer großen gekachelten Treppe ein. Das besondere an ihr ist, dass vor sehr vielen Jahren ein Mann damit angefangen, seine Sammlung von Souvenirkacheln aus aller Welt dort anzubringen. Was zunächst nicht weiter auffiel, dann geduldet wurde und schließlich von der Stadt sogar unterstützt und weitergeführt wurde, hat sich zu einem kleinen touristischen Geheimtipp entwickelt. (Vergleiche auch E. Kishon – Der Blaumilchkanal)2015-01-26 Rio dhl P1000512
Auf halber Höhe zum Corcovado noch ein weiterer Fotostopp an einem kleinen Aussichtpunkt mit Blick auf den faszinierenden Moloch Rio de Janeiro. Dann schraubten wir uns weiter den Berg hoch.
Auf einem kleinen Parkplatz kurz unterhalb der Spitze des Corcovado konnten wir, da es noch relativ früh war, unser Auto abstellen. Später müssen die Autos in einer ewig langen Reihe am Straßenrand parken, sodass Verkehrschaos und lange Fußmärsche vorprogrammiert sind.
Busse dürfen bis hier hoch gar nicht fahren. Sie müssen sehr viel weiter unten parken und die Leute werden mit einer Zahnradbahn hier hoch gebracht. An der Einstiegsstation soll es  manchmal Wartezeiten von mehreren Stunden geben. Den allerletzten Kilometer geht es für alle Besucher von der Bergstation der Zahnradbahn (da wo sich auch unser kleiner Parkplatz befindet), mit Minibussen bis zum Sockel der Christusstatue.

2015-01-26 Rio dhl P1000519

2015-01-26 Rio hoe P1000835Den Sockel erklommen wir per Rolltreppe und das erste, was mir ins Auge fiel war nicht die Christusfigur, sondern eine junge Japanerin, die auf dem Rücken lag, um die optimale Perspektive für ihr Foto zu bekommen.
Es ist hier anscheinend ein verbreiteter  touristischer Brauch, die Arme auszubreiten wie die riesige Statue und sich dabei fotografieren zu lassen. Irgendwie kommt es mir in den Sinn: „Ihr könnte die Arme noch so sehr ausbreiten, so wie Jesus werdet ihr nie.“

2015-01-26 Rio hoe P1000862 2015-01-26 Rio hoe P1000855   2015-01-26 Rio dhl P1000527

Von Mitreisenden haben wir später erfahren, dass das Ausbreiten der Arme auch dann vollzogen wird, wenn der Platz schon schwarz vor Menschen ist. Wahrscheinlich hat man dann als unvorsichtiger Besucher das ein oder andere Mal einen fremden Finger im Auge oder im Ohr.
Die Christusfigur ist natürlich ungemein imposant, der Ausblick von hier oben wieder mal fantastisch und die Tatsache, dass man sich auf Grund unseres frühen Aufbrechens hier noch frei und ohne Gedränge bewegen können, gibt uns die Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben, nicht zuletzt dank Marions professioneller Planung.

2015-01-26 Rio hoe P1000870
Auf dem Weg zurück ins Tal führte uns Marion noch kurz zu einem Plateau, wo es wieder mal einen Ausblick im Angebot gab. Von hier konnte man sehr gut das Stadion Estádio do Maracanã sehen, wo Deutschland am 13. Juli 2014 Fußballweltmeister wurde.
2015-01-26 Rio hoe P1000879Hier auf dem Parkplatz fiel uns ein alter VW Käfer ins Auge mit der Aufschrift Policia Militar. Bei diesem Fahrzeug handelte es sich um eine Requisite für eine brasilianische Seifenoper, die hier abgedreht wurde. Bei meinen Bemühungen, das Rollenspiel der Schauspielerinnen bei ihrem Dreh auch für die europäische Hemisphäre zu dokumentieren, wurde ich von einem Mann des Filmteams rüde vertrieben. Leider konnte  ich ja immer noch kein portugiesisch, sonst hätte ich gewusst, was ich dem brasilianischen Bodyguard geantwortet hätte:

germany7: 1brasilien

Ich überlege mir deshalb, den Fall der für Pressefreiheit stehenden Organisation Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières) zur Kenntnis zu bringen.

 

2015-01-26 Rio hoe P1000925

Die einer Pyramide nachempfundenen moderne Kathedrale spiegelt sich in der Glasfassade eines gegenüberstehendem  Hochhaus.

Nun konnten wir die letzte Etappe unseres Sightseeing-Programms in Angriff nehmen. Hier der Kurzbericht: Ein mediterran angehauchter, ruhiger Stadtteil mit viel Grün, das 85.000 Zuschauer fassende Sambadrom, wo zum Karneval der Umzug der Sambaschulen stattfindet,  die große moderne Kathedrale, die Nationalbibliothek mit einer Sonderausstellung über deutsche Einwanderer einst und jetzt, das Opernhaus und und und …

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Das städische Theater im Zentrum von Rio.

Marion war gnadenlos bezüglich Kultur und Architektur, aber schließlich willigte Sie doch ein, in einer kleinen Seitenstraße, etwas abseits vom Trubel des Zentrums, an einem schattigen Plätzchen einen frisch gepressten Orangensaft zu trinken. :-)
So gestärkt konnten wir den letzten Kilometer bis zum Hafen zu Fuß bewältigen. Dort verabschiedeten wir und ganz herzlich von Marion.
Die Buchung von Marion als “personal guide“ hat sich als Glücksfall erwiesen. Der Spaß ist zwar nicht ganz billig (440 €), aber er ist auch jeden Euro wert. Man bedenke, dass zwei auf dem Schiff bei Phoenix gebuchte Ganztagesausflüge für jeden von uns genauso viel gekostet hätten, aber von der Qualität überhaupt nicht vergleichbar wären.
Marion war eine richtige Frohnatur, immer am Lachen, immer gut gelaunt, immer am Erzählen. Egal ob mit dem Museumsbediensteten, der Popcornverkäuferin oder der Frau am Kassenhäuschen, sie kam sofort mit den Menschen in ein lockeres Gespräch.

 
  Falls jemand zufällig mal nach Rio de Janeiro kommt und eine gute Stadtführung sucht,
  hier die Kontaktdaten von Marion:
  Marion Rölleke Tel.: +5521 98585 2030

Gegen 18:00 legten wir ab und konnten bei der Ausfahrt aus der Bucht von Rio noch einmal eine gute Stunde lang einen Blick auf eine faszinierende Stadt werfen.
Am frühen Abend ging es erschöpft ab ins Bett.

 

 

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22. Reisetag – Dienstag, 27.1.2015 Seetag

2015-02-07 Seetag dhl P1000753Die zwei vor uns liegenden Seetage lassen mir Zeit, die Erlebnisse in Rio aufzuschreiben. Die Seetage verlaufen bei uns schon nach einem festen Schema. 7:30 Uhr Aufstehen und Frühstücken, dann ist es schon 10:30 Uhr. Bis zum Mittagessen setze ich mich in den Jamaica-Club um am Blog zu arbeiten. Der Jamaica-Club ist eine Raum mit großen Panoramafenstern und vor allem gibt es dort vernünftige Stühle und Tische und nicht wie in anderen Bars und Räumen des Schiffes, in denen man Clubsessel mit Cocktailtischchen oder Lounge-Sofas in denen man besser liegen als sitzen kann, vorfindet. Der Jamaica-Club ist zwar in erster Linie als Spielzimmer für Karten- und Gesellschaftsspiele gedacht, aber für mich ist immer noch ein Tisch frei. Vormittags ist es sehr ruhig, nachmittags, wenn die Skatspieler anrücken, kann es durchaus mal laut und hektisch werden, wenn sich nach einem vergeigten Spiel die Spielpartner in die Haare kriegen.
Des Weiteren befinden sich hier eine Reihe von Bildschirmen, von denen aus man für einen Euro eine E-Mail versenden kann oder auch mit einem teuer erkauften Zeitkontingent (15 Minuten = 7 Euro).
Wenn niemand von den Phoenix-Leuten in der Nähe ist, fragt man mich oft, wie denn auf dem Schiff das mit dem Internet funktioniert. Anscheinend verleiht mir mein Netbook, mit dem ich hier arbeite, einen kompetenten Eindruck.
Die interessanteste Einrichtung hier im Jamaica-Club sind allerdings die Sprech- und Beratungszeiten für die Gold- und Silbergäste (das sind die mit den Balkonkabinen) durch den Phoenix-Mann Bernd Wallisch. Es lohnt sich, etwas lange Ohren zu machen, um mitzubekommen, welche Fragen und Beschwerden hier vorgetragen werden.
Ratzfatz ist es Zeit fürs Mittagessen, anschließen vielleicht noch ein kleines Mittagsschläfchen und um 17:00 Uhr ist es schon wieder Zeit für den Fitnessraum. Vor dem Abendessen kann man noch übers Deck schlendern und/oder in Harry’s Bar  einen Drink zu sich nehmen.
An den diversen Abendveranstaltungen kann man teilnehmen oder es auch lassen und in Harry’s Bar etwas lesen oder Doris und ich liefern uns ein heißes Scrabble-Duell.
In meinen beiden Reiseblogs von 2013 habe ich ja bereits ausführlich über das Bordleben, Galaabende und Tagesprogramme berichtet, sodass ich mich hier kürzer fassen kann

 

23. Reisetag – Mittwoch, 28.1.2015 Seetag

 

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Der Kapitain in bajuwarischer Verkleidung aber mit Rangabzeichen.

An diesem Morgen gab es wieder mal einen maritimen Frühschoppen mit Freibier auf dem Außendeck mittschiffs, der Kopernikus Bar. Da bei der momentanen Hitze ein Bier genügt hätte, den Rest des Tages nur noch verschwömmen wahrzunehmen, schickte ich Doris zum Fotografieren und blieb selbst im klimatisierten Jamaica-Club.
Die Wettervorhersage für morgen sagt eine etwas kippelige See voraus, was die Vermutung nahe legt, dass das vorgesehene Tendern schwierig bis unmöglich sein wird.

 


24. Reisetag – Donnerstag, 29.1.2015 Punta del Este Seetag

Und so war es. Wir ankerten heute früh wie vorgesehen vor Punta del Este in Uruguay an der Mündung des Rio de la Plate (Silberfluss) in den Atlantik, aber das heruntergelassene Tenderboot schaukelte wie wild und wurde durch die langgezogenen Wellen, dem sogenannten Schwall, auf und ab bewegt. So wurde den Passagieren demonstriert, dass ein tendern an Land nicht möglich ist, weil das Umsteigen von der Artania ins Tenderboot und umgekehrt viel zu gefährlich ist. Zwar konnte und hat mit Sicherheit unser Kapitän Morten Hansen allein von der Beobachtung der Wasseroberfläche erkannt, was Sache ist. Aber durch die Demonstration mit dem auf dem Wasser tanzenden Tender hat er die vielen hundert anderen Kapitäne, die wir hier an Bord haben, davon abgehalten, seine Entscheidung in Form von endlosen Diskussionen untereinander und vor allem mit der Reiseleitung anzuzweifeln.
Das Tenderboot wurde also wieder eingeholt und den Passagieren noch ein wenig Kasperltheater insofern vorgespielt, dass man tatsächlich ernsthaft versuchen werde, vielleicht alternativ nach Montevideo auszuweichen oder gleich Kurs nach Buenos Aires nimmt, um es statt morgen früh schon heute Abend zu erreichen Aber aus den alles wurde natürlich nichts. Logisch, die Liegeplätze, die Lotsen etc. werden schon ca. 3 -4 Jahre vorher reserviert und solche Planungen kann man nicht in einer halben Stunde abändern. Vielmehr drehten wir bis zum Abend Warteschleifen im Rio de la Plata.
Der Rio de la Plate, sieht auf der Landkarte und auch vor Ort wie Meeresbucht aus, ist aber der 290 km lange und bis zu 220 km breite Mündungstrichter der beiden Ströme Paraná und Uruguay. Im Rio de la Plate gibt es nur eine schmale Fahrrinne, durch die die Schiffe im Konvoi fahren, denn diese Rinne wird nach einer Art Fahrplan als Einbahnstraße einmal vom Atlantik und zu einem anderen Zeitpunkt zum Atlantik genutzt. Schon allein deshalb war die in Aussichtstellung von Montevideo oder Buenos Aires als Alternative nur Makulatur, da beide Metropolen am Rio de la Plata liegen, Montevideo am Nordufer und Buenos Aires am Südufer.
Wir hatten heute also einen zusätzlichen Seetag gewonnen. Doris und ich  waren nicht böse darüber.
Trotz dieses zusätzlichen Seetages ist es mir noch nicht gelungen, den Bericht über Rio de Janeiro fertig zu stellen, geschweige denn, das bereits Geschriebene mal auf Formulierungs- und Rechtschreibfehler zu kontrollieren. Ich fürchte, dass dies sich weder jetzt noch in Zukunft groß ändern wird. Ich bitte diesbezüglich um gnädige Nachsicht. Vielleicht könnte ich ja die Passagiere um Hilfe bitten, denn wo es hunderte von Kapitänen gibt, findet man doch  sicher auch ein Heer von Oberlehrern.

 

25. Reisetag – Freitag, 30.1.2015 Buenos Aires/Argentinien (1.Tag)

 

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Der Weg vom Hafen in die City

Pünktlich um 7 Uhr morgens machten wir im großen Containerhafen von Buenos Aires an der Pier fest. Für heute standen für uns keine Ausflüge auf dem Programm. Unser primäres Ziel war: „Ich lerne U-Bahn-Fahren“, aber nicht ohne zuvor im Wartebereich Hafenterminal erstmal E-Mails abrufen. Das Passwort für das WLAN-Netz wurde durch Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben.
An einem kleinen Informationsstand wurden wir von einer jungen Dame ausgezeichnet beraten. Die nächste U-Bahn-Station, sie heißt Retiro, ist ca. 1 km vom Hafen entfernt. Aber um U-Bahn zu fahren, braucht man argentinische Pesos im Gegensatz zu den Taxifahrern rund um den Hafen, die auch US-Dollars und Euros akzeptieren.  Zur Freude der Taxler und zum Leidwesen der neuankommenden potentiellen U-Bahn-Fahrer gibt es weder im noch um das Hafengebäude eine Wechselstube, sondern erst im 2-3 km entfernten Zentrum.
Sollte uns das Schrecken? Nein, wir machten uns also auf, die Stadt erst mal zu Fuß zu erkunden. Vorbei am Eisenbahnbahnhof und am Busbahnhof kommen wir zur bereits erwähnten U-Bahnstation Retiro. Zwar haben wir noch keine argentinischen Taler in der Tasche, aber wir wollten uns schon mal einen Streckenplan besorgen. Sowas gab es dort aber nicht. Selbst mit Unterstützung eines Argentiniers war nichts zu machen. Wir tappen also erstmal “planlos“, zumindest was die U-Bahn betrifft weiter, konnten uns mit dem Stadtplan gut orientieren.
Wir müssen unseren Weg nur einmal kurz unterbrechen, um einen kleinen Demonstrationszug vorbeizulassen. Wer da gegen was demonstrierte, blieb uns allerdings verschlossen.

 

Am Anfang von Florida kommen wir dann doch noch bei einer Tourist-Info zu unserem U-Bahn-Streckenplan. Florida ist übrigens nicht nur ein US-Bundesstaat sondern auch der Name der touristischen Einkaufsstraße von Buenos Aires. Geldwechseln scheint jetzt vordergründig kein Problem mehr. Nicht gelogen – alle 10 Meter steht jemand und ruft gebetsmühlenartig: „Cambio, cambio, cambio …“. „Cambio“ heißt wohl Geldwechsel. Diese Leute bieten auf der Straße Pesos gegen Dollars und Euros an, zu einem Kurs der ca. 40% über dem offiziellen Wechselkurs liegt. Wir wurden aber gewarnt, dass viele dieser Geldwechsler einem Falschgeld andrehen oder sonst irgendwie übers Ohr hauen. Aber ich bin überzeugt, dass die meisten von Ihnen ehrlich tauschen und lediglich ihr Geld steuerfrei vor der Inflation retten wollen, aber Betrüger gibt es wohl auch noch genügend.

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Deckengemälde im Shopping Center Galerias Pacifico

Also marschieren  wir brav in die uns angegebene Wechselstube, die sich in dem modernen und noblen Einkaufzentrum Galerias Pacifico befindet. Das Zentrum ist von einer großen Kuppel überdacht, die mit Deckengemälden versehen ist. Der Begriff Einkaufstempel kommt einem hier zwangsläufig in den Sinn. Der Geldwechsel ist eigentlich problemlos, ist aber mit viel Verwaltungsaufwand verbunden. Die Daten von Doris‘ Personalausweis wurden erfasst und  sie musste auf einem doppelseitig bedruckten Formular 3x unterschreiben und zusätzlich den Namen noch mal in Klarschrift hinzufügen. Was die Schwarzhändler bzw. Tauscher mit ihren Dollars machen, bleibt uns natürlich schleierhaft.
Florida ist eine Fußgängerzone, deren Geschäfte sich wenig von denen anderer touristischer Zentren in anderen Städten unterscheidet. Schaut man aber ein wenig nach oben, dann sieht man erst die wunderschönen Fassaden im kolonialen Baustil.

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Subte - so nennt man hier die U-Bahn

Nun stand aber U-Bahn fahren auf dem Programm und wir schafften es tatsächlich bis zum nächsten touristischen Muss, die gar nicht soweit von Florida entfernte Catedral Metropoitana.
Das Tarifsystem der U-Bahn ist bestechend einfach, eine Fahrt kosten 50 Pesos, das sind 50 Eurocent, und man kann fahren solange man will und wohin man will. Das Ticket verliert genau dann seine Gültigkeit, wenn man einen Bahnsteig bzw. Umsteigeberich verlässt. Eine elektronische Kontrolle erfolgt nur an den Drehkreuzen hinter denen man zum Bahnsteig gelangt.
In vielen Stationen sind die Wände der Bahnsteige mit wunderschönen Bildkacheln verziert.
Wir befanden uns nun im kulturellen Zentrum der Stadt und gingen nach der Besichtigung der Kathedrale die kurze Strecke bis zum Plaza de Mayo zu Fuß, in dessen Mitte ein hoher Obelisk steht. An der Stirnseite des Platzes steht der rosafarbene Präsidentenpalast, die Casa Rosada. Hier ist der Amtssitz der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die seit ihrem Amtsantritt ihr bisheriges beträchtliches Vermögen wie durch Zauberhand vervielfachen konnte. So wusste zumindest ein argentinischer Reiseleiter zu berichten und ich bin geneigt, ihm zu glauben.
Wir sind immer wieder beeindruckt über die großzügig angelegten Plätze und Straßen. An Platz mussten die Stadtplaner seinerzeit wohl nicht sparen.
Irgendwann tun einem bei einer Stadtbesichtigung immer die Füße weh, so auch hier und jetzt und wir fuhren (natürlich mit der U-Bahn) zur Station Retiro. Ging es am Morgen, als wir unsere Erkundung begannen hier noch recht beschaulich her, pulsierte jetzt so richtig das Leben - Straßenhändler, Verkaufsbuden und  “Fressbuden“ , alle auf der Suche nach Kundschaft.

 

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Der mobile Möbelhändler unseres Vertauens

Ein mobiles “Möbelgeschäft“ mit sehr beschränktem Angebot, nämlich mit je einem Modell “Klapptischchen rund“ und einem Modell “Klapptischchen eckig“, beide in Fichte rustikal, weckte unser Interesse. Und nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns für das eckige Modell, ließen es uns von dem Mann-mobilia noch einmal vorführen. Das Möbel funktionierte einigermaßen und wir erstanden es für 120 Pesos (12 Euro).
Jetzt wird der ein oder andere Leser zu Recht fragen, wozu das Ganze, hat die Sonne den Beiden den Verstand etwas angesengt? Nein, natürlich nicht. Die Auflösung dieses „Cliffhangers“ erfolgt in einem späteren Kapitel dieses Blogs. Also unbedingt weiterlesen!

 

 

 

 

26. Reisetag – Samstag, 31.1.2015 Buenos Aires (2.Tag)

 

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Bootsfahrt auf den Kanälen

Für den heutigen Vormittag haben wir einen Ausflug gebucht “ Tigre und Paraná -Delta“.  Tigre ist ein Städtchen. Von dort starten die Ausflugsboote, die durch die Kanäle fahren, die durch das Mündungsdelta des Rio Paraná entstanden sind. Die vielen Inselchen zwischen den Kanälen sind bebaut -  mit einfachen aber auch villenartigen Ferienhäusern. Wasser, Abwasser und Gas ist dort nirgends verlegt. Versorgungsschiffe, kleine schwimmende Supermärkte, klappern die Inseln ab und bringen alles Lebensnotwendige einschließlich Gasflaschen und Trinkwasser in Flaschen zu den Häusern.

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Hypernervöse Fotografen

Die Fahrt mit dem Ausflugsboot ist ganz nett, allerdings sieht man die Landschaft lediglich aus der Froschperspektive, da das Boot nur einstöckig ist. Manchmal sieht man auch gar nichts, da nervöse Fotografen die Sicht versperren. So wies z.B. der Reiseleiter, der im Boot die Ansage machte, auf ein in Fahrtrichtung vor uns liegendes Supermarktschiff aufmerksam, dass unter anderem auch einige Säcke Zwiebeln mit sich führte, was er ausdrücklich erwähnte. Sofort sprangen gefühlte 150 Hobbyfotografen auf, stürmten teilweise an die Seitenfenster, um besagte Zwiebeln als Bilddokument für die Ewigkeit festzuhalten. Ich bleibe sitzen, denn ich hatte schon einige der bereits gesichteten Supermarktboote im Kasten und Zwiebeln gehören nicht zu meinen bevorzugten Fotomotiven. Aber da bin ich wohl die Ausnahme.
Auf der Rückfahrt nach Buenos Aires legten wir in einem Vorort noch einen halbstündigen Stopp ein, mit der Möglichkeit, eine Kirche zu besichtigen. Bevor wir aber, nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen waren, die Kirche erreichten, hätten wir einen Platz mit einem kleinen Kunsthandwerksmarkt passieren müssen. Soweit kam es dann aber nicht. Deshalb sahen wir die Kirche nur aus einiger Entfernung und nur von außen.

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Heuschreckenplagen und Costaschiffe sind sich sehr ähnlich

Zurück im Hafenterminal im Wartebereich (da wo es auch WLAN gibt) und gestern nur eine Handvoll Leute surften, war jetzt der Teufel los. Ein Costa-Schiff war angekommen und vollzog einen Passagierwechsel und hunderte, vielleicht sogar tausend neue Passagiere warteten nun, dass sie einchecken können. An Internet war jetzt nicht mehr zu denken, denn die Wartenden wollten auch alle ein wenig surfen und das Netz war natürlich hoffnungslos überlastet.


305 2015-01-31 Buenos Aires hoe P1010178Am Nachmittag ging es wieder auf eigene Faust in Richtung Stadt, diesmal in die Avenida de Mayo, wo es noch einige sehenswerte Bauwerke  gibt. Wir stießen bei unserer Expedition sogar noch auf ein Modell der Iguaçu-Wasserfälle. Die „echten“ Wasserfälle liegen in einem Nationalpark im Landesinneren. Phoenix bot einen 2-Tagesausflug (mit Flug) zu den Wasserfällen für 950 € pro Person dorthin an. Das hiesige Modell spritze uns aber genauso nass, wie es der echte Wasserfall auch getan hätte.  
Den gesamten Rückweg legten wir zu Fuß zurück, kamen noch einmal an Florida vorbei, wo Straßenkünstler eine Tangovorführung gaben. So kamen wir noch in Genuss eines echten argentinischen Klassikers, dem Tango.
Am Abend gegen 21:00 Uhr versuchte ich noch mal mein Glück im Terminal bezüglich Internet. Dort wo es vor einigen Stunden noch vor Menschen gewimmelt hatte, war jetzt nichts mehr los. Leider gab es beim Hochladen des inzwischen auf meinem Netbook aktualisierten Blogs Probleme, weil mein Provider, auf dessen Internet-Server mein Blog „gehosted“ wird, einige Parameter geändert hat. Deshalb mussten die Dateien für den Upload noch einmal abgeändert werden. Das wollte ich in Ruhe auf dem Schiff machen und dann gleich morgen früh endlich die neuen Berichte und Bilder ins Netz hochladen….

 

 

 

 

27. Reisetag – Sonntag, 1.2.2015 Buenos Aires (3.Tag)

…. Dazu fuhr ich gleich morgens um halb neun mit dem Shuttlebus vom Schiff zum Terminalgebäude. Das war allerdings vergebene Liebesmüh‘, man hörte schon von weitem ein Summen und Brummen wie in einem riesigen Bienenschwarm. Denn in der Nacht war ein weiteres Kreuzfahrtschiff angekommen und der Wartebereich war wieder voller Menschen und das WLAN-Netz kollabierte alle 2 Sekunden.  Deshalb musste die Menschheit noch einen weiteren Tag auf den 5. Blogeintrag warten. Denn erst im Montevideo sollte es klappen.
Die bereits von außen besichtige Präsidentenresidenz öffnet sonntags immer ihre Pforten für Besucher. Das wollten wir nutzen.
Im Foyer der Residenz betrachteten wir ein Sammelsurium von Ölbildern, wie Che Guevara, Eva Perón, und weiteren Leuten, die uns allerdings nichts sagten. Um tiefer ins Innere vorstoßen zu können, hätte wir uns ein Nummernkärtchen geben lassen müssen, um dann nach einer ungewissen Wartezeit in geführten Gruppen durch das Gebäude geschleust zu werden. Da brachen wir lieber die Innenbesichtigung ab.

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Gedenkstätte für die gefallenen Argentinier im Falklandkrieg

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Auf dem Platz vor der Casa Rosada hatten Veteranen des Falklandkriegs ein kleines Erinnerungscamp aufgebaut. Das Thema Falkland ist hier immer noch ein Thema. Der Begriff Falkland ist hier übrigens verpönt, man spricht von den Malwinen.
Nach so viel Politik und Geschichte lockte nun wieder ein Handwerkermarkt. Hier kann man wirklich schöne Dinge kaufen, aber leider ist unsere Wohnung schon sehr voll. Eine kluge Mitreisende hat einmal gesagt: „Den Krempel sollen die jungen Leute kaufen, die haben noch genug Platz zu Hause.“

 

 

28. Reisetag – Montag, 2.2.2015 Montevideo/Uruguay

 

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Placa Inpendencia

Heute erreichten wir problemlos den Hafen von Montevideo, nachdem wir in der Nacht gemütlich mit geringer Geschwindigkeit den Rio de la Plata Richtung Atlantik entlang gedümpelt sind. Wir waren ja für alles ordnungsgemäß angemeldet.
Der Hafen liegt nahe der Altstadt und die Pier nahe am Hafenausgang, also konnte man bequem, ohne Warten auf einen Shuttlebus direkt in die City laufen. Sogar eine Wechselstube befand sich direkt am Hafenausgang. Die Altstadt war auf den kauffreudigen Touristen ausgerichtet.
Wir fanden ein kleines etwas schmieriges Restaurant, das allerdings auf einem kleinen Plakat WLAN versprach. Also nichts wie rein, hatte ich doch zufällig mein Netbook im Rucksack, zum Trinken Cola bestellt und den Rechner ausgepackt. Schnell wurde Windows 8 hochgefahren (geht viel schneller als Windows 7 oder XP) und nun wollte ich mit meinem aufgeklappten Rechner an der Theke nach dem Passwort fragen. Dieser sagte aber ziemlich ungerührt nur: „Internet“ und schüttelte heftig mit dem Kopf. Dumm gelaufen, insbesondere, dass jeder von jetzt eine 0,66-Liter-Cola-Lite-Flasche vor sich stehen hatte. Da hat man lange dran. Und das war am Ende auch gut so. Nach knapp 15 Minuten sagte der Wirt wieder: „Internet“ und schrieb etwas auf einen Zettel, nämlich das Passwort des WLAN-Netzes von dieser Kneipe. Dem Hochladen des 5. Blogeintrags stand nichts mehr im Weg.
Jetzt konnten wir noch den kulturellen Teil Montevideos abarbeiten. Wir statteten der “Catedral Metropolitana“ einen kurzen Besuch ab und erreichten nach einem kleinen Fußmarsch  den “Placa Inpendencia“. Hier hat man sehr kompakt alles zusammen, was sehenswert ist, wie das erste Hauchhaus von Montevideo, ein im Zuckerbäckerstil gestaltetes Gebäude oder die unter einem monströsen Reiterdenkmal gelegene Gedenkhalle und Mausoleum  des Nationalhelden José Gervasio Artigas.
Nach Rio de Janeiro und Buenos Aires war Montevideo die dritte Metropole in Südamerika. Deshalb möge man uns nachsehen, dass wir bereits am ganz frühen Nachmittag zurück zum Schiff gingen und die eine oder andere Sehenswürdigkeit dadurch verpasst haben.

 

 

29. Reisetag – Dienstag, 3.2.2015 Seetag

Das Highlight des Vormittags war eine erneute Austernparty (siehe auch Eintrag vom 7.1. und 15.1.2015) der ich aus den bereits bekannten Gründen wieder fernblieb. Allerdings gibt besagte Party  mir Gelegenheit über die ebenfalls bereits erwähnten aber noch nicht konkretisierten skurrilen Anfragen zu berichten, die während der Sprechstunde des Betreuers für die Gold und Silbergäste so anfallen. Am Nachmittag kam ein Passagier in die Sprechstunde vom Phoenix-Mann Bernd Wallisch  in den Jamaica-Club, wo ich mal wieder mal am PC für den Blog saß. Besagter  Passagier beschwerte sich, dass er während der Austernparty heute Morgen keinen Gratis-Doppelkorn erhalten habe, obwohl dieser doch ausdrücklich im Tagesprogramm erwähnt wurde. In einem ausführlichen Gespräch wurde festgestellt, dass der sich beschwerende Herr erst innerhalb der zweiten halbe Stunde des einstündigen Events erschienen war. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kellner die Schnapsverteilung bereits eingestellt, weil es sich um einen „Einstimmungsschnaps“ handeln sollte. Bernd Wallisch wusste aber Rat und bot dem Gast an, dass sie jetzt zusammen in Harry’s Bar auf Kosten von Phoenix einen Doppelkorn zu sich nehmen. Der Gast lehnte aber dankend ab, weil er sich sowieso nicht so viel aus Schnaps mache und verließ zufrieden die Sprechstunde.  Bernd Wallisch verdrehte nur ganz leicht die Augen, anstatt einfach mal kräftig in die Tischkannte zu beißen – er hat wirklich Nerven wie Drahtseile und die Geduld eines Lammes.
Am Abend war wieder mal Gala angesagt. Wir hatten erst vor einigen Tagen Abschiedsgala, weil ein großer Teil der Passagiere in Buenos Aires von Bord gegangen war.
Jetzt stand eine Begrüßungsgala auf dem Programm, mit der Gelegenheit dem Kapitän die Hand zu schütteln, denn in Buenos Aires sind auch wieder neue Passagiere an Bord gekommen. Jetzt waren wir noch mal 150 Passagiere mehr als vorher auf dem Schiff, in Summe ca. 1000 Stück.
Das Publikum an Bord ist jetzt im Schnitt ein wenig jünger geworden und auch etwas hemdsärmeliger, das liegt wohl an der Route, nämlich Patagonien und Kap Hoorn.
Galaabende versprechen meist eine Speisekarte, die uns nicht so genehm ist. Wir bevorzugen sowieso eher gemischte Hausmannskost und an solchen Abenden will der Koch klangvolle Gerichte präsentieren, und heute stand Entenbrust auf dem Programm. Aus Erfahrung wissen wir, dass dieses Federvieh medium serviert wird, das heißt der Vogel lebt beinahe noch.

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Der neue Klapptisch im Einsatz

Aber es gibt ja einen Ausweg – der Kabinenservice. Man kann sich (wie auch 2013 auf der MS Amadea) Schnitzel, Hamburger und Pizza vom Kabinenservice in seinen eigenen vier Wänden servieren lassen. Das Problem ist nur, es gibt nur einen Schreibtisch mit nur einem Stuhl und ein Nachtschränkchen, das man aber nicht verrücken kann.
Jetzt kommt unser vor einigen Tagen erworbener Klapptisch zum Einsatz. Er wird zwischen die Betten gestellt und alle Probleme sind gelöst. Auf den Tisch kommen die Teller mit den bestellten Schnitzeln nebst Kartoffelsalat und die ebenfalls georderten Getränke. Die Betten dienen als Sitzgelegenheit und dem Galaabend steht nichts mehr im Weg.

 

30. Reisetag – Mittwoch, 4.2.2015 Seetag

Morgen werden wir in Patagonien anlanden.
Patagonien bezeichnet den Teil Südamerikas, der sich südlich der Flüsse Río Colorado in Argentinien und Río Bío Bío in Chile sowie nördlich der Magellanstraße befindet. Eine genaue, festgelegte Abgrenzung gibt es nicht. (Quelle: Wikipedia)

 

31. Reisetag – Donnerstag, 5.2.2015  Puerto Madryn/Argentinien

2015-02-06 Puerto Madryn hoe P1010378Am frühen Morgen machten wir an der Pier von Madryn fest. Diese befindet sich am Ende eines ca. 500 Meter langes Steges.
Um 9:oo Uhr startet unser Ausflug zu einer großen Pinguinkolonie nach Punta Tomba. Dorthin zu gelangen ist zwar ein wenig aufwendig, man fährt mit dem Bus ca. 3drei Stunden, um dorthin zu kommen, teils über Autobahn, aber auch einen Teil über unbefestigte Schotterpisten.
Gleich nach dem Verlassen von Madryn beim Auffahren auf die Autobahn stehen wir im Stau. Der Grund ist weder hohes Verkehrsaufkommen noch ein Unfall, sondern der Streik von Arbeitern einer Fischfabrik. Die gaben nämlich, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, die Autobahn gesperrt. Und da trotz der südamerikanischen Gelassenheit, von der uns der argentinische Reiseleiter im Bus gerade noch erzählt, die Streikenden von Autofahrern mit einem weniger hohen Anteil  an Gelassenheit nicht verprügelt werden, ist auch die Polizei anwesend. Die Streikenden unterbrechen nach Gutdünken immer mal wieder ihre Sperrung, sodass wir nach 45 Minuten dann doch weiterfahren konnten.  
2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010256Die Fahrt führte uns im wahrsten Sinne des Wortes durch die Pampa, eine Landschaft, bewachsen mit niedrigen Büschen und das bis zum Horizont nach allen Richtungen. So fahren wir knapp 200 Kilometer und auf dieser Strecke kommen wir nur an einzigen Ortschaft vorbei.
Das letzte Stück der Fahrt führt über eine etwa 20 Kilometer lange Schotterpiste und wir erreichen die Pinguinkolonie. Nicht nur am Strand, sondern auch viele hundert Meter vom Meer entfernt befinden sich einzeln und in Gruppen die Pinguine, genauer Magellan-Pinguine. Die Tiere werden bis zu 70 cm groß und bis zu 4 kg schwer. Ihnen fehlt jegliche Scheu vor dem Menschen. Vor den Betreten der Kolonie wurden wir noch einmal belehrt, dass wir2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010285

  • uns nicht näher als zwei Meter den Tieren nähern sollen,
  • die vorgesehen Wege nicht verlassen dürfen,
  • die Tiere auf keinen Fall anfassen dürfen,
  • ein den Weg kreuzender Pinguin immer Vorfahrt hat.

 

 

2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010328Knapp zwei Stunden verbrachten wir mit der Beobachtung der Tiere und als Zugabe konnten wir noch am Rand der Kolonie einige Guanacos beobachten. Das Guanaco ist die Stammform des domestizierten Lamas. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Ich denke die Bilder sprechen für sich.2015-02-05 Puerto Madryn dhl P1000698

 

 

 

 

 

 

 

2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010276
Hier wäre mein Bericht für heute eigentlich zu Ende, wenn ich nicht noch eine seltsame Beobachtung der Spezies Reisegruppe gemacht hätte.
2015-02-05 Puerto Madryn dhl P1000663Gegen 15:00 Uhr bestiegen wir wieder den Bus, wo wir auch unsere Lunchbox erhielten und die Rückfahrt begann, voraussichtliche Dauer 3 Stunden + X, wobei X für die nicht bekannte Zeit im Stau wegen des Streiks steht. Der Reiseleiter, der Auf der Hinfahrt haarklein den Verlauf der Fahrt erklärt hatte, wann und wo Fotostopp und Pipi-Pause eingelegt würden, wünschte uns jetzt nur einen guten Appetit und sagte sonst nichts. Nach einiger Zeit fragte ich ihn, ob wir auch wieder einen Pipi-Stopp machen würden. Er meinte, eigentlich nicht, aber er könne ja kurz vor der Tankstelle, wo wir schon am Vormittag angehalten hatten, kurz nachfragen, ob jemand bedarf hätte.
2015-02-05 Puerto Madryn dhl P1000664Kurz vor der Tankstelle fragte er von vorne über Mikrofon, ob wir einen Toilettenstopp machen sollten. Wer aufs Klo müsse, möge bitte die Hand heben. Trotz Lunchpaket mit einer Flasche Mineralwasser und einer Dose Bier war ich der einzige der die Hand hob (auch stellvertretend für Doris). Da fragte mich der Komiker am Mikrofon, ob ich denn tatsächlich müsse. Ich saß in der vorletzten Reihe und fragte deshalb über die Köpfe der Mitreisenden mit lauter Stimme, lob ich den meine “Bedürfnisse“ jetzt auch noch begründen müsse. Im Bus herrschte nur betretenes Schweigen und auch die Begleiter von Phoenix machten keine Anstalten, die Inquisition des argentinischen Guides zu missbilligen. Der Reiseleiter bat, dass jetzt gleich nur die Leute aussteigen mögen, die auf die Toilette müssten. 2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010299
Ich möchte nur am Rande erwähnen, dass mehr als die Hälfte der Businsassen den Stopp gerne genutzt haben und der Reiseleiter von uns kein Trinkgeld bekommen hat.
Und gelernt habe ich, dass eine Reisegruppe eine geduldige, leidensfähige, widerspruchslose träge Masse ist und “keinen Hintern in der Hose“ hat, es sei denn, jemand anderes sorgt dafür, dass sie denselben auf eine Porzellanschüssel setzen können.

 

 

32. Reisetag – Freitag, 6.2.2015 Puerto Madryn/Argentinien

2015-02-05 Puerto Madryn hoe P1010370Gegen 10 Uhr verließen wir das Schiff, um Puerto Madryn zu erkunden. Die Stadt liegt auf der Halbinsel Valdés und hat ca. 80.00 Einwohner. Gleich an der Pier gab es einige Seelöwen und einen See-Elefanten zu sehen. Sie hatten es sich in den vorhandenen Nischen der Pier gemütlich gemacht und dösten in der Sonne.
Jetzt stand die Entscheidung an, zu Fuß oder mit dem Shuttlebus zum Hafenausgang zu gelangen. Die Pier und der sich anschließende Steg schienen uns doch sehr sehr lang, kurz, wir fuhren mit dem Bus. Direkt am Ende des Stegs war auch der Hafenausgang, links und rechts davon begannen gleich die Badestrände und dahinter gleich das belebte Zentrum.
Wir absolvierten erst einmal das übliche Programm, Café mit WiFi, Besichtigung des Warenangebots von zwei Supermärkten, den Besuch einer kleinen Kirche und der Bummel durch diverse kleine Einkaufssträßchen.
Unsere innere Uhr und der innere Kompass brachten uns automatisch gegen 13 Uhr zur Haltestelle des Shuttlebusses, so dass wir auf dem Schiff zu Mittagessen konnten. Es gab Currywurst mit Pommes und hinterher Eis. So gestärkt konnte die zweite Tageshälfte in Angriff genommen werden – ein Strandspaziergang. Das Wetter war optimal, Sonne mit leichter Bewölkung und nicht mehr ganz so heiß, wie die Tage von Rio bis Monte Video.
2015-02-06 Puerto Madryn hoe P1010377Je weiter man sich am Strand vom Hafen entfernte, umso belebter wurde der Strand. Durch Ebbe und Flut variierte die Breite des Strands um mehrere hundert Meter. Aber auch bei Flut ist er noch sehr breit, sodass man trotz der Menschenmenge keine Platzangst zu haben brauchte.
Wir marschieren tapfer mit hochgewickelten Hosenbeinen durch das seichte Wasser die ca. 3 Kilometer bis zum Ende der Bucht. Dieser Teil des Strandes wird von hunderten von Möwen als Rastplatz beansprucht.
Gegen 20 Uhr verlässt das Schiff den Hafen und nimmt Kurs auf Punta Arenas in Chile.

 


33. Reisetag – Samstag, 7.2.2015 Seetag

Es wird merklich kühler. Wir befinden uns mittlerweile etwa auf dem 40. Südlichen Breitengrad, sind also schon jenseits der tropischen Breiten. Das hält uns natürlich nicht ab, weiterhin unsere Spaziergänge an Deck durchzuführen und auf das scheinbar unendliche Meer zu blicken. Das Schiff fährt weit von der Küste entfernt seinen südlichen Kurs, sodass kein Land zu sehen ist.

2015-02-06 Puerto Madryn dhl P1000717
Am frühen Abend fanden wir in unserer Kabine einen Umschlag vor. Er enthielt ein Schreiben, dass sich der Kapitän freut, uns beim Abendessen im Artania Restaurant an seinem Tisch begrüßen zu dürfen. Dies ist für viele Kreuzfahrer die höchstmögliche Weihe, nämlich am Kapitänstisch zu dinieren. Wie wir zu dieser Einladung gekommen sind ist uns schleierhaft, vielleicht wurde das ausgelost? In dem Schreiben wird aber auch auf die Option hingewiesen, dass man an der Rezeption absagen kann. Diese Option haben wir schließlich gezogen. Wir haben solche Kapitänsdinner schon viele male beobachtet. An einem großen Tisch sitzen der Kapitän, der Kreuzfahrtdirektor und der ein oder andere Offizier und ca. 10 geladenen Passagiere. Das Ganze ist eine ziemlich Steife und gezwungene Sache mit einer aufgesetzten Fröhlichkeit mit wildfremder Menschen am Tisch. Außerdem muss man Essen, was auf den Tisch kommt und da haben wir ja bei Galas so unsere Probleme. Das Essen zieht sich über mindestens zwei Stunden (man darf da nicht einfach aufstehen, wenn man satt bzw. fertig ist), denn man warten muss, bis der Letzte seinen Napf geleert hat. Und man wird die ganze Zeit von den Passagieren an den umliegenden Tischen neugierig beäugt (so wie wir das auch schon getan haben). Es wäre sicherlich einerseits eine interessante Erfahrung gewesen, andererseits lieben wir unsere Freiheit und Ungezwungenheit und mögen diese Zwänge halt nicht so besonders.

 

 

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34. Reisetag – Sonntag, 8.2.2015 Seetag

Heute ist schon wieder Galaabend. Warum? Wir wissen es nicht.
Ob unser Platz am Kapitänstisch heute Abend freigeblieben ist oder ob es Nachrücker gegeben hat, wissen wir ebenfalls nicht.
Wir begehen den Galaabend traditionell mit Schnitzel und das ist jetzt neu, auch mit Cheeseburger in unserer Kabine auf unserem Klapptisch.

 

35. Reisetag – Montag, 9.2.2015 Punta Arenas/Chile

Gestern Abend sind wir in die Magellanstraße eingefahren.
Die Magellanstraße (lateinisch Fretum Magellanicum, spanisch Estrecho de Magallanes) ist eine Meerenge mit zahlreichen Inseln und Seitenkanälen zwischen dem südamerikanischen Festland und der Insel Feuerland. Sie verbindet zudem kurz vor dem südlichsten Ende Südamerikas den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Seit 1881 gehört die Magellanstraße zum chilenischen Hoheitsgebiet. (Quelle: Wikipedia).
Die Entdeckung dieses Seewegs war eine Alternative zur Umrundung des Kap Hoorns, war aber wegen der schwierigen Wetter- und Strömungsverhältnisse für die früheren Segelschiffe  dennoch auch sehr gefährlich.
Nach etwa der Hälfte der Magellanstraße auf der patagonischen Seite liegt unser Ziel Punta Arenas. Die Pier war bereits von einem anderen Kreuzfahrtschiff belegt und so mussten wir Ankern und tendern, um an Land zu kommen.

2015-02-09 Punta Arenas dhl P1000761

Die Landschaft ist abwechlungsreicher
als vor 3 Tagen in Madryn,
die Pinguine dafür etwas rarer.

 

Da laut Reiseführer diese knapp 120.000 Einwohner zählende Stadt außer einigen Museen keine besonderen Sehenswürdigkeiten besitzt, hatten wir wieder einen Ausflug gebucht. Angeboten wurde eine Kajakfahrt, eine Wanderung für geübte und trainierte Wanderer, eine Stadtrundfahrt und der Besuch einer Pinguinkolonie

Da erschien uns die Pinguinkolonie am ungefährlichsten. So würden wir weder ins Wasser fallen (Kajakfahrt), noch uns Blasen laufen (Wanderung), noch uns langweilen (Stadtrundfahrt). Dass wir bereits in Puerto Madryn einen ähnlichen Ausflug absolviert hatten und es sich hier ebenfalls um Magellanpinguine handelt, störte uns nicht weiter.

2015-02-09 Punta Arenas hoe P1010413

Sogar bei den Herren musste man Schlange stehen.

Was uns bedenklicher erschien, war die Tatsache, dass inzwischen ein weiteres Kreuzfahrtschiff hier den Anker geworfen hatte.
Am Vormittag nach einer guten Stunde Busfahrt erreichten wir das weitläufige Gelände am Otway-Meeresarm wo wir die “niedlichen Geschöpfe in ihren natürlichen Lebensraum“, so die Ausflugsbeschreibung, beobachten sollten. Die Pinguinkolonie war erheblich kleiner, als die von vor drei Tagen und schlechter zu beobachten, weil die Tiere sehr viel weiter von den Wegen entfernt aufhielten. Richtiges Gedränge herrschte nicht bei den Tieren sondern bei den Menschen auf den Rundwegen, obwohl diese doch sehr langläufig waren, aber wenn drei Kreuzfahrschiffe ihre Menschladung in vielen vielen Bussen hierher schicken, dann ist Schluss mit Lustig.

Das verdarb uns aber nicht unsere Laune, denn wir richteten unser Augenmerk hier auf dem Gelände und auch währende der Busfahrt auf die interessante Landschaft und Vegetation. Zudem waren die Ausführungen der örtlichen chilenischen Reiseleiterin über die Geschichte und die Entwicklung der Stadt recht interessant.

 

2015-02-09 Punta Arenas hoe P1010436

Kormorane, aus der Entfernung
könnte man sie für Pinguine halten.

Am Nachmittag tenderten wir noch einmal an Land, um doch noch einen Blick auf den Ort zu werfen. Nur wenige hundert Meter vom Hafen entfernt entdeckten wir ein Highlight, dass in keinem Reiseführer beschrieben war. Zwei ins Meer reichende Stege waren bevölkert von mehreren hundert, vielleicht sogar mehr als tausend Kormoranen.
Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite war eine mit Gemälden verzierte Häuserfront zu bewundern und zu fotografieren.
Wir fanden auch eine Wechselstube und konnten uns mit den so erworbenen chilenischen Pesos in das zuvor entdeckte Café mit WiFi begeben. Hier konnte ich schon mal einen großen Teil des Blogeintrags Nummer 6 hochladen. Mails (außer Werbung und Spam) erhalten wir kaum noch. Europa hat uns wohl schon vergessen. Aber keine Nachrichten sind allemal besser als schlechte Nachrichten.

2015-02-09 Punta Arenas dhl P1000786

Kapitänsempfang einmal ganz anders.

Musste man sich vor drei Tagen noch mit Sonnenschutz bei sonnigen 25 – 30 Grad eincremen, war heute warme Outdoorkleidung angesagt. Die Temperaturen lagen bei 5 -10 Grad, aber besonders der kalte Wind ließ die gefühlte Temperatur noch einmal deutlich sinken.
Um 18 Uhr verlässt die MS Artania Punta Arenas und nimmt Kurs Richtung Kap Hoorn. Die Fahrt an diesem Abend ist fantastisch. Die Spitze Südamerikas ist nämlich nicht “an einem Stück“, sondern besteht aus vielen Inseln, die dicht beieinander liegen. Durch dieses Gewirr von Inseln fahren wir und sowohl steuerbord als auch backbord zieht eine grandiose Landschaft mit  hohen, schneebedeckten Bergen an uns vorbei. Ab 22 Uhr ist es allerdings leider zu dunkel, um noch etwas zu sehen.

 

36. Reisetag – Dienstag, 10.2.2015 Umfahrung Kap Hoorn/Chile

 

2015 02 10 Kap Hoorn dhl P1000795

Am Vormittag war die See noch ruhig.

Für 5:30 Uhr wurde uns das Passieren mehrerer Gletscher avisiert, aber wir verschlafen dieses Angebot bewusst. Zum einen ist es um diese Uhrzeit noch dunkel, zum anderen, so trösten wir uns, haben wir Gletscher bereits in Grönland und Spitzbergen gesehen.
Doris treibt es dennoch so gegen halb sieben aus dem Bett, aber an den die Gletschern war die Artania bereits vorbeigefahren. Die Landschaft hier im Beagle-Kanal ist ähnlich wie schon gestern Abend, hohe Berge mit spärlichem Bewuchs und schneebedeckten Gipfeln.

2015 02 10 Kap Hoorn dhl P1000798

Kap Hoorn - hier müssen wir rum.

Während des Mittagessens nähern wir uns langsam Kap Horn und zwar vom Westen, also bereits von der pazifischen Seite, die wir auf dem Weg durch den Beagle-Kanal erreicht haben.
Der Begriff “Kanal“ wird hier nicht für eine künstliche Wasserstraße verwendet, sondern ein Kanal ist in diesem Fall eine natürliche Wasserstraße zwischen beieinanderliegenden Inseln und Inselgruppen.
Die See ist immer noch relativ  ruhig, aber der Wind nimmt stetig zu.
Kap Hoorn liegt bereits in Sichtweite vor uns und es wird Zeit, sich wetterfest zu machen, um die Umrundung auf der Außenpromenade des Schiffs zu beobachten und zu erleben.

 

2015 02 10 Kap Hoorn hoe P1010497

Der kleine Felsen mit der weißen Kappe ist der südlichste Punkt Südamerikas.
Das Weiße sind übrigens die Hinterlassenschaften von Albatrossen.

Der Wind hat mittlerweile eine Stärke von zehn erreicht, so wird über Lautsprecher bekannt gegeben, es nieselt, die Wellen werden höher und das Schiff schaukelt trotz seiner Stabilisatoren doch ganz ordentlich. Die Gischt spritzt bis auf das Deck. So umrunden wir das zu Chile gehörende Kap Hoorn, die südlichste Insel der südlichsten Inselgruppe vor dem südamerikanischen Festland.  

 

2015 02 10 Kap Hoorn hoe P1010489

Bunte Farbtupfer am grauen, trüben Kap.

Mit einer starken Maschine ist das alles kein Problem. Aber zur Zeit der Segelschiffe, die mit den Strömungen und den Winden klar kommen mussten, erlitten sehr  viele Schiffbruch und es gab mehr als  10.000 tote Seeleute. Die Umrundung des Kap Hoorns gehörte zu den gefürchtetsten Schiffspassagen und ein ganz klein wenig konnten wir diesen Mythos spüren.
Der Versuch, mit einem Tenderboot zur Wetterstation auf Kap Hoorn überzusetzen, um der dort ausharrenden Mannschaft ein paar Süßigkeiten als Geschenk zu überreichen, wurde aber frühzeitig gecancelt, weil das bei der Wetterlage viel zu gefährlich wäre.

 

Wiederbelichtung von 2015 02 10 Kap Hoorn dhl P1000801

Geschafft - Kap Hoorn ist umrundet!

 

 

2015 02 10 Kap Hoorn dhl P1000816

Feierabend!

Nach der Umrundung wird das Wetter sofort wieder friedlich und der Rest des Tages ist ein ganz normaler Seetag.

Beim Abendessen beklagt sich eine Dame, dass sie vom Kap ein wenig enttäuscht wäre und sich mehr davon versprochenen hätte. Ich frage mich, was? Hatte sie erwartet, dass die Loreley vor der Wetterstation sitzt, sich ihr goldenes Haar kämmt und dabei sing: „Eine Seefahrt die lustig…“, während unser Schiff auf Grund läuft und dann am Felsen zerschellt?
Oder hatte sie erwartet:

Drei Chilenen mit dem Kontrabass
saßen auf dem Felsen und erzählten sich was,
da kam die Polizei:“ Ja was ist denn das.“
Drei Chilenen mit dem Kontrabass
Drö Chölönen möt döm Köntröböss……


Unser nächstes Ziel morgen ist Ushuaia auf der Insel Feuerland in der Magellanstraße. Ushuaia gehört zu Argentinien und bezeichnet sich selbst als “das Ende der Welt“.

 

37. Reisetag – Mittwoch, 11.2.2015 Ushuaia/Argentinien

 

2015 02 11 Ushuaia hoe P1010527

Ankunft am Morgen in Ushuaia

Frühmorgens erreichten wir Ushuaia. Der Hafen ist Ausgangspunkt für Forschungs- Expeditions- und auch Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis.

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000855 jiFür den Vormittag hatten wir eine Jeep-Tour gebucht. Wir waren 10 Ausflügler, 2 Jeeps und 2 Fahrer, also eine sehr übersichtliche  Gruppe. Schnell hatten wir die Stadt hinter uns gelassen und befuhren eine berühmte Straße, nämlich der Panamericana, eine Straße die Alaska mit Feuerland auf einer Strecke von 25.750 Kilometern verbindet und in Ushuaia endet.
Der erste Stopp war an einer hölzerne Treppenkonstruktion, über die man bequem einen Aussichtspunkt für Fotofreunde erreichen konnte. Ein Touristenbus fuhr gerade mit seiner Ladung weg, sodass wir freie Bahn hatten. Auf besagten Aussichtspunkt befand sich auch ein rustikaler Verkaufsstand mit einigen Schnitzereien.

 

2015 02 11 Ushuaia hoe P1010551

Bei ihm haben wir noch 10 Pesos Schulden.

Unser Interesse galt einem hölzernen Brieföffner, weil unser Exemplar zu Hause (ein Mitbringsel aus Neuseeland) vor einiger Zeit kaputt gegangen ist. Da unsere Reisekasse im Jeep geblieben war, drohte der Kauf zu scheitern. Ich hatte aber noch einen “Notgroschen“ von 85 Pesos in der Hosentasche. Der Brieföffner sollte aber 95 Pesos (9,50 €) kosten. Der Verkäufer vermutete aber ein taktisches Manöver unsererseits und wollte uns zunächst keinen Rabatt einräumen. Nachdem wir versprochen hatten, dass wir, wenn wir ihn zufällig am Nachmittag in der Stadt treffen sollten, unsere Schulden von 10 Pesos begleichen würden, kam der Deal dann doch zustande.

 

 

 

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000821

Da müssen wir gleich runter.

Befanden wir uns bisher auf einer asphaltierten Straße, ging es jetzt ins Gelände.  Die Fahrer zeigten gleich, was sie drauf hatten. Ein irrer steiler holpriger Pfad, der sogar einer Bergziege Kopfzerbrechen bereitet hätte, wurde gekonnt bewältigt. Oben angekommen wurde ein kurzer Fotostopp eingelegt. So bot sich die Gelegenheit, gleich man den Weg für die Talfahrt in Augenschein zu nehmen. Eine Teilnehmerin überlegte ernsthaft vielleicht doch lieber zu laufen.

 

2015 02 11 Ushuaia hoe P1010568

Der Biber-Staudamm.

Weiter ging’s an einem kleinen See vorbei, in dem Biber leben. Wir bekamen sogar einen zu Gesicht.
Dieser Biber bildet quasi die Überleitung zu unseren nächsten Stopp, denn ein paar Kilometer weiter kamen wir zu einer Biberburg. Hier hatten die Biber ganze Arbeit geleistet. In einem Umkreis von 100  Metern hatte sie alle Bäume gefällt  und einen kleinen Bach gestaut. Leider gab es an dieser Stelle keine Biber mehr.

 

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000838

Panorama pur.

Wir turnten eine Zeitlang hier im “Bibertal“ herum, um dann querfeldein einen bewaldeten Abhang hochzukraxeln. Als wir oben am Waldrand ankamen, tat sich urplötzlich ein Panorama auf, das es einem den Atem verschlug.  
Über Stock und Stein bzw. auch über weichen Torfboden ging es zurück zu den Jeeps und wir fuhren zu einer Huskyzucht. Ob die Haltung in Zwingern mit Betonboden artgerecht ist, sei mal dahingestellt und außerdem roch es dort sehr streng.
Die Hundezucht liegt in einem Tal, das von einem kleinen Fluss durchzogen ist. Dieses Tal durchfuhren wir, teilweise im Flussbett bis zu einem Wald. Im Wald sollte der “kleine Imbiss“ eingenommen werden, der in der Ausflugsbeschreibung, auf deren Grundlage wir die Tour bei Phoenix gebucht hatten,  erwähnt wurde.

 

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000852

Überraschung - ein Hundeschlittengespann

Zu Fuß ging es eine kurze Strecke durch den Wald.  Die Fahrer  trugen eine Kiste Wein und einige Flaschen Cola und Wasser auf unserem Weg bis zu einer kleinen Grillhütte. Vor der Hütte garte irgendetwas auf einem Gaskocher in einem geschlossenen Topf und drinnen bollerte ein Ofen. Der Wein, es war Rotwein, wurde ausgeschenkt und alternativ gab es ja auch noch das Wasser und  das Cola. Die Fahrer zauberten auf einmal Holzbrettchen mit Käse und Salami herbei und stellten sie auf die rustikalen Tische. Sowohl Käse als die Salami schmeckten ausgezeichnet. Die Frage einer Tour-Teilnehmerin, ob es sich um chilenischen Rotwein handelt, beantworten die beiden Fahrer nicht, aber an ihrem beleidigtem Gesichtsausdruck konnte man entnehmen, dass es sich eindeutig um argentinischen Wein handeln musste. Zur Erinnerung, vorgestern waren wir in Punta Arenas, das gehört zu Chile. Heute sind wir in Ushuaia, das gehört zu Argentinien. Ich glaube, es war auch ganz gut, dass wir das Thema Fußball ausgeklammert hatten.
Der “kleine Imbiss“ entpuppte sich als komplette Mahlzeit, den nun gab es argentinische Steaks, die in etwa wie Esterhazy zubereitet wurden und ebenfalls gut schmeckten. Zum Nachtisch gab es noch Obst und ein süßes Stück Schokoladenkuchen.

 

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000844

 Der coolste Musher von ganz Feuerland.

 

Und wie zufällig kam auch noch ein Hundeschlittengespann an der Hütte vorbei und legte einen technischen Halt ein. Der Schlitten hatte mangels Schnee keine Kufen sondern Räder und das Gespann einschließlich Hundeführer (der sogenannte Musher) waren natürlich bestellt. Wir haben den Musher auf der Rückfahrt zum Schiff gesehen, wie er zu Fuß zu einer Bushaltestelle gelaufen ist.

 

2015 02 11 Ushuaia dhl P1000850Diese Tour war mit Sicherheit einer der besten Ausflüge, die wir auf dieser Reise bisher gemacht haben. Hier stimmte alles. Die geringe Teilnehmerzahl, die gewählten Offroadstrecken, der genügende Platz im Fahrzeug selbst, die ausgesuchten Stellen zu denen man uns geführt hat, bis hin zum dramaturgisch ausgezeichnet inszenierten  Finale mit Speis, Trank und Hundeschlitten.

Das Mittagessen auf dem Schiff haben wir natürlich ausfallen gelassen  und am Nachmittag streiften wir noch einmal durch die sehr touristisch geprägte Hauptgeschäftsstraße der Stadt.
Wir fanden auch wieder ein Café mit WiFi und ich konnte den 6. Teil des Blogs losschicken.
Auf dem Rückweg zum Hafen trafen wir noch auf ein Bikerpärchen aus Altötting, das mit ihren Maschinen seit 2011 um die Welt fährt. Sie haben auch einen Internetblog, den man unter www.TimetoRide.de aufrufen kann.
Um 20 Uhr verließen wir Ushuaia.

 

38. Reisetag – Donnerstag, 12.2.2015 Seetag

In der Nacht hatte das Schiff ein wenig geschwankt, aber am Morgen war wieder alles ruhig. Wir befanden uns mittlerweile in den Chilenischen Fjorden. Dieser Teil Chiles besteht aus tausenden von Inseln und Inselchen und zwischen diesem Inselgewirr fuhren wir hindurch. Wir hatten einen Lotsen an Bord, der den Kapitän bei der Fahrt durch dieses Labyrinth mit seinen Ortskenntnissen unterstützte.
2015-02-13 Seetag dhl P1000872Links und rechts neben dem Schiff stiegen die Berge hoch, mal nur nackter Fels, mal bewaldet, ein stetig wechselndes Panorama. Ich erspare jetzt dem Leser und Fotoalbumbetrachter, jede einzelne Insel zu beschreiben und jeden abgelichteten Berggipfel ins virtuelle Fotoalbum zu kleben.
Im Lido, dem Selbstbedienungsrestaurant auf dem Schiff herrschte heute zum Mittagessen das pure Chaos. Es war ein Seetag, also alle Mann waren an Bord, niemand ist an Land und das Wetter war schlecht, so saß auch niemand an den Tischen auf dem Außendeck. Kurz das Restaurant war bis auf den letzten Platz besetzt und ständig fehlte irgendetwas. Mal gibt es kein Besteck, oder der Getränkenachschub funktionierte nicht, man kam  nicht nach, das Büffet rechtzeitig wieder auszufüllen. Der Restaurantchef bittet die Leute die auf einen Sitzplatz warten händeringend, doch auf die anderen Restaurants auszuweichen.
2015-20-14 Puerto Chacabuco hoe P1010678Ich habe später mal mit dem Restaurantchef gesprochen und gefragt, warum man nicht einfach die Öffnungszeit des Lido (12:30 – 14:00) um eine halbe Stunde verlängert und die der weniger frequentieren Restaurants um eine halbe Stunde verkürzt. Er wusste tausend Gründe, warum das nicht möglich ist, kurzum, man ist an der Lösung dieses Problems gar nicht wirklich interessiert. An den wenigen Tagen muss der Gast das Chaos eben aushalten, so ist wohl das Konzept des Managements.
Für die Nacht wurde starker Seegang vorausgesagt, weil wir zeitweise die schützende Inselwelt verlassen. Deshalb hat die Kabinenstewardess die Trinkgläser aus dem Regal auf ein Handtuch auf den Fußboden gelegt. Wir korrigieren diese unsinnige Maßnahme dahingehend, dass wir die Gläser in Handtücher etc. einwickeln und in einer Schublade so verstauen, dass nichts klappert.

 

39. Reisetag – Freitag, 13.2.2015 Seetag

Die angekündigte Schaukelfahrt in der vergangenen Nacht hat doch nicht stattgefunden.
Der Höhepunkt des Vormittags war wohl eine Kochshow mit dem Starkoch Andreas Geitl. Er zeigte, wie man Frikadellen macht. Erstens  kenne ich diesen Menschen gar nicht und wie man Frikadellen macht, weiß Doris bereits, also findet die Veranstaltung ohne uns statt.
Dem größten Chaos im Lido-Restaurant sind wir dadurch entgangen, dass wir erst weit nach 13 Uhr dort waren, da war der Hauptansturm vorbei.
2015-02-13 Seetag P1010666Die vorbeiziehende Fjordlandschaft ist nach wie vor großartig. Zu allem Überfluss begegneten wir noch 10 – 15 Buckelwalen. Leider waren sie doch recht weit weg. Ihre Blasfontänen konnte man gut sehen. Wenn sie kurz aufgetaucht waren, sah man jedoch nicht allzu viel und bis man sie mit dem Fotoapparat richtig anvisiert hatte, waren sie schon wieder abgetaucht. Ich habe trotzdem die beiden Besten von denen vielen schlechten Wal-Fotos das eine hier das andere ins Fotoalbum gestellt.

 

 

 

40. Reisetag – Samstag, 14.2.2015 Chacabuco/Chile

Wir lagen auf Reede und tenderten am Vormitttag an Land. Chacabuco ist ein kleines Städtchen, dessen Hafen aber bezüglich Öl und Waren aller Art für die Region von großer Bedeutung ist.

2015-20-14 Puerto Chacabuco hoe P1010716

Das heißt leider nicht Friseur, sondern Kühlhaus


Wir hatten uns vorgenommen, einen Friseur zu finden, weil bei mir wieder mal ein Haarschnitt fällig wäre, aber wir sind kläglich gescheitert und hatten keinen gefunden.

 

 

 

2015-20-14 Puerto Chacabuco hoe P1010713Der Ort selbst besteht aus vielen kleinen einstöckigen Holzhäusern. Zu jedem Häuschen gehört mindestens ein Hund, von denen auch viele frei auf der Straße herumlaufen. Sie sind alle friedlich und man braucht keine Angst zu haben.
Wir begutachteten diverse einheimische Pflanzen, wie zum Beispiel den Riesenrhabarber, so hatten wir das Gewächs mit den großen Blättern getauft oder einen tannenähnlichen Baum mit harten, ganz spitzen schmalen Blättern.
„Hier ist ja nix los“ hörten wir viele Passagiere sagen. Uns hat der Ort gefallen.

 

2015-20-14 Puerto Chacabuco hoe P1010693


Am späten Nachmittag fanden wir in unsere Kabine ein Küchlein mit einem Cremehäubchen, eine kleine Aufmerksamkeit der Reiseleitung zum heutigen Valentinstag. Ich behauptet gleich, dass dieser süße Gruß Doris gilt, denn damit hatte ich das Problem aus den Füßen, wie man das Ding ohne Löffel, Gabel und Tellerchen verzehren sollte und überhaupt, vor dem Abendessen wird nicht genascht!

2015-20-14 Puerto Chacabuco hoe P1010735Doris wollte das Problem, welches ja mittlerweile das Ihre war, dadurch vertagen, dass sie das Küchlein erst mal mit zum Abendessen nehmen wollte. Das ganze Problem löste sich plötzlich von selbst dadurch, dass Doris über die Schwelle der Kabinentür stolperte und den süßen Gruß der Reiseleitung im hohen Bogen auf den Teppich des langen Schiffgangs beförderte.

 

 

 

 

 

 

 

 

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41. Reisetag – Sonntag, 15.2.2015 Puerto Montt/Chile

 

2015-02-15 Puerto Montt hoe P1010743

Puerto Montt
Im Hintergrund das Wahrzeichen der Region, der Vulkan Osorno

Puerto Montt ist eine  an den südlichen Ausläufern der Anden gelegene Hafenstadt mit etwa 176.000 Einwohnern. Unser Liegeplatz für die nächsten zwei Tage, lag etwa 15 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Dort legten wir am frühen Nachmittag an.
Die Stadt hatte zwar einen kostenlosen Shuttleservice ins Zentrum mit Minibussen eingerichtet.  Die Kapazitäten waren etwas knapp, sodass wir eine halbe Stunde Schlange stehen mussten, bis wir in die City kamen.
Große Sehenswürdigkeiten sollten uns dort nicht erwarten. Vielmehr ist die Umgebung von Puerto Montt von touristischem Interesse. Also spazierten wir erst mal die Strandpromenade entlang, den Vulkan Osorno, das Wahrzeichen dieser Gegend im Hintergrund.

 

2015-02-15 Puerto Montt hoe P1010751

In den Markthallen

Vorbei ging es an den unzähligen Verkaufsständen mit allem möglichen Kunsthandwerksgegenständen einem Markt mit Fisch, Obst und Fleisch. So vertrieben wir uns den Nachmittag und fuhren schließlich mit dem Taxi zurück zum Hafen, nachdem wir den Fahrpreis von 20 auf 10 US—Dollar heruntergehandelt hatten.

 

 

 


42. Reisetag – Montag, 16.2.2015 Puerto Montt/Chile

2015-02-16 Puerto Montt dhl P1000915Der zweite Tag in Puerto Mott war einem Ausflug gewidmet. Um 7:25 sollte es losgehen, was ein Aufstehen um 5:00 Uhr erforderlich machte. Mit „Petrohue-Stromschnellen und Vulkan Osorno“ war der Ausflug betitelt.
An einer passenden Stelle wurde ein Fotostopp eingelegt um den Lanquihue-See und den dahinterliegenden Vulkanen Osorno und Calbuco ablichten zu können. Der See ist mit 877 km² erheblich größer als unser Bodensee (536  km²).
Rund um den See wohnen viele deutsche Einwanderer. Um 1850 hatte die chilenische Regierung aktiv in Deutschland geworben, dass Deutsche nach Chile auswandern. Sie bekamen dort Land und etliche Vergünstigungen zugesprochen.

2015-02-18 Valparaiso hoe P1010864

Deutsche Braukunst in Chile


Der Vulkan Osorno liegt östlich des Lanquihue-Sees ist 2650 Meter hoch und wird auch gerne aus kleiner Fuji bezeichnet, da er wegen seiner schneebedeckten Spitze und seiner Form dem höchsten  japanischen Berg nicht unähnlich ist. Allerdings ist der Osorno circa 1100 Meter niedriger als sein großer japanischer Bruder.
Der Calbuco ist ein noch aktiver 2000 Meter hoher Vulkan. Er ist zuletzt 1962 und 1972 ausgebrochen.

 

2015-02-16 Puerto Montt hoe P1010780

Die Stromschnellen des Flusses Petrohué

Am Fuß des Osorno soll es beeindruckende Wasserfälle und Stromschnellen, die Saltos de Petrohué, geben, verspricht der Reiseführer. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir nicht die Einzigen sind, sondern bereits schon weitere 30 Busse da sind, denn diese Gegend ist ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel, nicht nur für Kreuzfahrer. Die Stromschnellen schnellen so zwischen der Lavalandschaft herum, aber es kommt einem dabei so der Gedanke, dass man hier werbemäßig etwas nachgeholfen, um die Stromschnellen als Attraktion verkaufen zu können.
Weiter ging es eine Serpentinenstraße hinauf bis auf 1300 Meter den Osorno hinauf. Neben einem schönen Ausblick, hätte man hier auch die Möglichkeit gehabt, Ski zu fahren, wenn denn Winter gewesen wäre. Aber in Chile ist zurzeit Sommer.
Die Ausflugstruppe schickt sich an, den Orsono noch ein Stückchen höher über einen steilen schmalen Pfad zu besteigen.
2015-02-16 Puerto Montt hoe P1010814Alternativ könne man aber auch mit einem Sessellift auf das angestrebte Höhenniveau gelangen. Auf alle Fälle wollte man sich nach 30 Minuten wieder am Bus treffen. Das Doris seit einigen Tagen ein Ziehen im Knie verspürte, Wollten wir die Lift-Variante wählen, als wir allerding den Fahrpreis erfuhren, nämlich 20 US-Dollar pro Person für einmal rauf und runter, nahmen wir erst mal Abstand von dem Vorhaben. Allerdings juckte es dann doch, noch ein Stück höher zu kommen, also kauften wir zähneknirschend die Lifttickets.
Nach 15 Minuten Fahrt, während der und der Wind um die Ohren blies, waren wir oben und da war schon klar, dass wir die 30-Minuten-Vorgabe gar nicht mehr schaffen konnten. Das war aber nicht so schlimm, weil wir in der Ferne sahen, dass unsere Wanderer, die im Gänsemarsch den Fußweg absolvierten, das vorgegebene Limit auch nicht einhalten konnten.
Da man von der Stelle, wo wir jetzt waren, auch nicht vielmehr gesehen hat als an der Talstation des Lifts, traten wir die gleich wieder Rückfahrt an. Unten angekommen zog Doris das Fazit: „Ich habe noch nie für 40 Dollar so sehr gefroren.“
Wie dieser 30-Minuten-Irrsinn zustande kam erfuhren wir später. Normalerweise herrscht hier am Berg Dunst und Nebel. Da sind 30 Minuten Aufenthalt völlig ausreichend, weil man eh nix sieht und kein Mensch auf die Idee käme, noch einen Fußmarsch anzutreten oder mit dem Lift zu fahren. Heute war dummerweise klare Sicht und das hat den Zeitplan gesprengt.

2015-02-16 Puerto Montt hoe P1010834Wir machten noch einen Schnellbesuch bei der “grünen Lagune“, ein kleines Gewässer, das grünlich schimmert und kehrten dann in einem Restaurant ein, wo wir ein Mittagessen bekamen, dass so „na ja“ schmeckte, fuhren zurück zum Schiff, dass um 17 Uhr ablegte.
Fazit: Grandiose Landschaft, durchschnittlicher Ausflug.

 

 

Am Abend fand in der Atlantik-Lounge die große Rosenmontagsprunksitzung mit Helau, Alaaf und Ahoi statt.

 


43. Reisetag – Dienstag, 17.2.2015 Seetag

2015-02-15 Puerto Montt dhl P1000893Es war wohl wieder mal Zeit für einen Bayerischen Frühschoppen. Außerdem stand am Abend wieder der allseits beliebte Galaabend auf dem Programm, denn morgen endet erneut ein Reiseabschnitt.
Wir feierten traditionsgemäß die Gala auf der Kabine mit Schnitzel und Kartoffelsalat.

 

44. Reisetag – Mittwoch, 18.2.2015 Valparaiso/Chile

2015-02-18 Valparaiso hoe P1010852Valparaiso war einmal die bedeutendste Hafenstadt in Chile. Durch den Bau des Panamakanals verlor sie aber an Bedeutung. Die historische Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe.
Heute ging ein weiterer Reiseabschnitt zu Ende. Viele Gäste verließen das Schiff und nicht ganz so viele stiegen hinzu, sodass wir nun nur noch circa 500 Passagiere waren.
An der Pier stehen schon mehr als 10 große Kühlcontainer. Sie enthalten Lebensmittel, die palettenweise auf unser Schiff umgeladen werden.   
Da wir hier zwei Tage Liegezeit hatten, wollten wir heute die Stadt erst einmal wenig auf eigene Faust erkunden. Unser Platz an der Pier lag direkt im Zentrum, was uns aber wenig bis gar nichts genutzt hat. 2015-02-18 Valparaiso hoe P1010870Denn die Chilenen kontrollieren in jedem Hafen sehr streng, dass man keine Lebensmittel an Land bringt, so auch hier. Aber auch bei der Rückkehr zum Hafen werden die Rucksäcke kontrolliert. Die Kontrollstelle befand sich aber drei Kilometer von unserem Liegeplatz weg, wo und ein Shuttlebus hinbrachte. Nach dem Passieren der Kontrolle war man wenige Schritte von einer Bahnstation entfernt. Von dort konnte man mit der Bahn praktisch die gleiche Strecke wieder zurückfahren, zur Station Puerto und befand sich nun auf der richtigen Seite des Zauns, der das Hafengebiet abgrenzte.


2015-02-18 Valparaiso dhl P1000928Im Bahnhof Puerto entdeckten wir einen nobel aussehenden Friseursalon. Ich bekam am Empfang sofort einen Termin und eine hübsche Friseurin in High-Heels machte sich an die Arbeit mein Haar wieder zu kürzen. Die Prozedur dauerte recht lange, weil sie anscheinend jedes Haar einzeln Schnitt.2015-02-18 Valparaiso dhl P1000932
Chile ist ein recht teures Land, der Salon war wie gesagt sehr nobel und die Angestellten alle wie vom Laufsteg. Da war der Preis von 5000 chilenischen Pesos (knapp 7 Euro) doch überraschend günstig.
Jetzt stand dem Stadtrundgang nichts mehr im Weg. In der Touristeninfo erhielten wir eine Citymap und Tipps wo man hingehen könnte. Die Stadt liegt in einer Bucht, die recht schnell steil ansteigt, sodass es hier wieder mal eine Unter- und eine Oberstadt gibt. Mehrere historische Standseilbahnen führten in die Oberstadt. Mit einer solchen erleichterten wir uns den Aufstieg.

2015-02-18 Valparaiso hoe P1010842

"Unsere" Standseilbahn 
Es gibt auch welche mit größeren Kabinen.

So erreichten wir die historische Altstadt. Wir ließen uns einfach treiben, aber immer mit einem wachen Auge nach einer Möglichkeit, ins Internet zu kommen. Auch hier wurden wir wieder fündig. Eine kleine chilenische Sushibar mit erstaunlich flinkem WiFi ermöglichte es ohne Probleme den 7. Blogeintrag online zu stellen.
Beim Zurückwandern in die Unterstadt konnte man die vielen Graffitis an den Hausfassaden bewundern. Sie gelten als touristische Attraktion.
Als wir ein Lädchen verließen, in dem wir einige Ansichtskarten gekauft hatten, tat es einen Platsch und meine Kappe wurde von einem Taubenschiss getroffen, sodass unser nächstes Projekt eine Ersatzbeschaffung sein musste, da nicht gewährleistet war, dass die Kappe bis morgen gewaschen und getrocknet ist. Und mit meinem Kurzhaarschnitt muss ich mich vor der Sonne schützen.

 

2015-02-18 Valparaiso hoe P1010862

Das gesamte Viertel ist voller Graffitis

Unten am Hafen bei einem fliegenden Händler wurden wir fündig und wir wollten den erfolgreichen Kauf mit einer Tüte Popcorn feiern. An einem Popcornwägelchen machten wir unsere Bestellung in perfekten Spanisch, was sehr einfach war, den Es gab nur eine Sorte und nur eine Tütengröße, also sagten wir: „Uno.“ und rieben Daumen und Zeigefinger, um den Preis zu erfahren. Das Mädel sagte irgendetwas das wie „quadro“ klang, was auf Deutsch ja vier bedeutet. Allerdings gab es jetzt Irritationen mit den Nullen, die man noch anhängen musste. Doris hielt ihr eine 50 Pesos-Münze  hin, aber an dem enttäuschten Gesicht konnte man ablesen, dass das zu wenig war. Womit das Mädel recht hatte, man muss nämlich den Pesosbetrag durch 750 teilen, um den Euro-Betrag zu erhalten. 50 Pesos sind 7 Cent. Also musste man noch eine Null dran hängen. Mit dem 500-Pesos-Schein war das Mädel dann auch zufrieden. Allerdings tat sie sich übertrieben schwer das Wechselgeld zu finden. Vielleicht hatten wir beim Preis auch etwas falsch verstanden, also gingen wir weiter, um uns bei den vielen Ständen, um die Mengen von Menschen wuselten, hier noch  etwas umzusehen.
Nachdem wir eine Zeitlang so gebummelt hatten, wurde ich von hinten angetippt und angesprochen. Das Popcorn-Mädel stand hinter mir mit einem Bündel Geldscheinen in der Hand, nämlich mit 4600 Pesos. Wir hatten uns selbst zum Opfer der vielen Nullen gemacht und statt mit einem 500 Pesos-Schein (66 Cent) mit einem 5000-Pesos-Schein (6,60 €) bezahlt.
Soviel Ehrlichkeit hat uns sehr berührt. Natürlich hat das Mädel noch ein ordentliches Trinkgeld bekommen.

2015-02-18 Valparaiso hoe P1010888

Wichtige Grundnahrungsmittel warten auf ihre Verladung

Auf dem umständlichen, bereits beschrieben Weg ging es dann zum Schiff zurück. Wir sahen, dass noch immer Lebensmittel in die Vorratslager des Schiffs gebunkert wurden.

 

 

 

 

 


45. Reisetag – Donnerstag, 19.2.2015 Valparaiso/Chile

Heute stand wieder einmal die Natur auf der Tagesordnung. Wir hatten einen Ausflug gebucht „La Campana mit Wanderung“. Im Bordfernsehen wurde der Ausflug vor einigen Tagen als Wanderung durch einen Palmenwald ohne „nennenswerte Steigungen“ vorgestellt, was uns sehr gefiel.
Der Nationalpark La Campana  ist ein Biosphärenreservat der UNESCO. Mit zwei Bussen mit je 15 Teilnehmern fuhren wir los, in jedem Bus ein örtlicher deutsch sprechender Reiseleiter von der Agentur, die den Ausflug durchführte und eine Reiseleiterin von Phoenix.

 

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010907

Der Felsen mit Seelöwen

Die Reise führte an der Küstenstraße entlang durch diverse Ferienorte. Badeorte können es eigentlich nicht sein, da hier wegen des Humboldtstroms, der starke Unterströmungen verursacht, Baden permanent verboten ist. Jährlich sterben sehr viele Menschen, die dieses Verbot missachten.

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010909

Man musste das Tele schon kräftig ausfahren


Wir legten einen Fotostopp ein, um Seelöwen und jede Menge Seevögel knipsen zu können, die auf einer im Meer vorgelagerten Insel leben.
Nach insgesamt knapp zwei Stunden Busfahrt kamen wir mit unseren beiden Bussen im Naturpark an.

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010923Zwar durchwanderten wir keinen Wald, sondern eher eine Buschlandschaft mit vereinzelten Palmen und es ging auch recht kräftig bergauf, aber wir wollen doch nicht gleich schon wieder meckern?
Der Naturpark selbst ist umgeben von den hohen Bergen der Anden und rechts vor uns tat sich ein Tal auf mit einem Flüsschen, an dessen Ufer entlang sich ein dichterer Palmbewuchs zeigte.2015-02-19 Valparaiso hoe P1010928
Nach gut einer halben Stunde hatten wir den Scheitelpunkt unserer Wanderung erreicht und es sollte eigentlich auf dem gleichen Weg wieder zurückgehen. Aber der örtliche Reiseleiter stellte einen alternativen Weg vor, nämlich nicht eine 180 Grad Kehrtwende zu machen, sondern den rechts abbiegenden Weg nehmen, um ins besagte Tal zu gelangen und im Tal zurück zu den Bussen zu wandern. Ein Problem sei allerdings, dass wir den Zeitplan nicht einhalten können. Ein paar Leute riefen: „Hurra, das machen wir!“ und somit war es scheinbar beschlossene Sache den alternativen Weg zu nehmen.

 

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010939

Zunächst ließ sich der "Abweg"
noch gut bewältigen...

Das Problem war nur, dass der alternative Weg mehr und mehr aufhörte ein Weg zu sein. Wir befanden uns irgendwann in steilem, unwegsamem Gelände. Der Boden war mit losen Steinchen und Steinen bedeckt, was die Sache rutschig machte. Es passierte, was passieren musste, Doris rutschte aus, fiel auf den Hosenboden und schlug dabei mit dem linken Arm so unglücklich auf, dass der Arm kurz über dem Handgelenk gebrochen war. Nach einigen Minuten, als der erste Schock vorbei war, halfen wir ihr auf und man sah endlich ein, dass es absolut unsinnig wäre, den Weg zu den Bussen wie geplant fortzusetzen.

 

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010949

... aber irgendwann wurde es gefährlich.
Dies ist eines der letzten Fotos des "Abstiegs",
dann musste ich mich nur noch auf das Gelände
konzentrieren.

Also machte die ganze Gruppe kehrt.  Aber wie sollten wir Doris den Weg zurückschaffen, wir befanden uns, wie gesagt mitten im Niemandsland? Doris war tapfer und wollte den Aufstieg hier im freien Gelände zurück zu den Wegen versuchen. Wir legten den gebrochenen Arm in eine Schlinge, eine der beiden Phoenix-Reiseleiterinnen und ich nahmen Doris in die Mitte und so quälten wir uns den schwierigen, rutschigen Abhang wieder hoch zu dem schon erwähnten Scheitelpunkt der Wanderung.
Der örtliche Reiseleiter hatte bei seiner Agentur mittlerweile einen PKW angefordert, der uns in ein Krankenhaus fahren sollte. Der Plan sah so aus, dass wir bis zum Bus zurücklaufen mussten, mit dem Bus noch bis zum Restaurant fahren konnten, wo die Gruppe zu Mittag essen sollte und wir dort in den PKW umzusteigen würden.
Man kann sich vielleicht vorstellen, welche Gedanken einem jetzt durch den Kopf gingen. Wir im Krankenhaus, in dem man nur spanisch spricht. Es war jetzt etwa 14 Uhr, aber um 17 Uhr würde das Schiff gnadenlos ablegen, vielleicht würde es noch maximal eine Stunde länger warten, also wir hatten schon jetzt nicht mehr mehr viel Zeit.
Doris unterhielt sich pausenlos mit der Phoenix-Reiseleiterin über alles Mögliche, um sich abzulenken. Das gelang sehr gut. Und irgendwann war auch der Aufstieg zum besagten Scheitelpunkt geschafft. Hier hätte uns auch ein Fahrzeug aufnehmen können, denn der Weg war breit und fest genug. Aber es gab dort noch kein Fahrzeug für uns. Also mussten wir weiter zum Eingang des Parks laufen. Inzwischen hatte man auch mit dem Schiff und dem Bordarzt Kontakt aufgenommen und der Plan “Transport in örtliche Klinik“ wurde fallen gelassen. Es sollte zunächst einmal eine Untersuchung im Bordhospital stattfinden und man beruhigte uns, dass es dort gute Fazilitäten gäbe. Wir befürchteten aber, dass nach der Untersuchung der Auszug aus dem Schiff in eine örtliche Klinik folgen sollte.
Der Umstieg in der PKW der örtlichen Ausflugsagentur klappte wie vorgesehen und Fahrer, Phoenix-Tante, Doris und ich fuhren zurück nach Valparaiso zum Hafen. Es sollte auch geklärt sein, dass wir nicht durch das Terminalgebäude gehen und dann den Shuttlebus zur Artania nehmen müssten, sondern direkt dorthin fahren könnten. Das hat auch im Prinzip geklappt, aber diese Prozedur dauerte erheblich länger als zwei Fahrten mit dem Shuttlebus gedauert hätten, weil jede Menge wichtiger Leute, viele Telefonate, Papier und ein zusätzliches Fahrzeug mit Blaulicht notwendig waren, um drei Schlagbäume passieren zu können.
Über die Gangway ging es dann endlich ins Innere der Artania und dort ganz unten in den “Keller“ auf Deck 1 ins Bordhospital. Und jetzt stellte sich heraus, dass wir Riesenglück im Unglück hatten. Das Schiff hatte ein Röntgengerät und zwei Bordärzte. Um welche Ärzte es sich auf einem Kreuzfahrtschiff handelt, ist vom Zufall abhängig. Das kann ein “ganz normaler“ Facharzt für Allgemeinmedizin sein oder ein Arbeitsmediziner. Wir hatten aber einen Orthopäden, der als Unfallarzt gearbeitet hat und eine Ärztin, die auch als Anästhesistin arbeiten konnte, zur Verfügung.

2015-02-19 Valparaiso hoe P1010954Der Rest ist jetzt schnell erzählt. Die Röntgenaufnahme zeigte, dass es ein nicht ganz glatter Bruch war, der Knochen also etwas gerichtete werde musste. Doris bekam eine Narkose, von der sie hinterher meinte, dass es mehr so etwas wie “Happy Mushrooms“ oder LSD gewesen sein müsste, der Knochen wurde gerichtet und gegipst. Als das Schiff ablegte, lag sie in unserer Kabine im Bett.
Die Stimmung war trotzdem auf dem Tiefpunkt, denn es war klar, dass wir auf den Rest der Reise mit dem Handicap Gipsarm leben müssen, was eine erhebliche Beeinträchtigung bedeutet. Das fängt bei der Wahl der Kleidung an, die muss ja über den Gips gehen, geht über notwendige Hilfe die Doris z.B. beim Schneiden eines zähen Schnitzels oder beim Binden der Schuhe braucht. Jeepfahrten, Kanutouren, Schwimmen im warmen Wasser der Karibik,  das konnte man sich schon jetzt abschminken.
Trotzdem waren wir natürlich froh, noch auf dem Schiff zu sein und nicht in einer Klinik, wo man am nächsten Tag hätte sehen müssen, wie man das Schiff wieder einholt.

 

46. Reisetag – Freitag, 20.2.2015 Coquimbo/Chile

Heute Nacht bekam ich Halsschmerzen, was ein untrügliches Zeichen für eine aufkommende Erkältung ist. Und so war es denn auch. Bis zum Morgen war die Erkältung mit Husten und Fieber komplett.  Die nächsten drei Tage sollte mein Lieblingsaufenthaltsort das Bett sein. Von Coqimbo haben wir natürlich nichts gesehen, ich habe nicht einmal ein Foto vom Schiff aus gemacht.


47. Reisetag – Samstag, 21.2.2015 Seetag

Maritimer Frühschoppen und erneuter Galaabend fielen für uns komplett aus. Sogar unser Klapptisch blieb unbenutzt.


48. Reisetag – Sonntag, 22.2.2015 Iquique/Chile

Es gibt weder etwas zu berichten noch gibt es ein Foto.


49. Reisetag – Montag, 23.2.2015 Seetag

 

2015-02-23 Seetag Bergfest hoe P1010962

Der Fotograf fotografiert noch ein wenig lustlos.
Das Foto dementsprechend langweilig.

Ich komme langsam wieder auf die Beine, aber jetzt fängt Doris an zu “grippeln“.
Heute war Bergfest, das heißt, die Hälfte der Reise ist vorbei. Aus diesem Anlass wurde für die Passagiere, die die gesamte Reise von Anfang bis Ende mitmachen, ein besonderes Abendessen auf dem Außendeck organisiert. Die Köche grillten Steaks und Würstchen, es gab guten Wein (nicht den billigen Fusel, wie sonst zu den Mahlzeiten). Wir gingen auch hin.

Statler und Waldorf muppet Show jiEs war eigentlich ganz nett, hätte nicht Frau Gleiss-Wiedemann, ihres Zeichens Leiterin des Künstlerensembles, selbst Sängerin und Gattin des Kreuzfahrtdirektors zur Untermalung des Essens gesungen. Nicht das sie nicht schön gesungen hätte, aber das Ganze war viel zu laut, sodass der Schalldruck aus den Lautsprechern in meiner Terrine mit der Chilenischen Hirtensuppe einen hohen Wellengang erzeugte und man sich gegenseitig anbrüllen musste, wenn man kommunizieren wollte.
Liebe Phoenix-Leute, nur zur Information: Untermalung ist leise, Ballermann ist laut!

 

Zum Abendprogramm wurde ein Stargast angekündigt und zwar Gregor Meyle. Gregor Meyle? Seine Bekanntheit rührt aus der Teilnahme in einer Castingshow bei Stefan Raab bei Pro Sieben, wo er den zweiten Platz nach Stefanie Heinzmann (die kenne ich sogar) belegte. Ich sah mir die  Show zum Teil an, die Open Air  hinten am Heck stattfand. Gregor Meyle ist eigentlich ein Balladensänger, aber heute Abend war mehr Mitklatschen, Mitsingen und Stimmung angesagt. Das Filmteam hat fleißig gefilmt und man kann sich Teile der Show ab Herbst 2015 bei “Verrückt nach Meer“ im Fernsehen noch einmal ansehen.
50. Reisetag – Dienstag, 24.2.2015 Callao/Peru (1.Tag)
Eigentlich hatten wir für heute einen Transfer nach Lima, der peruanischen Hauptstadt gebucht, aber nach Doris‘ Unfall haben wir die Sache wieder storniert.
Um 11 Uhr hatte Doris einen Termin beim Schiffsarzt. Denn endlich waren die Schwellungen an Fingern, Handrücken und Arm etwas zurückgegangen, sodass ein neuer Gips angelegt werden konnte. Diese Prozedur wurde vom Filmteam begleitet, Doris wurde zum Unfall interviewt und wenn die Aufnahmen nicht der Schere des Cutters zum Opfer fallen, wird dies in irgendeiner Szene bei “Verrückt nach Meer“ zu sehen sein.
Übrigens: In 10 Monaten ist Weihnachten!


51. Reisetag – Mittwoch, 25.2.2015 Callao/Peru (2.Tag)

Heute früh gingen circa 100 Leute für drei Tage von Bord, um einen Ausflug nach Machu Picchu, den berühmten Ruinen der “verlorenen Stadt der Inkas“ zu machen. Der Besuch von Machu Piccu ist eigentlich ein touristisches Muss, aber uns hat abgeschreckt:
-    Der Stress: 2 Inlandsflüge, Bustransfers und mehrstündige Bahnfahrt
-    Die Massen: Wir haben gehört, dass man um 5:30 Uhr früh bereits in Machu Picchu sein muss. Später treten sich die Scharen von Besuchern gegenseitig auf die Füße
-    Der Preis: 1.500 Euro pro Person
Und da wir beide noch mit den Nachwehen unserer Influenza zu tun hatten, war die Entscheidung zumindest im Nachhinein 100% richtig.
2015-02-25 Callao hoe P1010964Wir gingen stattdessen gegen 10 Uhr von Bord. Direkt an unserem Liegeplatz war ein kleiner Indio-Markt aufgebaut, den wir kurz besuchten. Hier gab es Lederwaren, Ponchos, Lamas aus Plüsch und sonstiges, was der Peru-Reisende so zu brauchen scheint.
Man hätte auch mit einem Shuttlebusbus das Hafengelände verlassen können, um eine paar Schritte in der Hafengegend zu laufen. Jedoch wurde genau davor ausdrücklich gewarnt, da es dort verstärkt immer wieder zu Überfällen kommt. Man solle sich unbedingt mit einem Taxi ins Zentrum fahren lassen, dort sei es sicherer. Aber größere Unternehmungen wollten wir noch nicht machen, so blieb es bei den fünf Ständen des Indio-Marktes
2015-02-25 Callao hoe P1010973Sehr schön war die Abfahrt der Artania gegen 15 Uhr. Der Hafen ist massenweise bevölkert von den verschiedensten Seevogelarten, von denen immer wieder welche das Schiff umkreisten. Besonders Pelikane mit ihren großen Schnäbeln sehen beeindruckende aus, wenn sie dicht am Schiff vorbeifliegen.

 

 

 

2015-02-25 Callao hoe P1010983

Gleich hinter der schützenden Hafenmauer ankerte eine große Flotte von Fischebooten.
Im Vordergrund dein Schlepper, der uns bei Motorschaden sofort wegschieben würde,
damit wir nicht auf die Fischerboote treiben würden.

 

 

 

 

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52. Reisetag – Donnerstag, 26.2.2015 Seetag

Wieder mal ein gemütlicher, ereignisloser Seetag. Ich bin morgens und abends Stammgast im Schiffshospital. Ich treffe mich dort mit einer Gruppe Gleichgesinnter zum Inhalieren, um den Husten in den Griff zu bekommen. Und das gelingt eigentlich ganz gut.

 


53. Reisetag – Freitag, 27.2.2015 Guayaquil/Ecuador

 

2015-02-27 Guayaquil 20-11-50 P1020012 hoe

Mangroven säumen die Ufern des Rio Guayas

In der Nacht sind wir in den Fluss Rio Guayas eingefahren und erreichten am Morgen die Hafenstadt Guayaquil. Guayaquil ist mit 2,5 Millionen Einwohner größer als Quito, die Hauptstadt Ecuadors. 
Der Containerhafen, in dem wir liegen, befindet sich gut 10 Kilometer außerhalb des Zentrums.
Bei der Ankunft wurden wir von einer Big Band der Polizei mit südamerikanischen Rhythmen  und einer folkroristischen Tanzformation begrüßt.
In der Landgangsinformation, ein DIN A4 Blatt, das am Vorabend einer jeden Hafens von Phoenix verteilt wird, war zu lesen, dass für eine Taxisfahrt ins Zentrum mit 20 US-Dollar zu rechnen ist. Der US-Dollar ist übrigens offizielle Währung von Ecuador. Gleich am Hafenausgang sprach uns ein Taxifahrer an, der uns für 20 Dollar in die Stadt fahren würde.

2015-02-27 Guayaquil 14-41-12 P1010996 hoe

Im Taxi vom Hafen zur City

Wir stimmten zu, aber als wir sein Fahrzeug kamen, sahen wir, dass es sich hier um einen Privat-PKW handelt. Vor solchen Konstrukten riet die Landgangsinformation auch ab. Also stornierten wir die Fahrt wieder, trotz heftigster Beteuerungen des Fahrers, dass bei ihm alles sicher sei, wir können ja den Uniformierten am Hafeneingangstor fragen.
Wir laufen ein paar Meter weiter und finden ein offizielles gelbes Taxi, das uns für 10 Dollar (ohne Preisdiskussion) in Zentrum an die Uferpromenade des Guayas fährt.

 

2015-02-27 Guayaquil 15-59-08 P1020002 hoeWir schlagen uns von der Promenade ein, zwei Blocks weit weg und befinden uns ein einem belebten Viertel mit Geschäft an Geschäft. Besonders Läden mit Turnschuhen gibt es hier in Hülle und Fülle. Was wir nicht finden, ist ein Café oder Restaurant mit WiFi.
Unterwegs kauften wir bei einem fliegenden Händler zwei Flaschen gekühltes Mineralwasser. Zum Glück bemerkte ich, bevor wir anfingen zu trinken, dass der Verschluss nicht mehr versiegelt war, wir also höchstwahrscheinlich gekühltes Leitungswasser gekauft hatten, welches dem europäischen Magen- und Darmtrakt nicht unbedingt freundschaftlich gesinnt ist.
Wegen unserer Erkältung, die in uns noch ein wenig in den Knochen steckt, wollten wir es touristisch nicht gleich übertreiben und beschlossen langsam zum Schiff zurück zu kehren. In einem Laden deckten wir uns noch mit 5 Liter (versiegeltem) Mineralwasser ein und ich hielt ein Taxi an. Der Fahrpreis halbierte sich (wieder ohne Diskussion) gegenüber der Hinfahrt auf 5 Dollar.
Wer aber nicht ins Taxi kam, war Doris. Sie war auf einmal umgeben von einer wild diskutierenden Menschenmenge. Es wurde nämlich beobachtet, wie sich jemand an ihrem Rucksack zu schaffen gemacht hatte. Diese jemand war allerdings ich, um ihr aus einer Seitentasche eine Packung Tempos herauszuholen. Sie erklärte also “my husband…“ aber die Diskussion ging weiter, mittlerweile war auch Polizei da und jemand hielt Doris ein Handy vor die Nase – und siehe da, es war das Ihre. Was da jetzt wirklich alles passiert ist, wer das Handy gestohlen hatte, wie das Handy vom Dieb zu dem Menschen kam, der es ihr zurückgab, wird wohl nie geklärt werden. Doris wurde noch bedrängt eine Anzeige bei der Polizei zu machen, aber dazu hatten wir jetzt keinen Nerv und so fuhren wir nach vielen Thank-Yous und Gracias mit dem Taxi zurück zum Hafen.

2015-02-27 Guayaquil 17-01-52 P1020008 hoe

Die Hafengegend war sehr gepflegt.

 

54. Reisetag – Samstag, 28.2.2015 Seetag

Die größte Vergnüglichkeit des heutigen Tages sollte sicherlich um 11 Uhr die Äquatortaufe sein. Es lief wieder alles genauso ab wie bereits im 3. Blogeintrag vom 12. Reisetag am 17.1.2015 beschrieben (siehe hier). Damals überquerten wir den Äquator von Nord nach Süd, diesmal von Süd nach Nord.
Der Abend stand ganz im Zeichen der Piraterie. Piratenabendessen, Piratenshow und Piratenparty. Das Piratenabendessen unterschied sich übrigens von allen anderen Abendmahlzeiten, dadurch, dass über den Eingängen der Restaurants jeweils eine  Piratenflagge hing und die Bestecke am Tisch nicht wie sonst ordentlich parallel lagen, sondern über Kreuz. Wir waren stark beeindruckt. :-)

 

 


55. Reisetag – Sonntag, 1.3.2015 Seetag

Heute fingen Doris und ich wieder damit an, uns im Fitnessraum sportlich zu betätigen. Es geht also deutlich wieder aufwärts.

 


56. Reisetag – Montag, 2.3.2015 Puntarenas/Costa Rica


2015-03-02 Puntarenas hoe P1020017wPuntarenas? Dem aufmerksamen Blog-Leser wird der Name dieses Ortes vielleicht bekannt vorkommen. Da gibt es doch schon einen älteren Bericht darüber – oder nicht? Naja beinahe. Wir waren am 9.2.2015 in Punta Arenas in Chile (siehe hier).  Dort unten in Patagonien spricht man Punta Arenas übrigens genauso aus, wie man es hier in Costa Rica schreibt.
Wir lagen mit der Artania am Ende einer circa 200 Meter langen Pier. Das bedeutete eigentlich, dass man erst mal diese Strecke ohne Schatten unter der Äquatorsonne bewerkstelligen müsste, um in den Ort zu gelangen, aber eine Bimmelbahn brachte uns zum Hafenausgang. Super Service!

2015-03-02 Puntarenas hoe P1020026

Hier sind die Taxis rot.

Direkt am Hafenausgang begann ein Strand mit einer dahinterliegenden Strandpromenade, wo sich Souvenirstand an Souvenirstand reihte. Dazwischen befand sich auch eine Strandbar mit WiFi, wo wir natürlich sofort einkehrten, um ins Internet zu kommen. Die Verbindung war sehr gut und schnell. Das ist wichtig für die Aktualisierung des Blogs. Allein die Bilder für einen Blogeintrag haben einen Umfang von bis zu 20 MB und die Datenbank, in der die Berichte abgelegt werden ist zusätzlich noch einmal 4 MB groß und muss jedes Mal vollständig neu aufgebaut werden. Aber das war hier alles kein Problem.
Da man für den Weg zurück zum Schiff sank der zentralen Lage und der Bimmelbahn nicht viel Zeit brauchte, kehrten wir zwecks Mittagessen auf die Artania zurück.

2015-03-02 Puntarenas hoe P1020032w

Fußbad im Pazifik.
Im Hintergrund die lange Pier und das Bähnchen.

Den Nachmittag nutzen wir erst einmal, um die die Stadt selbst zu erkunden. Puntarenas ist lebhafter Ort mit vielen Geschäften. In einem Supermarkt gelang es uns, Wasser zu kaufen, obwohl wir gar keine Costa-Rica-Colónes, so heißt hier die Währung, hatten. Eigentlich hatte ich kaum Hoffnung, dass wir das Wasser mit unseren Dollars bezahlen könnten, aber Fragen kostet ja nichts. Und siehe da, die Registrierkasse in dem Supermarkt, wo wir waren, konnte auch US-Dollars registrieren.   
Geld in einer Bank zu wechseln, wäre äußerst Zeitaufwendig gewesen, denn vor jeder Bank standen lange Schlangen und die Leute wurden nur schubweise eingelassen. Es war Montag und der erste Werktag im März. Anscheinend holt da jeder Costa Ricaner seinen Lohn bzw. Gehalt bei den Banken ab.
Wir gingen dann noch mal schnell aufs Schiff zurück, den sechs Liter Wasser muss man nicht unbedingt beim Strandspaziergang mitschleppen, und selbiger stand noch auf unserer Tagesordnung.
Wenn Doris wegen des Gipsarms schon nicht im Pazifik baden konnte, so wollte sie doch zumindest mal mit den Füßen in diesem Weltmeer stehen.

2015-03-02 Puntarenas hoe P1020039

Fotogener Pelikan

Mittlerweile war es 17 Uhr geworden und wir wollten zurück aufs Schiff. Die Bimmelbahn hatte inzwischen ihren Dienst eingestellt, also marschierten wir auf dem Landungssteg Richtung Schiff. Auf halben Weg konnten wir aus nächster Nähe einen Pelikan beobachten, wie er im Sturzflug ins Wasser tauchte, um Fische zu fangen. Nach jeder Runde kam er zurück auf den Steg, um sich auf dem Geländer ein wenig auszuruhen, was die Fotofreunde sehr erfreute.
Wir konnten noch einmal einen Blich auf den Strand mit seinen Palmen, die Stadt und das dahinterliegende Hochland werfen, ehe wir endgültig zum Schiff zurückkehrten. Als wir um 20 Uhr ablegten, war es bereits, wie in diesen Breiten üblich, schon stockdunkel.

 

57. Reisetag – Dienstag, 3.3.2015 San Juan del Sur/Nicaragua

 

2015-03-03 San Juan del sur hoe P1020069Gegen halb sieben in der Frühe wurden wir durch das Werfen des Ankers geweckt. Es macht immer einen Heidenspektakel, wenn die Ankerkette abgewickelt wird. Um sieben Uhr kam allerdings schon die Durchsage, dass wegen des starken Windes ein Tendern wahrscheinlich nicht möglich sei. Der Staff-Kapitän (der 2.Kapitän) und der Sicherheitsoffizier tenderten noch einmal hin und her und stellten endgültig fest, dass Tendern für die Passagiere heute zu gefährlich ist. Die Tenderboote wurden also wieder eingeholt und um 9 Uhr lichteten wir den Anker und nahmen Kurs auf Mexico.

 

2015-03-03 San Juan del sur hoe P1020065w

Mit dem Fernglas konnte man auf einer Anhöhe
die Chritusstatue, ein Wahrzeichen von
San Juan del Sur,  undeutlich erkennen.

Für den Abend hatten wir uns schon gestern für den „Großen Schnitzelabend“ in der Bodega-Bar angemeldet. Die Bodega-Bar bietet Platz für vielleicht 50 Leute und ab und zu werden dort kulinarische Events wie „Leckeres aus dem Wok“, „Südamerikanische Köstlichkeiten“ und ähnliches durchgeführt.
Es war wirklich ein großer Schnitzelabend, denn das Schnitzel war genauso groß wie der Teller und bedeckte vollständig die Beilagen, nämlich Pommes und Kartoffelsalat. Es hat tatsächlich Leute gegeben, die ihren Teller komplett aufgegessen haben.

 

58. Reisetag – Mittwoch, 4.3.2015 Seetag

Heute stand wieder einmal der Bayerische Frühschoppen auf dem Programm und für den Abend war Gala angesagt, denn übermorgen geht ein weiterer Abschnitt der Reis zu Ende und viele Passagiere treten dann die Heimreise an.
So kam also am Abend unser Klapptischchen wieder zum Einsatz.


59. Reisetag – Donnerstag, 5.3.2015 Huatulco/Mexiko

2015-03-05 Huatulco hoe P1020076

Ein wenig Grün und viel Beton

Eigentlich sollten wir erst gegen 12 Uhr angekommen, aber da wir vorgestern nicht Tendern konnten und San Juan del Sur gleich wieder verlassen haben, kamen wir in Huatulco schon morgens früh um sieben Uhr an.
San Juan del Sur ist ein Kleiner, ziemlich schmuckloser Badeort. Für den Vormittag hatten wir drei Projekte geplant:
a) Wifi suchen, um E-Mail abzufragen
b) Dollars in mexikanische Pesos umtauschen
c) Wasser kaufen
Punkt (a) war einfach. In einem Restaurant kamen wir ins Internet, mussten allerdings für zwei frisch gepresste Organgensäfte ach US-Dollar berappen.

 

2015-03-05 Huatulco hoe P1020071

O-Saft und WiFi

Punkt (b) war da schon schwieriger. Wir fanden eine Bank, aber die wollten für den Geldwechsel unbedingt meinen oder Doris‘ Reisepass sehen. Die Pässe lagen aber bei der Rezeption auf dem Schiff, damit die örtlichen Behörden bei der Schiffsfreigabe Zugriff darauf haben können. Auf der ganzen bisherigen Reise hat zum Geldwechseln entweder der Personalausweis genügt oder die Kopie des Reisepasses und beides haben wir immer dabei. Nachdem beides lange und sehr sorgfältig begutachtet wurde, wurde entschieden, uns kein Geld zu wechseln. Zum Glück lag das Schiff zentral, sodass wir meinen Pass dort schnell abholen konnten und zurück zur Bank dackelten. Vor mir wurden an den Schaltern gerade Leute bedient, sodass ich einen Augenblick warten musste.

2015-03-05 Huatulco dhl P1000997

In der Strandbar durfte ich mein Bankräuber-Outfit anbehalten

Die strenge junge Dame, die mich vorhin noch am Schalter bedient hatte bzw. eben nicht bedient hatte, sorgte jetzt für Ordnung im Schalterraum derart, dass sie mich aufforderte, Sonnenbrille und Baseball-Kappe abzusetzen. Richtig, ein kleines Schild wies darauf hin, dass solche Verkleidungen hier nicht statthaft seien. Schließlich ist mir der Umtausch von 50 US-Dollar in 720 mexikanische Pesos gelungen, nachdem ich noch auf einem Schmierzettel meine Heimatadresse nebst Telefonnummer aufschreiben musste und vom Reisepass eine Kopie angefertigt wurde.
Fazit: In Mexiko ist es einfacher 40 Studenten zu entführen und zu ermorden, als 50 Dollars zu wechseln.
Punkt (c), nämlich der Wasserkauf ging dann ohne weitere Schikanen über die Bühne.
Am Nachmittag nahmen wir ein kleines Fußbad an dem kleinen Strand, der direkt neben der Pier lag. In einer Strandbar genehmigten wir uns noch jeder einen O-Saft. Die sollten diesmal 12 US-Dollar kosten. Da wir aber in Pesos bezahlen konnten, verminderte sich der Preis auf umgerechnet elf  Dollar. Unser Bankabenteuer hat sich also schon bezahlt gemacht.

2015-03-05 Huatulco hoe P1020094

In natura wirkte der Vollmond viel größer

 

60. Reisetag – Freitag, 6.3.2015 Acapulco/Mexico

 

2015-03-06 Acapulco hoe P1020101

Das "Begrüßungskomitee".
Schulkinder auf dem Fort gegenüber von Hafen.

Gegen zehn Uhr machten wir an der Pier in Acapulco fest. Acapulco unser nördlichster Punkt an der Westküste von Mittelamerika. Wir lagen zentral, sodass wir die wenigen interessanten Punkte zu Fuß erreichen konnten.
Zu Acapulco fallen einem in der Regel zuerst die Klippenspringer ein. Die genau haben wir uns allerdings nicht angeschaut, da wir sie zu einem vor etwa 15 Jahren bereits gesehen haben und wir zum anderen solch nervenkitzelige Attraktionen gar nicht so besonders mögen.

 

2015-03-07 Acapulco hoe P1020251

Klippenspringerfoto obwohl nicht dortgewesen?

2015-03-07 Acapulco hoe P1020250

Fake! Siehe Plakat. :-)


Nachdem wir am späten Vormittag das Schiff  verlassen haben und die genaue Untersuchung des Inhalts unserer Rucksäcke im Hafenterminal hinter uns gebracht hatten, mussten wir uns entscheiden, ob wir auf den breiten Boulevard der entlang der Küste der Bucht von Acapulco verläuft nach rechts oder nach links einbiegen sollten. Wir entschieden uns für rechts.

 

2015-03-06 Acapulco hoe P1020107

Es gibt noch viele Käfer-Taxis

Hier beginnt ein kilometerlanger  Strand mit vielen Restaurants und Strandbuden. Ansonsten war hier touristisch nichts besonders Aufregendes. Aufregend war nur, wenn man die Straße überqueren wollte, weil auf dem gesamten “Prachtboulevard“ keine einzige Fußgängerampel funktionierte.
Irgendwann kehrten wir zum Schiff zurück und wehrten uns gegen die große Hitze mit einer kleinen Siesta.
gegen 16 Uhr wagten wir uns wieder ins freie und bogen diesmal nach links auf den Boulevard ein. Nach einem Kilometer kamen wir zu einem Yachthafen, an den sich dann ein kleiner Strand anschloss.  Und hier brodelte das Leben. Auf kleinen Holzkohleöfen wurde gebrutzelt, gebacken und gekocht und die Resultate wurden zum Verkauf angeboten. Zuckerwatte, Donats, bunte Puddings und farbenfrohe Sirups rundeten das kulinarische Angebot ab. Am Strand und im Wasser tummelten sich die vielen Badegäste.
2015-03-07 Acapulco hoe P1020233aWir setzen uns einfach auf ein Mäuerchen und  schauten interessiert dem bunten Treiben zu.
Wir machten noch einen Abstecher in die nahegelegene Altstadt zum Zócalo, dem Hauptplatz mit der “Catedral Nuestra Señora de la Soledad“. Ansonsten hatte dieses Viertel außer Souvenirständen nicht mehr viel zu bieten.

 

 

 


61. Reisetag – Samstag, 7.3.2015 Acapulco/Mexico

2015-03-07 Acapulco hoe P1020160Als wir gestern früh „rechts rum“ gegangen waren, entdeckten wir einen kleinen Anleger für ein Ausflugsboot. Diesem Abenteuer wollten wir uns heute früh stellen. Als wir gegen halb elf am Anleger ankamen, herrschte bereits reger Betrieb. An einem Tisch, hinter der eine nette Frau saß, kauften wir die Tickets (100 Pesos pro Person = 7 €). Sie sprach englisch und erklärte uns, dass wir zur Gruppe “1“ gehören. Die verschiedenen Gruppen würden in Kürze aufgerufen und können dann nacheinander das Ausflugsboot besteigen. Ein Mann mit einem Megaphon schickte kurz vor elf (natürlich in Spanisch) einen Redeschwall über den Platz vor dem Anleger und die Menschen begannen sich zu sortieren und auf Nachfrage fanden auch wir unsere Gruppe. Dann wurde bis Punkt elf gewartet und dann erst durfte das Boot bestiegen werden. Wir nahmen im unteren der beiden Decks Platz. Von den circa 200 Passagieren waren wir die einzigen Gringos. Viele Familien mit kleinen Kindern gehörten zu den Passagieren. Was uns genau erwartete, wohin die Reise gehen sollte wussten wir nicht. Die einige Information, die wir hatten, war, dass die Fahrt ungefähr eineinhalb Stunden dauern würde.

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Toni, der Klippenspringer


Über die Bordlautsprecher wurden pausenlos Informationen durchgegeben, von denen wir das meiste aber nicht verstanden. Neben Essen und Trinken wurde auch für etliche Attraktionen gesorgt. Die erste Attraktion war Toni, der Klippenspringer. Das Boot machte an einem steilen Felsen Halt, Toni kletterte selbigen hinauf bis zu einer Stelle, an der sich ein kleiner Altar befand. Nachdem er einige Minuten lang seinen muskulösen Körper in den verschiedensten Posen präsentiert hatte, sprang er mit einem Kopfsprung gekonnt ins Wasser. Das Boot veränderte jetzt seine Position, da mit auch die Leute, die auf der anderen Seite saßen, auf den Felsen blicken konnten und Toni wiederholte seinen Sprung mit allem Drum und Dran noch einmal. Nach dieser Darbietung wurde in einer Blechdose für Toni gesammelt.

 

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Familien...

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... mit Hund ...

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... und Kind.


In der Mitte unseres Bootes war ein Glasboden eingelassen und der wurde stark umringt, als wir den Unterwasserschrein mit der Bronzestatue der Jungfrau von Guadelupe, der Schutzheiligen von Mexico überfuhren. Den Passagieren auf dem Oberdeck war dieser Blick natürlich verwehrt.
Der Glasboden kam gleich noch einmal zum Einsatz, denn ein junger Mann mit Taucherbrille lockte mit Futter Fische unter den Glasboden. Und jeder Fisch wurde von den Passagieren mit großem Jubel begrüßt.

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Das Surfbrett dient als Souvenirladen

Es ging vorbei an Felsen mit Pelikanen, einer Felseninsel mit einer Marienstatue und schließlich erreichten wir einen bereits sehr belebten Strand. Auf dem Wasser boten fliegende Händler ihre Souvenirs an, die sie stehend auf Surfbrettern präsentierten. Die meisten der Passagiere stiegen hier aus, um einen Strandtag zu verbringen. Etliche andere Ausflugsboote spukten hier ebenfalls ihre Passagierladungen aus. Wir selbst blieben allerdings in unserem Boot sitzen und es brachte uns zurück zum Anleger, wo wir auch gestartet waren. Auf dieser Rückfahrt hatte Felsenspringer-Toni die Aufgabe, das Schiff zu fegen und aufzuräumen.
Zufrieden gingen wir zurück an Bord der Artania. Wir hatten hautnah erlebt, wie der Mexikaner Urlaub macht.

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Blick von der Festung auf die Artania

Nach der Siesta besichtigten wir das Fort “Fuerte de San Diego“ von wo wir einen schönen Blick auf die Artania hatten. Hier hatte es gestern während unserer Einfahrt in den Hafen von Schulkindern gewimmelt, die unsere Ankunft lebhaft begrüßt hatten. Da wir, um zum Fort zu gelangen sowieso schon “links rum“ gestartet waren, stattet wir noch einmal den lebhaften Strand, wo wir auch schon gestern waren, einen Besuch ab.
Wieder war ein Reiseabschnitt zu Ende gegangen und es waren Passagiere von Bord gegangen, aber etliche mehr waren angereist. Das Schiff ist für die nächsten zwei Wochen mit 1200 Passagieren voll belegt.

 

 


62. Reisetag – Sonntag, 8.3.2015 Acapulco/Mexiko

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Die Band

Aus Solidarität zu Doris‘ Gipsarm habe ich mir eine Reizung an der Achillessehne zugelegt. Ich tröste mich schwach damit, dass es nur das linke Bein ist und ich Rechtsfüßer bin. Jedenfalls hatte ich mir für heute Fuß-Schonung verordnet. Doris hatte am Vormittag alleine  einen kleinen Strandspaziergang absolviert (rechts rum) und am Nachmittag haben wir lesend auf dem Achterdeck gefaulenzt.
Gegen 18 Uhr hörten wir Livemusik von der nahen Uferpromenade zu uns rüber wehen. Die Neugier (und vielleicht auch die Tabletten, die mir der Schiffsarzt gegeben hat) ließen den Fußschmerz vergessen und Doris und ich gingen noch mal von Bord, um nachzusehen, was denn da los sei.
Auf einer kleinen Bühne spielte eine Band sehr schöne melodiöse Popsongs. Uns fiel auf, dass einige der Zuhörer, die vor der Bühne auf Stühlen saßen oder auch standen, verklärt die Arme nach oben streckten. Wir kamen schnell dahinter, dass die Band (Gitarre, Orgel, Bass, Schlagzeug) mit den beiden Sängerinnen Pop mit religiösen Texten darboten.
2015-03-08 Acapulco hoe P1020284Daneben wurden für Kinder die Möglichkeit geboten an kleinen Staffeleien zu malen oder im Stuhlkreis sitzend unter Erwachsenenanleitung gruppendynamische Spielchen durchzuführten.
Überhaupt diente die Promenade am Abend für viele Menschen der sonntäglichen Unterhaltung und Entspannung.
All zulange konnten wir uns aber hier nicht mehr aufhalten, denn um halb acht war der letzte Einschiffungstermin.
Um 20:15 fand für die gestern neu angekommenen Passagiere die obligatorische Seenotrettungsübung statt und anschließend hieß es „Leinen los“ und die MS Artania startete in die nächste Etappe der Reise.

 

 

 

 

 

 

 

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Die meiste Zeit habe ich beim Schreiben die Vergangenheitsform gewählt. Beim Schreiben “ins Unreine“  bin ich immer wieder in die Gegenwartsform gewechselt und habe dies dann korrigiert.
Ab sofort schreibe ich ganz einfach im Präsens, das scheint mir flüssiger von dee Hand zu gehen.

 

63. Reisetag – Montag, 9.3.2015 Seetag

Um 11:00 findet mal wieder der “Maritime Frühschoppen“ statt.  Dass sich die Veranstaltungen  wiederholen, ist nicht weiter schlimm, denn es besteht keine Anwesenheitspflicht.
Herr Michael D., ein treuer Leser dieses Blogs (siehe Eintrag vom 24.1.215), ist vor zwei Tagen in Acapulco an Bord gekommen und wir haben ihn heute getroffen. Er hat für Doris zwecks schnellerer Genesung des lädierten Arms ein große Packung Mon Cheri mitgebracht. Wir haben uns über diese nette Geste sehr gefreut.
Am späten Nachmittag findet, wie zu Beginn eines jedes Reiseabschnitts,  ein Kapitänsempfang statt. Dazu reiht man sich in ein lange Schlange ein und kann dann dem Kapitän die Hand schüttelt und sich dabei fotografieren lassen. Selbst Gäste, die wie wir schon länger auf dem Schiff sind, nehmen an dieser Zeremonie zum wiederholten Male teil. Das beweist, wie wichtig doch solche Rituale für viele Leute sind.
Am Abend ist, wie üblich nach dem kapitänsempfang Gala in den Restaurants angesagt.
Unser Klapptisch aus Buenos Aires kommt erneut zu Ehren, als uns der für den Kabinenservice zuständige Kellner ein Schnitzel für Doris und einen großen Cheeseburger für mich anliefert

64. Reisetag – Dienstag, 10.3.2015 Puerto Chiapas/Mexiko

2015-03-10 Puerto Chiapas dhl P1010052Der Hafen liegt weit außerhalb irgendwelcher Ortschaften. Dennoch haben wir nicht vor, auf eigene Faust etwas zu unternehmen und auch die angebotenen Ausflüge fanden entweder nicht unser Gefallen oder war wegen des Gipsarms von Doris nicht machbar, wie zum Beispiel eine Mangrovenfahrt in kleinen Ruderbooten.
An der Pier befindet sich ein Restaurant mit Swimmingpool, beides wird aber kaum von den Gästen der Artania genutzt, den für die laute Techno-Musik, die aus den dort aufgestellten Boxen dröhnt, ist die meist ältere  Kreuzfahrer-Klientel wohl doch nicht die optimale Zielgruppe.

2015-03-10 Puerto Chiapas hoe P1020307

Diese Marimba wird von 3 Musikern "bedient".

Interessanter ist da eher die kleine Tierschau, die Naturschützer in einiger Entfernung von den Techno-Boxen präsentieren. Leguane, Gürteltiere, Schlangen und der hier in Mittelamerika allgegenwärtige Pelikan kann man betrachten. Eine kleine Spende ist erwünscht.
In einem Pavillon kann man in einigen Souvenir- und Kunsthandwerksläden seine Dollars loswerden oder abwechselnd den Folkloretänzern und Tänzerinnen zuschauen und der Folklore-Livemusik zuhören. Das wichtigste Instrument der mittelamerikanischen Musik ist die Marimba, ein großes Holzxylophon. Ihr Klang dominiert jedes Musikstück, ob live oder im Radio.  
2015-03-10 Puerto Chiapas hoe P1020296Am späten Nachmittag legen wir ab. Unser Ziel ist das benachbarte Guatemala.

 


65. Reisetag – Mittwoch, 11.3.2015 Puerto Quetzal/Guatemala

Der heutige Hafen liegt abseits von bewohnten Gebieten und dient für diese Reise lediglich als Ausgangspunkt für Ausflüge. Wir haben keine Ausflüge gebucht und wollten uns eventuell mit dem Taxi in einen der nächstgelegen Orte fahren lassen, nehmen aber davon Abstand, als wir im Reiseführer lesen: “Die Kriminalität in ganz Guatemala ist hoch; bewaffnete Raubüberfälle auf Touristen sind häufig. Tragen Sie keinerlei Wertsachen auf sich, wehren sich nie gegen Angreifer, und beachten Sie entsprechende Warnungen.“

2015-03-11 Puerto Quetzal hoe P1020363

Der Mittelgang im Shuttlebus war wirklich sehr eng

Ein Shuttlebus bringt uns aber zum Hafenausgang, wo eine kleine touristische Infrastruktur vorhanden ist.  Ein Jademuseum mit angeschlossenem Schmuckgeschäft und Souvenirstände mit knallbunten Textilien und dem üblichen Krimskrams warten auf den dollarschweren Touristen.
Wir finden auch ein Café, das WiFi anbietet. Allerdings sind hier die Bedingungen knallhart. Es wird nicht, wie üblich, beim Bestellen eines Getränks kein Passwort bekannt gegeben, sondern nur bei einen Umsatz von 5 Dollar kann man der Dame hinter dem Tresen sein Smartphone oder Laptop übergeben und sie tippt dann das geheime Kennwort ein, sodass es für den Gast unsichtbar bleibt und es nicht unter der Hand weitergegeben werden kann. Für Doris‘ Smartphone und mein Netbook muss also ein Umsatz von mindestens 10 US-Dollar getätigt werden. Mit zwei Cola und einem Päckchen guatemalischen Kaffee könnten wir beinahe noch einen dritten Computer ans Netz bringen. Die Verbindung ist OK und der 9. Blogabschnitt kann hochgeladen werden.

2015-03-11 Puerto Quetzal hoe P1020345

Hier dominierten bunte Farben

Eine Präsentation heimischer Trachten in Form einer kleinen Modeschau rundet den Vormittag ab.
Der Nachmittag und frühe Abend war mit Siesta, Besuch des Fitnessraums  und An-der-Reling-Stehen bei der Ausfahrt voll ausgefüllt.

 

 


66. Reisetag – Donnerstag, 12.3.2015 Acajutla/El Salvador

 

2015-03-12 Acajutla hoe P1020369

Hier karrte uns der Shuttlebus hin

Schon früh um sieben Uhren machen wir an der Pier fest. Eine Folkloretanzgruppe begrüßt unsere Ankunft. Aber erst wird in Ruhe gefrühstückt ehe der Shuttlebus bestiegen wird der uns aus dem Hafengelände bringt.  Ähnlich wie gestern liegt der Hafen weitab von bewohnter Gegend, aber man hat lässt auch hier den Touristen im Niemandsland nicht  im Regen stehen, denn man Möglichkeiten etwas zu trinken bei einem der Souvenirständen, den ein oder anderen Dollar zu lassen. Auch könnte man über eine Treppenkonstruktion an einen kleinen Strand gelangen können, aber große Steine und starke Brandung laden nicht dazu ein, die Füße ins Wasser zu halten.

2015-03-12 Acajutla hoe P1020384

Kaffeepflanze

Für den Nachmittag steht der bei uns der Ausflug “Landschaftsfahrt mit Kaffeeplantage“ auf dem Programm, Abfahrt 13 Uhr. Allerdings sind die Busse von den Vormittagsausflügen noch nicht da und genau mit diesen sollte unsere Tour durchgeführt werden. Mit mehr als 30 Minuten Verspätung geht es los. Das ist insofern von Bedeutung, da das Schiff um 18 Uhr ablegen soll. Entsprechend war die Tour. Der Busfahrer fuhr am Limit, sodass die Landschaft nur so vorbeirauschte. Der 10 minütige Fotostopp in einer Ortschaft mit einem unaussprechlichen indianischen Namen, den ich schon wieder vergessen habe, kann entweder zum Fotografieren der Kirche oder zur Benutzung des Baño (spanisch: Toilette) genutzt werden. Beides geht nicht.

2015-03-12 Acajutla hoe P1020407

Die getrockneten Bohnen werden zur Sortieranlage getragen.
Sackkarren scheinen hier unbekannt zu sein.

An Bord des Busses sind ein örtliche Führer und eine örtliche Führerin. Der Führer zählt in Englisch zusammenhanglose Fakten über Geschichte und Natur El Salvadors auf. Die zweite Führerin tut sich sehr schwer, das von ihrem Kollegen gesagte ins Deutsche zu übersetzen.
Knapp zwei Stunden nach unserem Start am Hafen erreichen wir das Hauptziel, die Kaffeeplantage. So richtig eine Plantage ist es nicht, eher ein etwas größerer Garten mit Kaffeepflanzen neben einer Kaffeerösterei.
2015-03-12 Acajutla hoe P1020395Einem kurzen Vortrag im “Garten“ über die Kaffeepflanze folgt ein Besichtigung der Fabrik Kaffeebohnen trocknen in der Sonne und werden dabei ständig von Männern mit einer Art Schneeschieber gewendet. Man zeigt uns, wie mit maschinell betriebenen Rüttelsieben die Bohnen sortiert werden. An einem langen Fließband sitzen etwa 20 Frauen und sortieren per Hand schlechte Bohnen. Wir werden durch das Lager geführt, in dem tausende von prallen Säcken  gestapelt sind. Der krönende Abschluss ist trinken wir in einem idyllischen Garten unter schattigen Bäumen einen Becher des hier produzierten Kaffees.

2015-03-12 Acajutla hoe P1020412

Das Aussortieren der schlechten Bohnen ist reine Frauensache

Auf zum nächsten Tagesordnungspunkt, eine Folkloreshow auf der Plaza in einem Städtchen mit ebenfalls unaussprechlichen indianischem Namen. Die Darbietung unterscheidet sich in keinster Weise von dem, was wir am Morgen im Hafen bereits gesehen haben.
Die Zeit drängt und wir fahren zum Schiff zurück. Hatten wir uns bisher in den Ausflugsbussen relativ sicher gefühlt, bekamen wir es jetzt doch mit der Angst zu tun. Dachten wir, dass auf der Hinfahrt der Fahrer schon am Limit gefahren ist, so legte er jetzt noch ein, zwei Schippen drauf und das bei einer Kurvenreiche Strecke bergab. Es ist uns unbegreiflich, warum die Ausflugsbegleiterin von Phoenix nicht eingeschritten ist,  aber vielleicht bekommt sie Minuspunkte, je verspäteter der Bus ankommt. Wir sind heilfroh, dass wir heil am Schiff ankommen. Über so viel Verantwortungslosigkeit kann man nur den Kopf schütteln. Wir waren zwar nicht die Einzigen, die sich über die Fahrweise entsetzten, aber eine Frau erklärte fröhlich lachend: „Was denn, der ist doch prima gefahren.“ Dummheit stirbt eben nicht aus. Auch den stellvertretenden Kreuzfahrtdirektor, mit dem wir am Abend ein Gespräch wegen Doris‘ Unfall haben,  beeindruckt unsere Schilderung über die Höllenfahrt nicht besonders.

 

 

 

 


67. Reisetag – Freitag, 13.3.2015 Corinto/Nicaragua

2015-03-13 Corinto dhl P1010100Der heutige Tag verspricht locker abzulaufen. Wir liegen  heute Vormittag für einen halben Tag hier an der Pier im Hafen von Corinto, direkt im Stadtzentrum.
Corinto ist anscheinend die Stad des Fahrrads und der Fahrradrikschas. Wir bummeln ein wenig durch die Straßen und beschließen, auch mal mit einer Rikscha zu fahren. Es ist kein Problem, einen Fahrer zu finden. Problematisch ist eher, ihm begreiflich zu machen, was wir wollen. Mit Händen und Füßen und Block und Bleistift formulieren wir unseren Wunsch nach einer halbstündigen Rundfahrt, deren Ende in Hafennähe sein sollte. Den Preis von 5 US-Dollar finden wir in Ordnung. Unser Fahrer radelt uns durch belebte und weniger belebte Straßen und Sträßchen und wir bekommen einen kleinen Eindruck von der Stadt.
Wie besprochen lädt er uns an der Plaza ab, die nur einen Steinwurf von unserem Liegeplatz entfernt ist. Wir besichtigen schnell die Kirche, die sehr schlicht eingerichtet ist und drehten noch eine Runde über die Plaza.

2015-03-13 Corinto hoe P1020485 ji

Die Kirche und rechts daneben das Gebäude
des Missionskreis Pater Schendel

Damit sollte die heutige Städtetour eigentlich beendet sein. Auf dem kurzen Weg zum Schiff kommen wir noch mal an der Kirche vorbei. Neben der Kirche befindet sich ein Gebäude und durch ein offenes Fensters kann man in einen Raum sehen, in dem ein kleines Schiffsmodel und Bilder an der Wand zu sehen sind. Ich vermute ein kleines Museum und wir wollen schon weiter, als uns ein Einheimischer in Spanisch anspricht und uns irgendwie begreiflich macht, dass wir da hineingehen sollen bzw. können. Etwas skeptisch folgen wir ihm ins Innere. Die Tür zu dem “Museum“ ist abgeschlossen und er geht wohl jemanden suchen, der aufschließen kann. Er kommt mit einer jungen Frau zurück, die uns in makellosem Deutsch begrüßt. Kein Wunder, sie ist Deutsche und macht hier so etwas, wie ein soziales Jahr. Sie schließt das "Museum" auf, welches sich als ein Büro entpuppt und sie erzählt uns von ihren Aufgaben und Arbeiten hier in Corinto und das so erfrischend, interessant und begeistert, dass wir ihr fasziniert zuhören.

2015-03-13 Corinto hoe P1020515

Blick in das vermeintliche Museum

Vor vielen Jahren hatte ein  deutscher Pater, sein Name war Schendel, begonnen, hier soziale Projekte zu realisieren. Damit diese Projekte weiterlaufen, gründete sich in Deutschland der Missionskreis Pater Schendel. Dieser Kreis finanziert zum Teil die Arbeiten hier vor Ort. Es gibt zum Beispiel ein Seniorenheim oder Schulbildung für Prostituierte, mit dem Ziel sie aus dem Milieu herauszuholen. Auch Aufklärung und Sensibilisierung für den Umweltschutz ist eine Aufgabe, die sich die Organisation gestellt hat.

2015-03-13 Corinto hoe P1020511 ji

Katrin Lueke (rechts) und eine Mitarbeiterin  der Mission

Die junge Frau, sie heißt Katrin Lueke, hat mit 17 Jahren ihr Abitur gemacht und wollte nicht den “normalen“ Weg gehen, nämlich ein Studium gleich im Anschluss an das Abi anzufangen und hat sich für die soziale Arbeit hier entschieden. Sie erzählt, dass der Anfang nicht ganz leicht war. Mit drei Jahren Spanischuntricht aus der Schule im Gepäck kam sie hierher und musste sich erst langsam an den doch etwas sehr anderen spanischen  Dialekt gewöhnen.  
Es ist faszinierend ihren Schilderungen zu zuhören. Die Begeisterung für ihre bestimmt nicht leichte Arbeit hört man immer wieder heraus. Sie bedauert, dass ihre Zeit hier bald vorbei sein wird und sie wieder nach Deutschlang zurückkehrt.
Die Begegnung mit Katrin Lueke ist mit Sicherheit ein “Reiseerlebnis“, dass wir so schnell nicht vergessen werden.
Wir können so viel Engagement und Enthusiasmus nur bewundern und wünschen an dieser Stelle Katrin für ihren weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute.

 

2015-03-13 Corinto hoe P1020517

Unser Schiff wurde mit Marimba-Klängen verabschiedet

Um 13 Uhr legt unser Dampfer ab mit dem Ziel Panama.

 


68. Reisetag – Samstag, 14.3.2015 Seetag



2015-03-15 Seetag hoe P1020523

Der Zimmerkellner hat die Köstlichkeiten
für unsere Privatgala gebracht

In jedem Reiseanschnitts gibt es laut Katalog eine Begrüßungsgala, eine Zwischengala und eine Abschiedsgala, außerdem ein Frühschoppen mit Freibier. Heute ist die Zwischengala dran. Unser Klapptisch wird zum unverzichtbaren Möbelstück.

 2015-03-15 Seetag hoe P1020525

Interessant ist im Übrigen der folgende Hinweis im Tagesprogramm.
Aus gegebenen Anlass
Aus Rücksichtnahme den mitreisenden Passagieren gegenüber bitten wir Sie,

  • angemessene Kleidung zu den Mahlzeiten im Restaurant zu tragen (keine kurzen Hosen, Sportbekleidung, Muskelshirts etc.),
  • beim Betreten des Restaurants die Desinfektionsspender zu nutzen,
  • keine Sonnenliegen und  Sonnenschirme zu reservieren,
  • vor dem erfrischenden Bad im Pool die Dusche zu benutzen,
  • die Saune-Einteilung zu respektieren (Damen/Herren/gemischt),
  • die Tische an der Phoenix-Bar/Phoenix Lounge nicht als Fußbank zu benutzen,
  • die Geräte im Fitnessraum nur in entsprechender Sportbekleidung zu nutzen,
  • ein Handtuch als Unterlage zu nutzen, wenn Sie in Badebekleidung die Polstermöbel im Außenbereich nutzen,
  • keine Badebekleidung in den Gesellschaftsräumen des Schiffes zu tragen.
  • Des Weiteren ist es aus ästhetischen und hygienischen Gründen nicht gestattet, sich im Schiffsinneren barfuß und/oder nur mit Badebekleidung aufzuhalten.

Es sind nicht wenige, an die dieser Apell gerichtet ist. Es fehlen eigentlich  noch die Hinweise

  • auf die Verhaltensregel, dass man nach dem Einsteigen ins Tenderboot auf den Sitzbänken durchrutschen soll, damit die Nachfolgenden nicht über diejenigen, die schon Platz genommen haben (und ihre Pole-Position fürs Aussteigen nicht mehr hergeben wollen) klettern müssen.
  • auf die Selbstverständlichkeit, dass man die öffentlichen Toiletten auf dem Schiff in einem sauberen Zustand hinterlassen sollte.

Dieselben Leute, die im feinen Zwirn zum Kapitänsempfang und den Galadinnern schreiten, benehmen sich nicht besser als besoffene Proleten am Ballermann. Schlicht und ergreifend ein asoziales Pack in Nadelstreifen.
So, das musste mal gesagt werden!

 

69. Reisetag – Sonntag, 15.3.2015
Fort Amador (Panama-City)/Panama

 

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020536

Die Sicht auf Panama-City war wegen
des Dunstes nicht besonders gut.

Wir liegen auf Reede vor Fort Amador. Fort Amdor ist der Yachthafen von Panama-City und liegt einige Kilometer außerhalb des Zentrums, deren entfernte Skyline wir vom Schiff aus sehen können.
Am Vormittag tendern wir an Land. Außer einem Duty-Free-Shop und einem Restaurant gibt es hier nichts. Nach einer halben Stunde ist unser Landgang bereits wieder zu Ende.
2015-03-16 Fort Amador hoe P1020528Auffällig sind natürlich die viele Yachten. Es müssen Hunderte sein und alles dicke Brocken, nicht irgendwelche Motorbötchen, die man schon für weniger als eine Million Dollar erwerben kann. Was noch auffällt ist, dass fast alle Boote brach liegen, nirgends sieht man Leute auf den Decks. Das ändert sich auch nicht am Nachmittag und auch am Abend brennt auf keinem der Boote Licht.

 

Am Nachmittag geht es wieder mal auf einen Ausflug – “Gamboa Regenwald Resort“. Mit dem Bus fahren wir eine gute Stunde und streifen dabei auch Panama-City. Die Gebäude und die Straßen, alles piko bello in Schuss. Schließlich regiert hier das Geld. Sehr viele Schiffe weltweit fahren unter panamaischer Flagge, unter anderem aus steuerlichen Gründen. Außerdem ist Panama grundsätzlich ein Steuerparadies und das zieht natürlich Kapital an.

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020544

Die Fahrt mit der Seilbahn in und über den
Bäumen des Regenwalds ist natürlich ein Hit.

Das Gamboa Regenwald Resort ist ein Luxushotelanlage mitten im Sobarania-Nationalpark. Hier bekommen wir in der Hotel-Lobby einen Fruchtpunsch serviert und dann geht es gleich per Bus weiter zu der wenige Kilometer entfernten Talstation einer sogenannten Luftseilbahn. Hier steigen jeweils 5 Leute mit einem lokalen Führer bzw. Führerin in eine offene Gondel, die uns über und zwischen den Regenwaldbäumen in einer knapp halbstündigen Fahrt zur Bergstation bringt. Auf der Fahrt erfahren wir allerhand über Flora und Fauna des Regenwalds. Mit der Fauna, also der Tierwelt, war es in Sachen Beobachtung nicht allzu doll. Ein Faultier weit entfernt an einem Ast hängend konnte man leicht mit einer Kokosnuss verwechseln. Den bunten auffälligen Tukan haben wir zumindest gehört und angeblich war in einem Tümpel von hier oben aus der Gondel ein Krokodil zu sehen.  Doris und ich sehen nix.

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020556

Der "local guide" in unserer Gondel.

Ameisen und Termiten bauen ihre Nester hoch in den Bäumen und zumindest die Ameisen konnten wir die Baumstämme hoch und runter marschieren sehen.
Obwohl es also mit der Fauna etwas hapert, in Sachen Flora werden wir mehr als entschädigt. Ich denke die Bilder sprechen ein wenig für sich und ich kann mit die schriftliche Schwärmerei sparen.
Von der Bergstation laufen wir die wenigen Meter zu einem circa 30 Meter hohen Aussichtsturm, den wir besteigen. Das besondere an den Turm ist, dass er keine Treppen hat, sondern man schraubt sich zu Fuß auf einer Rampe Plattform und Plattform nach oben. Wir stellen erstaunt fest, dass das ist weniger anstrengend ist, als wenn man über Treppenstufen hinauf gemusst hätte . Auf halber Strecke bricht übrigens die Ausflugsbegleitung von Phoenix die Turmbesteigung wegen Höhenangst ab, während Doris trotz ähnlicher Empfindungen tapfer die Turmspitze erklimmt.
Oben hat man einen tollen Blick auf den Panamakanal und Rio Chagres Fluss. Der Rio Charges ist für den Panamakanal von großer Bedeutung.

 

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020592

Ein erster Blick auf den Panama-Kanal

Zum Bau des Panamakanals wurde der Unterlauf in den Jahren 1907 bis 1913 durch den Gatún-Damm zu dem 26 m über dem Meeresspiegel liegenden Gatúnsee (span. Lago Gatún) aufgestaut. Dieser stellt den zentralen Teil des Panamakanals dar. Gleichzeitig liefert der Río Chagres das für den Betrieb der Kanalschleusen benötigte Wasser. Um Störungen des zunehmenden Schiffsverkehrs durch den ungezähmten Fluss zu vermeiden und auch in trockenen Perioden ausreichend Wasser für den Schleusenbetrieb zu haben, wurde der Río Chagres 1935 im Oberlauf zusätzlich durch den Madden-Damm zum Alajuelasee aufgestaut. (Quelle Wikipedia)

 

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020637

Wunderschönes Muster, aber wenig Farbe.

Mit der Seilbahn fahren wir wieder zurück zur Talstation um das nächste Ziel des Ausflugs, die Ausstellungen des Smithsonian-Instituts in Angriff zu nehmen. Dort sind drei Besichtigungen zu absolvieren, nämlich Frösche in einem Freiluftterrarium, Schmetterlinge in einer Voliere und eine Orchideenschau in einem Mustergarten.
Die Frösche, ich weiß nicht mehr, wie sie heißen, sind daumennagelgroß und giftig. Die Schmetterlinge haben auffällige, blaue Flügel, aber es gelingt nicht, sie im Flug zu fotografieren, sie sind zu flatterhaft. Wenn Sie still irgendwo  mit zusammengeklappten Flügeln sitzen, kann man nur die Unterseite der “Tragflächen“ sehen.

2015-03-16 Fort Amador hoe P1020643

Der Mitarbeiter der Station kam den Fotografen
zu Hilfe und spreitzte dem Schmetterling die Flügel.

Die Unterseiten der Flügel sind zwar sehr schön gemustert, allerdings nur in einer unscheinbaren braunen Farbe.
Bei den Orchideen stellt sich bei uns eine touristische Übersättigung in Sachen Natur ein, sodass wir nicht, wie andere Hobbyfotografen jede Art und Unterart ablichten, sondern es mit einer einzigen Aufnahme mit der Gesamtansicht des Gartens belassen.

 

70. Reisetag – Montag, 16.3.2015 Durchfahrt Panama-Kanal

 

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020649

Die Puente de las Américas.
Hier beginnt der Panamakanal.

Um halb lichten wir den Anker und es geht gleich unter der Puente de las Américas hindurch, eine große Brücke, die den Panama-Kanal, der hier anfängt, überspannt.
Der Panama-Kanal wurde 1914 eröffnet und verbindet den Pazifik mit dem Atlantik und erspart den Schiffen die von einem Ozean im den anderen fahren müssen, die Umrundung von Kap Hoorn oder die Fahrt durch die Magellanstraße ganz unten an der Spitze von Südamerika. Das bedeutet eine Ersparnis von 8.100 Seemeilen (15.000 Kilometer). Wenn man eine Geschwindigkeit eines Frachters mit 15 Knoten annimmt (knapp 30 Km/h) so verkürzt sich die Reisezeit damit um circa drei Wochen. Der Kanal selbst ist 82 Kilometer lang und beginnt auf der pazifischen Seite in Panama-City und endet auf der atlantischen Seite in  Colón.

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020660

Einahrt in die erste Schleuse

Der Kanal wurde von den Amerikanern gebaut und bis 1999 auch von Ihnen betrieben. Sie hatten die Kanalhoheit. 2000 wurde die Kanalhoheit an Panama übergeben und wird seitdem  von der panamaischen Kanalbehörde Panama Canal Authority (span. Autoridad del Canal de Panamá – ACP) wahrgenommen. Die Kanalbehörde beschäftigt etwa 9000 Mitarbeiter.
Pro Jahr passieren 14.000 Schiffe den Kanal und spülen über die Kanalgebühren gut 1 Milliarde Dollar in die Staatskasse von Panama.
Bei der Durchfahrt passiert man 3 Schleusenanlagen, die im Gegensatz zum Suezkanal jeweils paarweise angelegt sind. Dadurch können Schiffe die den Kanal in Richtung Atlantik-Pazifik befahren und Schiffe, die den Kanal in Richtung Pazifik-Atlantik befahren gleichzeitig geschleust werden bzw. zwei große Schiffe, die den Kanal in gleicher Richtung befahren parallel  abgefertigt werden. Auch ist der gesamte Kanal breit genug, dass sich Schiffe außerhalb der Schleusen begegnen können.

2015-03-16 Panamakanal hoe P1020818a

Parallel zum Kanal verläuft eine Eisenbahnlinie

Durch die Breite der Schleusenbecken von 33,53 Meter (110 Fuß) und die Länge des kürzesten Beckens von 304 Metern (1000 Fuß), dem maximalen Tiefgang von 12 Metern und der Höhe von knapp 58 Metern (190 Fuß) der Brücke Puente de las Américas über der Wasserlinie ist die Größe eines Schiffs, dass den Kanal passieren kann, begrenzt. Ein Schiff gehört der sogenannten Panamax-Klasse an, wenn es gerade noch durch die Schleusen des Kanals passt und unter der Puente de las Américas durchfahren kann.
Die Schiffsdaten der Artania sind:
(in Klammern die Abmessungen der Schleusen)
Länge: 213 m (304 m)
Breite 29 m (33,5 Meter)
Tiefgang: 7,80 m (12 m)
Man sieht, wir können den Kanal problemlos passieren.

 

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020665

In der linken Schleusenkammer befindet sich die Island Princess

Schon kurz nachdem wir die Puente de las Américas hinter und gelassen haben, erreichen wir das erste Schleusensystem, die Miraflores-Schleusen, die mit zwei direkt aufeinanderfolgenden Schleusenkammern unser Schiff auf eine Höhe von 16,5 Metern anheben soll.
Seit Beginn der Kanalfahrt haben wir einen Lotsen an Bord. Jetzt kurz vor der Einfahrt in die erste Schleuse kommen noch mehr Mitarbeiter der Kanalbetreibergesellschaft an Bord. 19 sogenannte Muring-Männer steigen von einem kleinen Boot über auf die Artania. Diese Männer haben die Aufgabe, in der Schleuse die Stahlseile der Treidelloks an der Artania fest zu  machen.
2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020753Die Treidelloks sind kleine Zahnrad-Diesellokomotiven,  die die Aufgabe habe, die Schiffe durch die Schleuse zu ziehen und insbesondere sie in der “Spur“ zu halten, damit es in den Schleusenkammern nicht zu einer Havarie kommt, indem das Schiff eine Schleusenwand rammt, auf Grund läuft und dadurch eine Schleuse komplett blockieren würde, der GAU für den Kanal.
Für die Artania werden 8 dieser Loks benötigt. Zwei vorne steuerbord, zwei vorne Backbord, zwei hinten steuerbord und noch mal zwei hinten backbord.  Die Loks werden die Artania allerdings nicht ziehen, sondern lediglich in den Schleusenkammern in der Spur halten. Die Artania selbst bewegt sich mit eigenem Antrieb.
Kurz vor der Einfahrt in die erste Schleusenkammer werden die Stahlseile mit denen die Treidelloks unser Schiff in der Spur halten nach und nach mit Hilfe von Seilen auf unser Schiff gezogen und von den Muring-Männern fachgerecht vertäut. Jede Lok ist mit zwei Seilen ausgestattet.
Die Tore der Kammern sind doppelt vorhanden. Falls ein Schiff ein Tor beschädigen würde, könnte das Zweite immer noch das Öffnen und Schließen der Schleuse alleine übernehmen.

 

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020709

Diese Treidelloks verhindern, dass die Island Princess
mit dem "Hintern" die Schleusenmauer rammt.

Da im Moment kein Gegenverkehr herrscht, wird parallel zu uns ein weiteres Kreuzfahrtschiff, die Island Princess, die ebenfalls in Richtung Atlantik unterwegs ist, geschleust.   
Das ist insofern prima, da wir zusätzlich zum eigenen auch den Schleusungsprozess der Island Princess beobachten  können.  Die Island Princess ist mit knapp 300 Metern Länge erheblich größer als unser Schiff und passt gerade so in die Schleusenkammern.
Auf der Island Princess muss gestern eine Bastelstunde stattgefunden haben. Etliche Passagiere halten große selbstbeschriebene Pappschilder vor sich, auf denen sie ihrer Freude über die Kanaldurchfahrt Ausdruck verleihen.

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020686

 

Die Einfahrt in die Schleusenkammer dauert recht lange, so etwa eine halbe Stunde, weil wir uns nur im Schneckentempo bewegen. Nachdem sich das Schleusentor hinter uns wieder schließt, wird die Kammer geflutet. Das geht recht schnell. Innerhalb von 8 Minuten werden wir um 8 Meter angehoben.
Die zweite Kammer schließt sich unmittelbar an die erste Schleusenkammer an, das heißt das Ausfahrtstor der ersten Schleusenkammer ist das Einfahrtstor der Zweiten. Auch hier werden wir wieder um etwa 8 Meter angehoben.

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020833

Man sieht hier sehr schön das doppelt ausgelegte Schleusentor.

Bis zur nächsten Schleuse, der Pedro-Miguel-Schleuse werden wir von einem Schlepper begleitet, der im Falle eines Maschinenschadens der Artania verhindern würde, dass unser Schiff unkontrolliert im Kanal dümpelt.
Die Pedro-Miguel-Schleuse besteht nur aus einer Kammer und bringt uns um weitere 10 Meter nach oben, sodass wir den Scheitelpunkt der Kanaldurchfahrt erreichen. Der Schleusungsvorgang ist identisch wie der an der Mira-Flores-Schleuse, mit Treidelloks, Island Princess  etc. Wir erreichen den Gatunsee, der für die Wasserversorgung der Schleusensysteme genutzt wird.
Während der ganzen Zeit stehen wir auf den Außendecks, mal vorn, mal hinten, mal Backbord, mal steuerbord. Immer gibt es etwas Interessantes zu sehen und zu fotografieren. Die 1200 Passagiere der Artania verteilen sich so auf dem gesamten Schiff, dass es nirgends zu Problemen derart kommt, dass man in der zweiten oder gar dritten Reihe steht und nichts sieht.
Um 13 Uhr wird schnell Mittag gegessen und gleich danach geht es wieder nach draußen. Jetzt ist viel Natur zu beobachten.

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020807

Auf der Berspitze sieht man knapp über den Bäumen
das Dach des gestern von uns besuchten Aussichtsturms

Steuerbord  auf einem Berg erkennen wir den Aussichtsturm, von dem wir gestern beim Ausflug einen ersten Blick auf den Kanal werfen konnten.
Am späten Nachmittag erreichen wir die dritte und letzte Schleuse, die Gatun-Schleuse. Sie besteht aus drei Kammern, die uns um 26 Meter nach unten auf Atlantikniveau schleusen sollen.
Nachdem wir die dritte Kammer verlassen haben befinden wir uns im Atlantik auf Höhe der Hafenstadt Colón.
Über die Bordlautsprecher wurde uns schon während der gesamten Durchfahrt Wissenswertes über den Panamakanal vermittelt. So erfahren wir jetzt, dass in Colón 40% der Bevölkerung arbeitslos ist und Touristen wegen der hohen Kriminalität dringend abgeraten wird, die Stadt zu besuchen. Panama-City blüht, wächst und gedeiht und hier, nur 80 Kilometer weiter liegt wohl einiges im Argen.

2015-03-16 Panama-Kanal hoe P1020872

Die Gatun-Schleuse bringt und auf das Niveau des Atlantiks herunter

Unsere Kanaldurchfahrt hat knapp zehn Stunden gedauert. Wir standen die meiste Zeit davon irgendwo an der Reling und es war uns nie langweilig. Die bereits vor hundert Jahren beim Bau erbrachten Ingenieurleistungen, die technische Faszination der Schleusen und die Natur an den Kanalufern haben uns all die Stunden in ihren Bann gezogen.
Das Ergebnis unserer Faszination sind bei Doris etwa 130 und bei mir mehr als 340 Fotos. Diese Anzahl muss heute Abend noch auf ein verträgliches und überschaubares Maß eingedampft werden. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, denn es tut einem immer wieder in der Seele weh, ein Foto zu löschen.    
Das Schiff musste übrigens für Kanalgebühren, Kosten für Lotsen, Schlepper und Muring-Männer 206.150 US-Dollar hinblättern. Dieser Betrag musste spätestens 48 Stunden vor der Durchfahrt bei der Kanalgesellschafft eingegangen sein, sonst hätten wir den Kanal nicht passieren dürfen.
Da wir durchfahren durften, muss das Geld wohl rechtzeitig bei der  Autoridad del Canal de Panamá angekommen sein.

 

 

 

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71. Reisetag – Dienstag, 17.3.2015 Bocas del Toro/Panama

2015-03-17 Bocas del Toro hoe P1020876Bocas sel Toro (zu Deutsch:  Münder des Stieres) ist ein kleiner Ort mit 3600 Bewohnern auf der panamaischen Insel Isla Colón.
Wir liegen auf Reede und tendern am Vormittag an Land. Die Anlegestelle der Tenderboote liegt direkt im Zentrum des Örtchens. Es ist ein reiner Urlaubsort und bietet außer karibischen Flair keinerlei touristische Attraktionen. In einem kleinen Restaurant trinken wir einen Maracujasaft, eher deswegen, weil es hier WiFi gibt, als dass uns der große Durst dazu genötigt hätte.
Eine Fahrt zu einem der in der näheren Umgebung befindlichen Strände würde wenig Sinn machen, weil es sich mit Gipsarm nicht besonders gut schwimmen lässt. Deshalb kehren wir nach unserem Stadtbummel zurück aufs Schiff und machen einen auf faul.

 

72. Reisetag – Mittwoch, 18.3.2015 Puerto Limón /Puerto Rica

 

2015-03-18 Puerto Limon dhl P1010251

Der Amazonas Costa Ricas

Heute sind wir wieder mal touristisch sehr gefordert. Um zehn Uhr startet unser Ausflug „Bootsfahrt auf den Tortuguero-Kanälen“. Tortuguero bedeutet “Platz, an den die Schildkröten kommen“. Um es gleich vorweg zu nehmen, Schildkröten haben wir keine gesehen. Das ist auch erklärbar, denn die Meeresschildkröten kommen einmal im Jahr an einen bestimmten Strand, legen dort ihre Eier ab und vergraben sie. Später schlüpfen die kleinen Schildkröten und versuchen das Meer zu erreichen, bevor sie von Vögeln gefressen werden.
Aber man hat uns interessante Tiere und Pflanzen versprochen, schließlich werden die Kanäle auch als Costa Ricas Amazonas bezeichnet. Der Ausdruck ist durchaus passend, auch wenn er vermutlich einer reinen PR-Idee entsprungen ist, braunes Wasser und an den Ufern dichtes Grün.
2015-03-18 Puerto Limon hoe P1020928Als wir mit dem Ausflugsboot starten, sinken allerdings meine Hoffnungen, irgendwelche Tiere zu sehen, höchstes ein paar hörgeschädigte Exemplare oder fußlahme Kreaturen, denn die beiden Außenbordmotoren machten einen Riesenspektakel. Aber ein wenig Getier bekommen wir dann tatsächlich doch zu Gesicht und wenn wir uns einem Tier näherten, wurden die Motoren abgestellt.
2015-03-18 Puerto Limon hoe P1020950So bekamen wir diverse Vögel, einige Krokodile und Alligatoren, Leguane und Echsen und hoch in den Bäumen schwer zu erkennende Faultiere geboten. Auch über die Bananenpflanzen am Ufer wusste der Guide etwas zu erzählen und hatte an Bord eine Blüte einer Staude dabei, an der er uns das Entstehen der Bananenfrucht erläutert. Jetzt wissen wir, woher die kleinen Bananen kommen.
Aber das schönste an der Fahrt ist einfach der Regenwald, der sich bis an die Ufern drängt.

Am späten Nachmittag statten wir dem Ort noch auf eigene Faust einen Besuch ab. Dabei kommen wir  an einen kleinen Park, wo uns ein cleverer Einheimischer in Erwartung eines Trinkgelds auf Faultiere in den Bäumen aufmerksam macht. Diesmal sind die Tiere, wenn man sie erst einmal gesichtet hat, auch wirklich gut zu erkennen, weil sie nicht allzu hoch in den Ästen faulenzen. Und wenn eines sich tatsächlich einmal bequement nach einem Blatt zu greifen, um es zu verzehren, geschieht dass im Superzeitlupentempo.
Natürlich hat unser “Faultierflüsterer“ sein Trinkgeld bekommen.

2015-03-18 Puerto Limon dhl P1010295

 

 

74. Reisetag – Freitag, 20.3.2015 Cartagena/Kolumbien

2015-03-20 Cartagena dhl P1010324“Rumba en chiva“, übersetzt “Party im Bus“, so lautet der Name des Ausflugs, den wir gebucht haben und der am späten Vormittag starten soll. Auf dem Weg  auf der Außenpromenade der Artania zum Frühstück sehen wir, dass der Partybus auch für einen früheren Ausflug zum Einsatz kommt. Allerdings ist das Besteigen desselben abenteuerlich. Mit einer viel zu kleinen Trittleiter müssen die Leute den Bus besteigen. Da die Leiter oben einen Bügel hat, treten viele auf denselben, um noch ein Stück höher zu kommen und die Leiter kippelt und es kommt zu Beinahestürzen. Die dabeistehenden Phoenixleute interessiert das aber alles nicht. Wenn man sich mit den Händen an den beiden seitlichen Haltegriffen am Einstieg gut festhält, kann man sich irgendwie in den Bus hieven.
Zu Recht hat Doris allergrößte Bedenken, dass sie mit nur einem einsatzfähigen Arm, das nicht bewerkstelligen können wird. 2015-03-20 Cartagena hoe P1030068Beim Frühstück, treffen wir den stellvertretenden Kreuzfahrtdirektor, erklären die Situation und schlagen als Lösung vor, aus dem Fitness-Center zwei Stepbretter zu nehmen und die unter das Trittleiterchen zu stellen. Per Walkie Talkie veranlasst er das auch, obwohl der Phoenix-Mann am Bus das für absolut überflüssig hält. Herr Hofer, so heißt der stellvertretenden Kreuzfahrtdirektor, besteht aber darauf und erklärt, da gerade beim Wiederaussteigen die Sache brenzlig werden könne.
Als wir später dann unseren Ausflug antreten, stehen vor dem Bus nicht die Stepbretter bereit, sondern, was viel besser ist, ein hohes hölzerneres Stufengestell, das manchmal beim Einstieg in die Tenderboote zum Einsatz kommt.
Als Sahnehäubchen dürfen wir in die erste Reihe einsteigen, nachdem sich ein Phoenix-Mann vergewissert hat, dass wir die Hölzers sind Die erste Reihe wird manchmal die für besondere Zwecke freigehalten (gehbehinderte Gäste oder ähnl.). Der Einstieg ist problemlos. Wir sind begeistert, werden wir doch wie die sogenannten Goldgäste aus den teuren Kabinen behandelt. Aber die Freude ist nur kurz, denn jetzt führen die Leute vom Filmteam “Verrückt nach Meer“ Regie. In unsere Reihe müssen noch der Tontechniker und das Protagonisten-Pärchen (das sind die Hauptdarsteller, gecastete junge Leute, die als Amateurschauspieler Kreuzfahrtpassagiere mimen).
2015-03-20 Cartagena dhl P1010330Der Tontechniker mit seinem großen Mikrofon, das an einer Stange genau in Augenhöhe hängt, nimmt uns die Sicht. Aber damit nicht genug, ein Phoenix-Mann zwängt sich noch zwischen Tontechniker und Pärchen, weil die Regisseurin es so will: „Der Phoenix-Ausflugsbegleiter muss unbedingt mit aufs Bild!“
Das am Anfang der Reise abgegebene Versprechen von Phoenix, dass die Filmleute niemanden stören werden, ist hier und jetzt nur noch Makulatur.
Wir beneiden die Leute in den Sitzreihen hinter uns, die in der Regel zu viert oder zu fünft in einer Reihe sitzen.
2015-03-20 Cartagena hoe P1030075Dann geht die Fahrt los. Neben dem Busfahrer kniet der Kameramann und daneben steht  ein Stimmungseinpeitscher. Im mittleren Teil des Busses spielt eine kleine Kapelle (ein Akkordeonspieler und zwei Percussion-Männer). Es gibt weißen Rum und Limonade zum Verdünnen und die Stimmung steigt im Bus. Bei Doris und mir ist sie etwas getrübt, auch wenn man uns erklären will, dass etwas Tuchfühlung ganz toll sei.
Ein ganz langes Gesicht bei Doris gibt es, als der Stimmungsmann erklärt, dass wir einen Fotostopp an einem Denkmal machen, die Fahrt fortsetzten werden und dann eine gute Stunde Pause machen, um etwas zu shoppen und dann noch am Bus einen kleinen Imbiss einzunehmen. Das lange Gesicht deswegen, weil die schöne hölzerne Ein- und Ausstiegshilfe an der Pier zurückgeblieben ist.
Nach dem Fotostopp (Doris ist natürlich im Bus geblieben) bieten mir die Leute in der Reihe hinter uns an, dass ich mich zu Ihnen setzen kann.  Ich nehme das Angebot gerne und dankend an. Jetzt sitzen in der ersten und zweiten Reihe jeweils 5 Leute. Das ist jetzt in Ordnung, vom Mikrofon, was immer noch im Weg ist, einmal abgesehen.
2015-03-20 Cartagena hoe P1030065Als der nächste Stopp kommt, überzeugt bzw. überredet Michael D. (das ist der Blog-Leser aus Norddeutschland) Doris, dass sie aussteigen soll. Michael ist groß und kräftig und zu dritt (irgendjemand packt neben mir und Michael auch noch mit an) gelang es uns, Doris halbwegs sicher aus dem Bus zu holen. Doris fühlt sich allerdings unwohl dabei, sie kommt sich vor wie ein Kartoffelsack.
Das Shoppen findet in einer Ladenstraße mit vielen Souvenirgeschäften. Wir kaufen allerdings nichts, wir haben diesbezüglich schon so ziemlich alles. Nach dem Imbiss, es gab gefüllte Teigtaschen, hieven wir Doris wieder in den Bus, jetzt in die zweite Reihe, denn da ist der Einstieg ein klein wenig einfacher. Jede Reihe hat nämlich ihren eigenen Einstieg, denn der Bus hat keinen Mittelgang.
Ich sitze jetzt wieder in der ersten Reihe und Halleluja, die Filmleute nebst Protogonisten bleiben in der Stadt und die Rückfahrt zum Schiff wird endlich gut. Der Rum ist als Mixgetränk halbwegs genießbar, die Band spielt karibische Stimmungsmusik, Humbat-Täterä und Rucki-Zucki nicht unähnlich und wir erreichen frohgelaunt das Schiff. Allerdings ist weit und breit von dem schönen Holztritt nichts zu sehen und so steigt Doris wieder nach kartoffelsackmanier aus.
Erst jetzt sehen wir, dass der Holztritt in einer Ecke dümpelt.
Liebe Phoenix-Leute, das war ein verdammt schlechter Job, den ihr da gemacht habt. Einen Gedanken mal zu Ende denken übersteigt anscheinend eure mentalen Fähigkeiten.


2015-03-20 Cartagena hoe P1030104Am späten Nachmittag bin ich noch mal zum Hafenausgang gedackelt. Dort habe ich mir die kleine hübsche Anlage mit Flamingos, Pfauen, Papageien und weiteres kleines Getier  angesehen.

 

 

75. Reisetag – Samstag, 21.3.2015 Seetag

Heute ist Abschiedsgala wegen der Gäste, die in drei Tagen abreisen. Ich probiere ein neues Galaessen aus, das Artania-Sandwich. Doris bleibt dem Schnitzel treu. Es lebe unser Tischlein-Deck-Dich!


76. Reisetag – Sonntag, 22.3.2015 Oranjestad/Aruba


Oranjestad ist unser erster Hafen der ABC-Inseln. Die ABC-Inseln sind drei verschiedene Inseln, nämlich
- Aruba
- Bonaire
- Curaçao.

2015-03-22 Oranjestad hoe P1030124

Was im reiseführer als holländisches Flair beschrieben
wird erinnert eher ein wenig an Disneyland

Aruba und Curaçao sind autonome Staaten innerhalb des Königreichs der Niederlande, Bonaire gehört dagegen als Besondere Gemeinde direkt zu den Niederlanden.
So steht es zumindest in Wikipedia und in den Reiseführern.  Was die Holländer genau hier noch zu sagen haben, erschließt sich mir nicht. Holländische Gesetzte gelten hier zumindest nicht automatisch. Auf allen drei Inseln gibt es verschiedene Währungen. Das alles ist irgendwie konfus. Vielleicht hätte ich doch einmal zu einem Vortrag von unserem Schiffslektor gehen sollen.

2015-03-22 Oranjestad hoe P1030122

Diamonds are the girls best friends

Gleich am Morgen machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Die Geschäfte in der Hafengegend sind geöffnet. Insbesondere Schmuck und Uhren sind hier wohl die Verkaufsschlager. Die Hauptkundschaft sind Amerikaner, die mit riesigen Kreuzfahrtschiffen hier anlegen. Die rosa Gebäude an der Mainstreet erinnern stark an Disneyland, sind aber das Wahrzeichen von Oranjestad.
In der Stadt selbst ist nichts los. Es gibt keine Cafés oder Bars, also auch kein Wifi. Selbst die neue Solarbetriebene Straßenbahn fährt nicht, weil es irgendwelche Baumaßnahmen in den Straßen gibt.  Auf nach einer knappen Stunde ist unserer Expedition wieder zu Ende. In Hafennähe entdecken wir dann doch noch ein Internetcafé und so kann der 10. Blogeintrag online gehen.

2015-03-22 Oranjestad hoe P1030126

Das Fahrrad mit Propeller war für uns die Hauptattraktion am Vormittag


2015-03-22 Oranjestad hoe P1030141Am Nachmittag gehen wir noch mal los. Wir wollen rund ums Hafenbecken zum Yachthafen, um ein wenig maritime Luft zu schnuppern. Hinter dem Yachthafen befindet sich ein Spielcasino. Das ist natürlich interessant und wir gehen rein. Gleich am Eingang stehen einige Automaten und ein weißes Auto, dass man an selbigen gewinnen kann. Ich spiele nicht, denn wie soll ich das Auto aufs Schiff bringen?
Der Spielsaal selbst ist riesig. Ich zähle mal grob die Reihen der Spielautomaten und die Anzahl der Automaten in einer Reihe und schätze so, dass hier knapp 1000 bunt-blinkende Automaten rumstehen. Die meisten Spieler an diesen Automaten sind weiblich. Es gibt auch Roulette-, Poker und Black-Jack-Tische. Hier sind die Geschlechter der Spieler etwa gleichverteilt.
Ein Geldautomat zum Abheben der Dollars darf natürlich auch nicht fehlen.
Als ich anfange zu fotografieren, werde ich sehr schnell höflich, aber bestimmt aufgefordert, das zu unterlassen.
In einer Nische hängen zehn große Bildschirme an der Wand, auf denen Sportübertragungen laufen (Basketball, Pferderennen, etc.). Davor stehen Tische mit einem kastenartigen Aufbauten, die als Sichtschutz dienen. An jedem Tisch sitzt nämlich ein Zocker, hier alles Männer, die per Smartphones Wetten platzieren.
Als wir wieder draußen auf der Straße sind mache ich noch schnell ein Foto durch die große offene Eingangstür. Ich habe gerade den Auslöser betätigt, da bauen sich in der Nähe der Tür zwei grimmig blickende, stabil gebaute Security-Herren auf. Ich entferne mich mit großen raschen Schritte vom Casino.
Wir gehen weiter auf Entdeckungstour und kommen zu einer schönen Hotelanlage mit einem naturbelassenen Seewasserpool mit kleinen Strand. Es gibt Liegen. Palmen spenden Schatten. Hier hätten wir unbesorgt schwimmen gehen können, wenn wir denn Badesachen dabei gehabt hätten. Beim nächsten Mal wissen wir es besser.
Ein paar Schritte weiter ist das Meer mit seinem Felsigen Ufer. Hier wimmelt es vor Krabben und im Wasser tummeln sich bunte Fische. Eine Frau lockt sie mit Keksen an und jetzt brodelt das Wasser, weil sich jede Menge Fische um die Leckerbissen streiten.
2015-03-22 Oranjestad hoe P1030174Wir erreichen einen schmalen langen Strand. Hier verbringen die einheimischen ihren Sonntag. Familien mit Kindern, Brüdern, Onkeln und Tanten sitzen unter schattigen Bäumen. Es wird viel gegrillt. Wir marschieren weiter, bis der Strand fast zu Ende ist. Ganz In der Nähe befindet sich der International Airport von Oranjestad und die Landeanflüge der Flieger, die teilweise im 5 bis 10 Minutentakt ankommen, lassen sich hautnah beobachten.
Auf dem Rückweg treffen wir noch auf einen Leguan und einem Pelikan auf der Jagd. Pelikane gehören mittlerweile zu den ausgesprochenen Freunden von Doris.
Hat der Tag recht langweilig angefangen wurde er ja dann doch noch schön.
 

77. Reisetag – Montag, 23.3.2015 Kralendijk/Bonaire

Wir erreichen die B-Insel der ABC-Gruppe, nämlich Bonaire morgens um sieben. Im Hafenstädtchen Kralendijk machen wir an der Pier fest.
2015-03-23 Kralendijk hoe P1030199Nach dem Frühstück marschieren wir an der Uferpromenade entlang. Es gibt einige Vögel zu beobachten, man sieht im glasklaren Wasser bunte Fische ohne zu schnorcheln und wir kommen an etlichen Tauchschulen vorbei, Kralendijk ist nämlich eine Tauch-Hochburg. An einer der Tauchschule sehen wir, wie ein rüstiges Rentnerehepaar im Neoprenanzug von einem Lehrer seine erste Lektion mit Flasche, Taucherbrille und Bleigürtel erhält. Es ist zu bewundern, was die älteren Herrschaften sich trauen. Aber besonders bewundern wir die Ausstattung der Tauchschule. Der Neoprenanzug des Herrn hat die Größe XL und die der Dame XXXL. Woher wir das wissen? Die Konfektionsgröße prangt in großen Buchstaben am Oberarm der Anzüge.
Zum Mittagessen sind wir wieder an Bord.
2015-03-23 Kralendijk hoe P1030185Von unserer Kabinenstewardess (so nennt man an Bord die Zimmermädchen) erfahren wir, dass wir morgen in eine andere Kabine ein Deck höher umziehen werden. Das war so aber zu keiner Zeit geplant. Das Zimmermädchen beruhigt uns, es könne sein, dass sie sich irrt und das in ihrem Plan falsch gelesen hätte. Wir eilen trotzdem gleich zur Rezeption und fragen nach. Ja, der Computer sagt eindeutig, dass wir morgen umziehen werden. Auf unsere Frage, wieso das Ganze, erhalten wir als Antwort: „Da fragen Sie am besten Max.“ Gegenfrage: „Wer ist Max?“. Max ist der Verwalter des sogenannten Bettenbuchs, er managt die Kabinenbelegung. Der junge Mann an der Rezeption bequemt sich, nachdem wir ihn doch ein wenig böse angeschaut haben, Max per Walkie-Talkie zu kontaktieren. Der geplante Umzug rührt daher, dass man uns eine Freude machen will und in eine Balkonkabine upgraden möchte. Wir würden dazu heute Abend auch noch einen Brief auf die Kabine bekommen. Unser Hinweis, dass so ein Umzug eine Sache ist, die zwei bis drei Stunden in Anspruch nimmt und doch vielleicht auch etwas Vorbereitung brauche, stößt auf völliges Unverständnis.
2015-03-23 Kralendijk hoe P1030225Da wir aber mit unserer Kabine zufrieden sind, lehnen wir das kostenlose Angebot, in eine höherwertige Kabine umzuziehen ab. Unsere Kabine ist optimal. Wir wohnen auf dem Promenadendeck, das heißt wir stehen nach wenigen Schritten an der Reling. Bei allen anderen Decks muss man entweder durchs Schiffsinnere ganz nach vorn oder ganz nach hinten, um nach draußen zu kommen, aber nirgends sonst gibt es eine Promenade wie bei uns. Unsere Kabine ist absolut ruhig gelegen, die Klimaanlage und die Toilettenspülung arbeitet problem- und fehlerlos, was auf Schiffen nicht selbstverständlich ist. Wir haben uns in unserer Kabine auch gut organisiert, was die Nutzung der knappen Abstellflächen und Stauräume betrifft. Das alles macht ein zusätzlicher Außenbalkon nicht wett. Der geldwerte Vorteil dieses Upgrades hätte übrigens 800 Euro pro Person für die letzten drei Wochen unserer Reise betragen.
Der Nachmittag wird  noch für einen Bummel durch die Buden und Geschäfte genutzt.

2015-03-23 Kralendijk hoe P1030220

Vor einem karibischen Supermarkt - hier ist alles ein bisschen bunter.


Am Abend gegen 22 Uhr finden wir  auf der Kabine den angekündigten Brief. Darin steht auch, dass man an der Rezeption das Angebot ablehnen kann (ähnlich wie beim Kapteins Dinner). Zur Sicherheit haben wir bei der Rezeption noch mal telefonisch abgesagt.

 

78. Reisetag – Dienstag, 24.3.2015  Willemstad/Curaçao

 

2015-03-24 Willemstad hoe P1030232

Direkt am Hafen befinded sich ein Spielcasino.
Diesmal gehe ich nicht hinein, um zu forografieren.

Heute erreichen wir die dritte der ABC-Inseln, nämlich Curaçao. Sie heißt nicht nur so wie der blaue Likör, er wird hier auch hergestellt. Wir liegen in Willemstadt an der Pier, nahe am Zentrum.
Heute geht wieder ein Reiseabschnitt zu Ende und sehr viele Gäste verlassen das Schiff und nicht mehr ganz so viele werden heute ankommen, sodass wir heute Abend nur mit halber Auslastung, so circa mit 650 Passagieren Willemstad verlassen werden. Die nur 50-Prozentige Auslastung  ist sicherlich auch der Grund, warum einige Gäste ein kostenloses Upgrade-Angebot erhalten haben. Aber wie bereits bekannt, haben wir dieses ja in zweifacher Ausfertigung abgelehnt.
Wie immer wollen wir nach dem Frühstück losziehen, als es an unserer Kabine klopft. Draußen steht ein Rollkommando in Form der Hausdame und einer ihrer Hilfskräfte und fragt an. ob wir denn jetzt endlich umziehen möchten, die Hilfskraft würde uns tatkräftig unterstützen. Wir können uns gerade noch beherrschen nicht laut zu werden und erklären, dass es keinen Umzug gibt. Wir gehen also wieder zur Rezeption, sagen zum dritten Mal den Umzug ab und schärfen dem jungen Mann nochmals ein, dass niemand wagen sollte, während unserer Abwesenheit unsere Sachen anzurühren und als “Special Service“ einen Umzug ohne uns durchzuführen. Er versichert uns, dass jetzt endgültig sämtliche internen Informationsdefizite ausgeräumt wären und wir nichts mehr zu befürchten hätten. Sein Wort im Gottes Ohr.

2015-03-24 Willemstad hoe P1030237

Die alte Klappbrücke ist leider nicht im Betrieb.

Unser Sightseeing beginnt am nahegelegen Fort Amsterdam, das heute Hotels und Geschäfte beherbergt. Eine Attraktion wäre die über hundert Jahre alte hölzerne Schwenkbrücke (Koningin Emmabrug) gewesen. Leider wird sie zurzeit gewartet und durch Fähren ersetzt. So liegt sie unspektakulär nur einfach  am Ufer des Kanals (Sint Annabaa) eingeklappt. Also fahren wir mit der Fähre die geschätzten 300 Meter ans andere Ufer des Kanals, bummeln dort zum schwimmenden Markt, wo direkt von den Schiffen fangfrischer Fisch verkauft wird. In der Markthalle gibt es touristischen Krimskrams und Stände mit Waren wie Kleidung, Lebensmittel für die heimische Bevölkerung. Die Architektur der Innenstadt weißt eindeutig niederländische Merkmale auf und wurde zum Unesco Weltkulturerbe erklärt. Mehr gibt es über das Städtchen nicht zu berichten.

2015-03-24 Willemstad hoe P1030253

Typisch holländische Gebäudearchitektur

Am Nachmittag sind wir wieder auf dem Schiff. Doris bestellt sich einen Kaffee. Zur Bezahlung gibt man einfach seine Kabinennummer an und der Kellner bongt die Zeche auf das entsprechende Bordkonto. Heute funktioniert das nicht, auf das Bordkonto 4243 (das ist unsere Kabine)  kann nicht gebucht werden. Über unseren Namen bekommt sie heraus, dass unser Bordkonto die Fünftausend-und-Irgendwas sei. Buchhalterisch sind wir also doch umgezogen. Wir stellen die Bezahlung erst mal zurück, der Kellner räumt uns bereitwillig den Kredit ein, schließlich kennt er uns und unser Bordkonto 4243 schon länger.
Als wir also in Sachen Umzug erneut an der Rezeption vorstellig werden, erklärt man uns, wir sollen den Kaffee doch bar bezahlen, das ist an Abreisetagen immer so, auch für sogenannte Transfergäste wie wir. (Transfergäste sind Passagiere, die mehrere Reiseabschnitte hintereinander an Bord bleiben). Statt einen Sachverhalt zu klären wird wieder mal die typische Abwimmelstrategie angewendet, das tut man hier gerne und oft. Was uns die Dame an der Rezeption, Mona ist ihr Name, hier erzählt, ist totaler Blödsinn und absolut falsch oder vielleicht auch schlicht gelogen. Doris wird böse. Innerhalb von einer Minute kann plötzlich wieder auf das Bordkonto 4243 gebucht werden.
Ich enthalte mich jetzt jeden Kommentars, aber die Gedanken sind frei!

 

 

 

 

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Im letzten Blog (Nr. 11) fehlt der 73. Reisetag (Donnerstag 19.3.2015), ein Seetag. Touristisch war der Tag absolut bedeutungslos, für Doris erst einmal Highlight, der Gips wurde nämlich abgenommen. Allerdings bekam sie die untere Hälfte der Gipsschale mit. Diese soll sie sie sich anlegen und mit einer Mullbinde befestigen, wenn es an Land geht oder das Schiff schaukelt. Der Knochen ist zwar schon zusammengeheilt, aber ein Sturz auf den Arm wäre fatal, denn der verheilte Bruch stellt noch eine Sollbruchstelle dar.
Außerdem tut der Arm bei bestimmten Bewegungen immer noch weh und das Handgelenk und die Finger sind noch sehr unbeweglich. Der Arzt sagt, dass es noch viele Woche dauert bis die Hämatome abgeklungen sind, das Arm und Handgelenk wieder (fast) vollständig intakt und Schmerz- und Beschwerdefrei sind.


79. Reisetag – Mittwoch, 25.3.2015 Seetag

Heute ist Seetag und damit normaler Schiffsalltag. Das es sonst nichts zu berichten gibt, kann ich mal meinem Unmut Luft verschaffen, wie Phoenix mit Doris‘ Unfall bisher umgegangen ist, nämlich relativ schäbig und erbärmlich.
Statler und Waldorf muppet Show jiDer Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleis,  übt neben vielen wichtigen Aufgaben auch die Funktion des “Grüß-August“ aus. So steht er manchmal an der Gangway und begrüßt die zum Schiff zurückkehrenden Gäste mit den Worten: „Willkommen zu Hause“. Es kann aber auch schon mal passieren, dass er mitten in der Stadt, einem statt „Guten Tag“ ein „Willkommen zu Hause“ entgegenschmettert. Besagter Grüß-August, die höchste Instanz von Phoenix an Bord, hielt es nie für nötig Doris mal zu fragen, wie es ihr geht oder sein  Bedauern (es muss ja nicht echt sein) über den Unfall auszudrücken, sondern guckte immer in die andere Richtung, wenn Doris in der Nähe war. Sogar der Kapitän, der mit Phoenix selbst eigentlich nichts zu tun hat, hat Doris gute Besserung gewünscht.
Herr Gleiss ist uns vor einigen Jahren auf einem anderen Schiff schon einmal unangenehm aufgefallen, als wir wegen einer Kollision mit einer Riesenwelle mit eingedelltem Bug in Reykjavik vier Tage lang wegen der notwendigen Reparaturarbeiten festlagen. Damals hatte er die Passagiere gemäß Salamitaktik immer wieder bezüglich Weiterfahrt hingehalten. Das Ende der Reparaturarbeiten wurde uns drei Tage lange mit „morgen sind die Arbeiten beendet“ von Herrn Gleiss in Aussicht gestellt.
Gleich nach dem Unfall hatten wir das Bordreisebüro, wo wir den Ausflug, an dem der Unfall passiert ist, gebucht hatten,  gebeten, von Phoenix in Bonn eine Stellungnahme einzuholen. Unser Ansprechpartner an Bord war ein gewisser Wolfgang Koll. Wir hätten gerne die Berichte des örtlichen und des Phoenixreiseleiters gehabt, ebenso das Video, in dem der Ausflug vorgestellt wurde. Herr Koll sagte, dass er diese Unterlagen ohne die Zustimmung aus Bonn nicht herausgeben dürfe, wir müssen also die Bonner Antwort abwarten. Die kam aber nicht. Zwei Wochen nach dem Unfall, in Acapulco sagte Herr Koll uns, dass er in Bonn die Antwort noch einmal angemahnt hätte und er gibt uns sofort Bescheid, wenn es etwas Neues gibt. Einen Tag später ist er von Bord gegangen, um auf einem anderen Phoenixschiff Dienst zu machen. Davon hatte er uns allerdings nichts erzählt. Deshalb wurden wir beim stellvertretenden Kreuzfahrtdirektor Jörg Hofer vorstellig (Herrn Gleiss haben wir ja nicht mehr lieb). Er versprach sich zu kümmern. Als er uns zwei Tage danach erzählte, Bonn habe ihn gebeten noch fehlende Informationen nachzuliefern, wurde es uns zu bunt und wir haben am 11.3.2015 (das war vor 2 Wochen) eine Mail nach Bonn geschickt in der steht, das wir  Phoenix für den Unfall haftbar und schadensersatzpflichtig machen, ohne eine Schadenssumme zu nennen und erbaten eine diesbezügliche Stellungnahme.
Herr Hofer informiert uns heute, dass er immer noch keine Nachricht aus Bonn hat. Wir selbst haben natürlich auch keine Mail oder Nachricht aus Bonn erhalten.

PS: Die Arztrechnung wurde bereits von unserem Konto abgebucht.


80. Reisetag – Donnerstag, 26.3.2015 Kingstown/St. Vincent

2015-03-26 Kingstown hoe P1030310 jiKingstown ist mit 16.000 Einwohner die größte Stadt des Inselstaates St. Vincent und die Grenadinen. Wir liegen direkt am Zentrum der Stadt, sodass wir nach dem Frühstück sofort auf Erkundungsgang gehen können. Der ganze Ort ist ein einziger Markt. Überall Buden, Markstände und Arkaden mit Läden. In der Fischmarkthalle beobachten wir, wie die Fischverkäufer schnell und geschickt größere Fische mit einer Art Machete in kotelettgroße Scheiben hacken und den Kunden die gewünschte Anzahl Scheiben abwiegen  und in die mitgebrachten Plastiktüten und Taschenpacken. Auf Wunsch gibt es auch den Kopf, der noch einmal fachmännisch geteilt wird.
2015-03-26 Kingstown dhl P1010391Am örtlichen ZOB (Zentraler Omnibus-Bahnhof) versuchen wir erst gar nicht die Systematik zu verstehen. Es gibt auch keinerlei Fahrpläne. Es ist ein Kommen und Gehen von unzähligen Kleinbussen.
Die Kultur kommt ebenfalls nicht zu kurz. Wir besuchen die St. Mary’s Church, genauer gesagt wir werden  von einem Mann, der im Torbogen vor einer Art Klostergarten steht, dazu eingeladen. Sobald wir den Fuß über die Schwelle setzen, erklärt er uns freundlich, dass er gegen ein kleines Trinkgeld nichts einzuwenden hätte. Neben dem kleinen Garten befindet sich das ebenfalls nicht sehr große Kirchenschiff. Vielmehr gibt es eigentlich nichts zu sehen. Die verschiedenen eckigen Türme der Kirche sind nicht zugänglich. Unser Zerberus sitzt an einem strategisch günstigen Schattenplätzchen und hat damit den Ausgang gut im Auge, damit er sofort zur Stelle ist, damit wir ohne ihn lange suchen zu müssen, unseren Obolus entrichten können.

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Blick auf St. Mary's vom Friedhof vor
der St. George Kathedrale.

Gegenüber St. Mary‘s befindet sich die St. George Kathedrale, deren Besonderheit laut Reiseführer ein Fenster mit einem rotgewandeten Engel ist. Das Fenster war eigentlich für St. Paul’s in  London bestimmt, wurde aber wegen des roten Gewands von Königin Victoria abgelehnt und verblieb deshalb hier in der Karibik. Mit diesem Fenster und der damit verbundenen Information war der kulturelle Höhepunkt erreicht und wir stürzen uns noch ein wenig in das bunte städtische Treiben.

 An Nachmittag verlässt der Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleiss das Schiff, wegen der Erkrankung eines Onkels, wie wir später erfahren. Um 18 Uhr wird offiziell bekannt gegeben, dass ab sofort Jörg Hofer der Kreuzfahrtdirektor auf der Artania ist.

2015-03-26 Kingstown hoe P1030332bAm Abend spielt auf dem Achterdeck eine Steelband. Mir gefällt der Auftritt allerdings nicht besonders, die Musik klingt irgendwie flach und nicht gewohnt fröhlich und emotionell. Die in goldenen Glitzerjacken steckenden Musikerinnen und Musiker verstehen mit Sicherheit ihr Handwerk, aber die sprichwörtliche karibische Lebensfreude und Stimmung kommt nicht richtig rüber.

 

 

81. Reisetag – Freitag, 27.3.2015 Castries(St. Lucia)

Der Inselstaat St. Lucia gehört geologisch zu den kleinen Antillen und ist politisch Mitglied im Commonwealth of Nations. Damit ist Queen Elisabeth II das hiesige Staatsoberhaupt. Gleiches gilt übrigens für unser gestriges Ziel St. Vincent und die Grenadinen

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Gut, dass wir nicht mit diesem Wassertaxi gefahren sind
sondern zu Fuß losmarschierten.
Der Begriff Wassertaxi wurde bei diesem Exemplar
wohl zu wörtlich genommen.

Im Hafengelände selbst befinden sich einige Schmuckgeschäfte, Bars, Restaurants, Boutiquen und Andenkenläden. Diese Infrastruktur ist auf amerikanische Kreuzfahrtschiffe ausgelegt. Der Kreuzfahrer braucht erst gar nicht die zwei Kilometer in die City laufen oder zu fahren, sondern kann gleich hier sein Geld ausgeben. Da wir keine Amerikaner sind machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Wie gestern ist auch hier das “quirlige bunte karibische Leben“ zu beobachten. In einer engen Gasse stehen Tische und Stühle vor kleinen Lädchen mit Bedientheke nach draußen, einem Kiosk nicht unähnlich. Wir setzen uns, trinken eine Cola und lassen das bunte Leben uns vorbeiziehen. Wir stellen fest, dass das viel bequemer ist, als selbst vorbeizuziehen. So geht der Vormittag schnell vorbei und wir sind gerade noch rechtzeitig auf dem Schiff, ehe die Restaurants schließen.

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Man lässt die Welt an sich vorbeiziehen.


2015-03-27 Castries hoe P1030420Da das Schiff erst um 23 Uhr abfahren wird, haben nutzen wir die Gelegenheit gegen 15 Uhr noch mal raus zu gehen. Unser Ziel ist ein Strand, den man vom Schiff aus sehen kann. Der direkte Weg dorthin ist aber durch den kleinen Flughafen versperrt, also müssen wir diesen erst umrunden. Auf dem Weg dorthin sehen wir endlich mal eine Bananenstaute, die auch Früchte trägt.
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Ein paar hundert Meter weiter vernehmen wir die Klänge von Steeldrums. An einer Schule übt ein Schulorchester in einem offenen Hallenbau. Die Besetzung ist ähnlich wie gestern Abend auf dem Schiff bei der Folkloreshow. Wir betreten mutig das Schulgelände und erhalten die Erlaubnis zu fotografieren. Obwohl technisch noch nicht so perfekt, gefällt mir das Spiel der jungen Musiker  besser als der gestrige Auftritt der Profis. Aber wir müssen ja noch weiter und werden mit Winken verabschiedet.

Unser Weg führt uns um die  (eingezäunte)  Landebahn herum. Jetzt kann man endlich wieder ans Meer.
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Zwischen Straße und Strand liegt ein Friedhof. Wir betreten ihn durch eine Tür in der Friedhofsmauer und gelangen auf der anderen Seite direkt ans Meer. Ein Friedhof mit Meerblick und Strandanschluss, das hat man auch nicht alle Tage.


2015-03-27 Castries hoe P1030461Baden steht bei uns noch nicht auf dem Programm, sondern nur ein wenig die Füße ins Wasser halten und am Strand spazieren gehen. Wir tappen zu einer vornehmen Hotelanlage, die sich in Sichtweite befindet. Am Strand sitzen zwei Einheimische. Der eine spielt Gitarre, der andere bastelt aus Palmblätter Heuschrecken. Ich darf auch mal die Gitarre bedienen und versuche “Country Roads“ zu intonieren. Ich stelle fest, dass ich total aus der Übung bin und überlasse das Musizieren lieber dem Rasta-Mann, der einen Reggae spielt. In der Zwischenzeit ist auch die Heuschrecke fertig. Wir müssen für Musik und Grasshüpfer natürlich zahlen, für die Ausbildung ihrer Kinder, wie man uns versichert. Doris hatte sich zwischendurch auf eine in der Nähe stehende Liege gesetzt. Dort blieb sie aber nicht lange, weil sie von einer Hotelbediensten als Nicht-Hotelgast vertrieben wurde. Zwischen Strand und Hotelanlage verläuft eine unsichtbare Grenze und kurz vor dieser Grenze sitzen unsere beiden karibischen Freunde. Dort kann sie das Hotel nicht wegjagen.
2015-03-27 Castries hoe P1030459Wir dürfen auch nicht durch das Hotelgelände zurück auf die Straße, sondern besagte Hotelbedienstete man führte uns persönlich über den Strand an einen schmalen Weg  neben der Mauer, die das Hotelareal eingrenzt. Von dort treten wir (jetzt ohne die Hotelbedienstete) unseren Heimweg an.


Am Abend bittet uns der stellvertretende Kreuzfahrtdirektor zu einem Gespräch, Bonn hätte sich gemeldet.
Ich muss noch erklären, dass wir vor einigen Wochen auf dem Schiff eine Option für größere Reise in 2017 haben geben lassen und zwar für die gleiche Kabine, die wir jetzt auch haben. Wir haben Zeit bis eine Woche nach unserer Rückkehr in Deutschland zu entscheiden, ob wir die Reise dann tatsächlich buchen oder nicht. Diese eingeholte Option erklärt übrigens die Einladung zum Kapitänstisch vor einigen Wochen und das Upgrade-Angebot für den letzten Teil dieser Reise.
Herr Hofer unterbreitet uns ein Angebot aus Bonn als Ausgleich für Doris‘ Unfall. Wir erhalten für die ins Auge gefasste Reise in 2017 einen kostenlosen Upgrade in eine Balkonkabine, der Preisvorteil würde weit mehr als 3000 Euro betragen.
Natürlich lehnen wir ab. Zum einen aus den gleichen Gründen, aus den wir schon das Upgrade für diese Reise ausgeschlagen haben. Unserer Kabine 4243 passt uns wie ein alter Handschuh. Zum anderen, was ist wenn wir die Reise gar nicht buchen? Oder wenn wir sie buchen und sie z. B. wegen Krankheit nicht antreten können? Dann ist vermeintliche Vorteil verpufft. Ein Alternativangebot zum Upgrade gibt es nicht.
Über die Arztkosten schweigt sich Phoenix weiter aus.
Wir bestehen also weiterhin auf unserer Forderung, dass Phoenix die Verantwortung für den Unfall übernimmt. Man verspricht uns von Seiten der Kreuzfahrtdirektion einen erneuten Versuch zu starten, um zu klären, ob Phoenix nun die Verantwortung übernehmen will oder diese explizit ablehnt und das Phoenix uns endlich mal eine schriftliche Stellungnahme zukommen lässt.

 

82. Reisetag – Samstag, 28.3.2015 Roseau/Dominica

2015-03-28 Roseau hoe P1030466Auch Dominica ist wieder ein Inselstaat, der geologisch zu den Kleinen Antillen und politisch zum Commonwealth of Nations gehört.
Auch unsere Liegezeit hier in Roseau ist identisch mit den beiden karibischen Zielen gestern und vorgestern, nämlich von 7 – 23 Uhr.
Da ist es kaum verwunderlich, dass das das Zentrum von Roseau, wo wir an der nahgelegen Pier liegen ähnlich bunt und pittoresk ist wie Castries und Kingstown.

2015-03-28 Roseau hoe P1030488Für den Nachmittag haben wir einen Ausflug gebucht, Wal- und Delphinbeobachtung auf einem Katamaran. Uns wurde gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit, Wale und/oder Delphin zu sehen sehr hoch sei, das das Schiff über eines Hydrophons sei, mit dem man die Tiere gut orten kann. Die Katamaranfahrt ist rasant, es schaukelt mehr als auf der gesamten bisherigen Reise mit der Atrania, aber trotz des Hydrophons ist außer Möwen nichts zu beobachten. Man serviert uns einen starken Rumpunsch, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass uns der Flop bezüglich der schwimmenden Säugetiere nicht zu sehr ans Gemüt geht.

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Guter Schutz vor der Sonne ist das A & O.

Nachdenklich stimmt mich die Beobachtung einer Ausflugsteilnehmerin. Ihr fällt nämlich auf, dass keiner der Leute des Katamarans ein Fernglas hat und dass das Abzeichen an ihren T-Shirts auf die Zugehörigkeit einer Tauchschule hinweist. Walbeobachtung scheint nicht der Knowhow-Schwerpunkt der Crew zu sein.
Hätte Phoenix angefragt, ob die örtliche Agentur eine Beobachtung von Meerjungfrauen und Wassernixen anbieten könne, der Ausflug hätte auf dem Programm gestanden.

Am Abend bietet das Schiff allerlei Kurzweil. Zunächst gibt es eine Grillparty und anschließend spielt noch eine Raggae-Band auf dem Außendeck achten. Der Auftritt wird allerdings stark verkürzt, weil es plötzlich an fängt zu regnen.

 

83. Reisetag – Sonntag, 29.3.2015 (Palmsonntag) Îles des Saintes/Guadelou

 

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Der kleine Strand von Îles des Saintes

Guadeloupe gehört ebenfalls zu den kleinen Antillen, gehört aber nicht zum Commonwealth sondern ist ein Übersee-Département von Frankreich. Die Amtssprache ist Französisch und die Währung ist unser Euro.
Wir liegen auf Reede vor der Insel Îles des Saintes. Hier leben ungefähr 3000 Menschen.  Es werden keinerlei Ausflüge angeboten, das heißt hier gibt es nicht viel zu sehen.
Der einzige Grund warum wir hier sind ist das Fernsehteam „Verrückt nach mehr“ in deren Drehbuch für heute eine Hochzeit verzeichnet ist. Wie viele Hochzeiten und Wiederholung des Eheversprechens vor dem Kapitän wurden im Laufe der verschiedenen Staffeln eigentlich schon vollzogen? Es müssen dutzende sein.
An dieser Stelle sei vermerkt, dass die Fernsehleute den Passagieren mehr und mehr auf den Senkel gehen. In den Shows versperren sie beim Filmen die Sicht, beim Warten auf die Ausflüge filmen sie ungefragt die Wartenden, versperren den Zugang zum Aufzug, Rempeln beim Filmen und Regieführen, Busse und Tenderboote fahren erst los, bis irgendwelche Szenen im Kasten sind. Die Zurückhaltung wie am Anfang der Reise ist nicht mehr gegeben.
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Trotz allem tendern wir an Land, besuchen eine Kirche, wo man uns einen großen geweihten Palmenzweig überreicht. Die Blätter sind hart und spitz und ich muss aufpassen, dass ich beim Transport niemanden damit verletzte.

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Ein Grundstück mit Ziegen und Hühnern erregt unserer Aufmerksamkeit, ebenso eine verfallene Festung. Wir wundern uns, als wir an einem Recyclinghof vorbeikommen. Ach ja, wir sind ja praktisch in der EU. Damit haben wir die Hauptsehenwürdigkeiten abgeklappert.
Man könnte sich auch noch einen Motorroller leihen und über die Insel fahren, aber da ist ja wieder Doris‘ Bruchhand. Also gehen wir zurück aufs Schiffs, dass wir erreichen ohne mit dem Palmzweig jemanden ein Auge ausgestochen zu haben.
Doris weiß auch schon, was mit dem Palmzweig zu tun ist. Sie gibt ihn an der Rezeption ab, damit man ihm dem Bordpfarrer aushändigt, der heute am späten Nachmittag eine Andacht zum Palmsonntag hält.

 

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Sauber getrennter Müll ist Wertstoff, den man verkaufen kann.

 

 

84. Reisetag – Montag, 30.3.2015 Basseterre/Saint Kitts

 

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Fotostopp während des Strandtransfers

Saint Kitts, wen überrascht es noch, gehört zum Commomwealth. Die Amtssprache hier ist Englisch und die Währung ist der Ostkaribische Dollar. Auch unsere Liegezeit ist wieder Standard: 7 – 23 Uhr.
Wir stehen um 6 Uhr auf, weil wir einen Ausflug zu einem Badestrand gebucht haben, von dem anzunehmen ist, dass er keine starke Brandung ausweist. Um 8:15 geht es los. Per Bus erreichen wir nach einer Stunde Fahrt unser Ziel, ein Strandrestaurant mit Strandbar, sanitären Einrichtungen und Liegen, Fazilitäten, die wir nutzen können.

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Eine alternative zum Sonnenschirm
wäre die Strandbar gewesen.

Nicht im Ausflugspakat sind Sonnenschirme. Die kosten für unseren 2 ½–stündigen Aufenthalt 10 US-Dollar pro Stück. Aber es hilft nichts, entweder Sonnenbrand oder zahlen. Sobald unser Schirm aufgestellt ist, bewölkt es sich und kurze Zeit später fängt es auch an zu regnen, ein kleiner Scherz des Wettergottes, den nach 10 Minuten scheint die Sonne wieder. Dem Badespaß steht jetzt nichts mehr entgegen, auch keine Brandung, so dass man den Ausflug auf der Erfolgsseite verbuchen kann.
Zur vereinbarten Abfahrtszeit ist unser Bus nicht da. Er fährt zurzeit noch eine andere Tour und kommt deshalb eine gute halbe Stunde später, während wir die ganze Zeit mehr oder weniger dumm herumstehen. Das wir von den Phoenix-Leuten und von einigen Reisenden einfach hingenommen und kommentiert mit: „Das ist halt die Karibik“. Ähnliches haben wir auch schon vorher oft gehört, „Das ist halt Südamerika“, „Das ist halt Mittelamerika“.  Komisch ist nur, dass wir immer mit europäischer Genauigkeit bezahlen müssen.
2015-03-30 Basseterre hoe P1030527Am späten Nachmittag wechselt unser Schiff die Pier, vom Containerhafen zum Stadthafen.
Wir wollen noch einmal in die Stadt, aber bleiben dann lieber doch in Hafennähe. Es wird langsam dunkel und uns fällt die starke Polizeipräsenz auf. In einer Kneipe muss ich für 5 US-Dollar Umsatz machen (das sind 2 Softdrinks), damit mir die Bedienung mein Netbook mit dem Internet verbindet. Ich weiß aber mittlerweile, wie man das von ihr verdeckt eingegebene Passwort auslesen kann, so kann auch Doris schnell  mal mit ihren Smartphone ihre eh spärlich vorhandenen Mails abfragen, während ich den 11. Blog ins Internet hochlade.
2015-03-30 Basseterre dhl P1010467Am Abend sitzen wir, wie so oft auf dem Schiff in Harry’s Bar und spielen eine Partie Scrabble. In den Bars bekommt man in der Regel Salzstangen oder Nüsse auf den Tisch, aber manchmal vergessen das die Kellner auch schon mal, dann kann man sie aber darum bitten, etwas Knabberei zu bringen. In diesem Zusammenhang ein entsprechender Dialog am Nachbartisch, den ich nicht weiter kommentieren möchte.

  Gast zum Kellner: „Ich hätte gerne Salzstangen oder Nüsse.“
  Kellner (sie sprechen alle nur wenig Deutsch): „Ah ja, Salzstangen. Ich bringen.“
  Der Kellner bringt die Salzstangen an den Tisch.
  Gast: “Können Sie mir lieber Nüsse bringen?“

 

 

85. Reisetag – Dienstag, 31.3.2015 Philipsburg/St. Maarten

 

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Unsere kleine Artania wird durch das Riesenschiff
auf der linken Pierseite verdeckt.

Die nur 92 km2 große Insel St. Maarten ist politisch gesehen ein seltsames Gebilde. Sie ist geteilt in einen niederländischen und einen französischen Teil. Der nördliche französische Teil gehört zur EU, der südliche Teil ist (laut Wikipedia) ein “autonomes Land im Königreich der Niederlande“.
Wir liegen im (französischen) Philipsburg in einem riesigen Hafen für Kreuzfahrtschiffe. Neben der Artania liegen viere weitere richtig große amerikanische Schiffe an der Pier. Die fünf Schiffe haben zusammen eine Kapazität von mehr als 12.000 Passagieren. Man kann sich das Gewimmel an der Pier und im Hafengebiet vorstellen. Sowas braucht kein Mensch.

 

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Das Flugzeug wird gesichtet

Wir haben einen Ausflug zur Maho-Beach gebucht. Das Interessante ist hier in erster Linie nicht Wasser, Sand und Sonne sondern der Flughafen, der gleich hinter dem Strand beginnt. Die anfliegenden Flugzeuge haben über dem Strand nur eine Höhe von 10 bis 20 Meter.
die beiden Ausflugsbusse verspäten sich sich um 20 Minuten (das ist halt Karibik). Um 10 Uhr sind die beiden Busse mit den Phoenix-Ausflüglern am Parkplatz in der Nähe des Strands und die Zeit für die Rückfahrt unseres Busses wird vom Phoenix-Ausflugsbegleiter verkündet: „12 Uhr!“ Zwei Stunden Aufenthalt sind auch laut Ausflugsbeschreibung vorgesehen.

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Fotoapparate werden in Stellung gebracht

Der Strand ist nicht sehr groß und schon recht voll. Baden ist für Doris nicht möglich, denn die Brandung ist sehr stark und im Wasser befinden sich große Steine. Mich wirft sie (die Brandung, nicht Doris) erst einmal um und spült mich gleich wieder an den Strand zurück. Schließlich gelingt es mir doch ins Wasser zu kommen und ein wenig zu schwimmen.
Die Sache mit den Flugzeugen ist zunächst nicht ganz so spektakulär, weil nur kleinere Propellermaschinen ankommen.

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Der Flieger donnert über die Köpfe der Fotographen hinweg

Allerdings starten einige Maschinen mit Düsentriebwerken und zwar direkt am Zaun hinter dem Strand. Der Lärm und den Wind, den die Triebwerke machen ist unbeschreiblich.
Schließlich landen doch noch einige dicke Brummer, darunter ein Jumbo der KLM. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn so ein Flieger übers Meer ankommt und direkt auf einem zuhält und dann nur wenige über den Kopf hinweg donnert, um ein paar Meter weiter auf der Landebahn aufzusetzen.
Pünktlich um 12 Uhr sind wir wieder am Parkplatz. Dort erfahren wir, dass unser Bus erst um 13 Uhr kommen soll. Das gleiche gilt auch für den anderen Bus, nur mit dem Unterschied, dass deren Insassen von ihrer Phoenix-Ausflugsbegleitung noch im Bus über die verspätete Abfahrt informiert wurden und deshalb noch gemütlich am Strand liegen. Leider wusste unser Phoenix-Begleiter nichts über die “Fahrplanänderung“.  Schade dass Phoenix nicht in der Lage ist, seine Mitarbeiter vernünftig zu informieren,  wenn vom “Plan“ abgewichen werden muss, weil die Busse nämlich noch schnell eine andere Tour gefahren sind, anstatt am Strand zu warten.
Aber auch um 13 Uhr kamen die Busse nicht. Per Telefon erhalten die Phoenix-Begleiter die Information, dass sie aber jede Minute eintreffen müssen.  „Karibik halt“ – ich kann es nicht mehr hören! Um halb zwei ordert Phoenix schließlich mehrere Großraumtaxis, die uns zum Hafen zurückbringen.
Wegen der Verspätungen lohnt auch kein Landgang mehr.

Gegen 16 Uhr legen wir ab. Jetzt geht es mit großen Schritten Richtung Heimat. Wir werden 6 Tage lang den Atlantik überqueren und erst im Madeira wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Am Abend besuchen wir seit langem mal wieder eine Show.  
Es gibt Showkünstler auf dem Schiff, die ständig an Bord sind, wie etwa das Artania-Show-Ensemble, das aus Sängern und Tänzern besteht oder die Artania Showband, die das Ensemble musikalisch begleitet oder einfach nur zum Tanz aufspielt. Daneben gibt es  Künstler, die nur für einen Reiseabschnitt an Bord sind, wie z.B. ganz am Anfang der Reise Stefanie Hertel oder jetzt und heute Abend “The Flower Power Man“.
2015-03-31-Philipsburg wlf 0331w 12323The Flower Power Man“ sind zwei Gitarristen, die es verstehen mit Oldies von den Beatles, Bob Dylan, Rolling Stones, Beach Boys, Manfred Man etc. das in der Regel eher tröge Kreuzfahrer-Publikum zum Kochen zu bringen. Nostalgie pur! Unterstützt werden die beiden von der Artania Showband (Schlagzeug, Bass, Keyboard, Bläser). Die Beatclub-Ikone Uschi Nerke hatte am Anfang der Show einen Zwei-Minuten-Auftritt, indem Sie die Flower Power Man angesagt hat. So einen Job hätte ich auch gerne mal, zwei Minuten Arbeit und dafür drei Wochen kostenlos auf dem Schiff mitfahren.
Doris und ich stehen an einem der Bistrotische, die hinter den Sitzreihen der Atlantik-Show-Lounge aufgestellt sind. Von dort kann man sehr gut über die Köpfe der Sitzenden hinweg sehen, kann sich ein wenig oder auch etwas mehr im Takt bewegen und muss nicht so steif in einem Sessel sitzen. Außerdem filmt das Kamerateam von „Verrückt nach Meer“ auf der anderen Seite des Saals, sodass wir hier Ruhe vor ihnen haben.

Uschi Nerke

Uschi Nerke Anfang der 70er Jahre im Beat Club.
Foto: Wikipedia

Als die Stimmung schon so richtig gut ist, spielen sie, um noch einen drauf  zu setzen, den Drafi Deutscher Ohrwurm "Marmor Stein und Eisen bricht". Nach dem Refrain hinter der ersten Strophe kommt die Stelle, wo Drafi Deutscher immer aus vollem Hals „Everybody now!“ geschrien hatte, um dann den Refrain noch einmal zu wiederholen. Da ich nicht ganz sicher bin, ob die “ Flower Power Man“ das auch wissen, habe ich also nach dem Refrain hinter der ersten Strophe (Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam, dam, dam, dam…) über die Köpfe der Zuschauer hinweg mit aller Kraft gerufen:  „Everybody now!“ und siehe da, der ganze Saal wiederholte wie gewünscht den Refrain – bis auf die “Flower Power Man“, sie stimmten erst mit Verzögerung ein und auch die Artania Showband kommt irgendwie mit ihrem Spiel durcheinander. Des Rätsels Lösung – „Everybody now!“ kommt nicht hinter dem Refrain der ersten Strophe sondern erst hinter dem Refrain der zweiten Strophe (Nimm den goldenen Ring von mir, dam dam, dam dam…).
Die Flower-Power-Jungs nehmen es mit Humor und bitten das Publikum lediglich, ab sofort ihre Lieder doch so vortragen zu dürfen, wie sie sie einstudiert hätten, ehe sie mit der zweiten Strophe fortfahren. Ich lasse sie dann auch an der entsprechenden Stelle das „Everybody now!“ alleine rufen.

 

 

 


86. Reisetag – Mittwoch, 1.4.2015 Seetag

Für heute sind im Tagesprogramm sind einige seltsame Programmpunkte aufgeführt:

  • 9:00 Der Treffpunkt für die die Führung zum schiffseigenen Hühnerstall ist auf Deck 4, vorne.
  • 10:15 Schweige-Yoga in der Casablanca Bar
  • 12:00 Heute Mittag um 12:00 Uhr werden alle Uhren an Bord 1 Stunde vorgestellt
  • 16:23 Beobachtung einer Partiellen Sonnenfinsternis auf Deck 4, vorne
  • ab 16:30 Wir bitten alle Gäste heute ihre Stromrechnung an der Rezeption zu begleichen
  • ab 18:00 Abreise Marseille/12.04.2015: Wir bitten alle Gäste mit über Phoenix Reisen gebuchter Flugrückreise, ihr Gepäck heute in der Lobby aufzugeben

Das sind natürlich alles Aprilscherze, auch die partielle Sonnenfinsternis, denn von Deck 4 vorne kann man den Himmel gar nicht sehen, weil überdacht.
Halt! Es sind fast alles Aprilscherze, die Zeitumstellung erfolgt allerdings tatsächlich. Auf der Atlantiküberquerung Richtung Südamerika wurden die Uhren jede Nacht um eine Stunde zurückgestellt, jetzt wo wir in die andere Richtung, nämlich nach Osten fahren, müssen die Uhren wieder Schritt für Schritt vorgestellt werden. Ungewohnt ist nur, dass dies jetzt tagsüber passiert.
Einige Passagiere hielten die Zeitumstellung ebenfalls für einen Aprilscherz und verpassten prompt das Mittagessen.


87. Reisetag – Donnerstag, 2.4.2015 Seetag

Statler und Waldorf muppet Show jiPhoenix in Bonn hat sich bei uns immer noch nicht gemeldet. Herr Hofer überbringt uns aber die frohe Botschaft, dass in Madeira der Phoenix-Direktor für Schiffreisen zusteigt und mit uns sprechen möchte. Es fehlt in der Hierarchie eigentlich dann nur noch der Geschäftsführer, alternativ könnten sich auch noch der Bundespräsident und der Papst einschalten, um das Verfahren dann anschließend wieder an die niederen Fachabteilungen zurückzuverweisen.
Natürlich haben wir auch immer noch keine Eingangsbestätigung für unserer E-Mail vom 11.3.2015 erhalten, wie bei seriösen Firmen üblich und selbstverständlich, etwa: „Wir bestätigen den Eingang ihrer Mail vom 11.3. Wir werden den Sachverhalt prüfen und Sie werden zur gegeben Zeit wieder Nachricht von uns erhalten.“ Wir hatten bei unserem letzten Gespräch (27.3) mit Herrn Hofer ausdrücklich darum gebeten.
Am Abend bestreitet Voxxclub die Show. Uns ist diese alpine Boygroup absolut unbekannt, aber wie sich herausstellt leben wir diesbezüglich hinter dem Mond. Wir schauen in die Show rein. Der Saal ist rappelvoll. Auf der Bühne singen im Halbplaybackverfahren und tanzen  bei ausgefeilter Choreographie sechs junge Männer und verbreiten Oktoberfeststimmung.


88. Reisetag – Freitag , 3.4.2015 (Karfreitag) Seetag

Heute hat sich nichts Berichtenswertes ereignet.

 

89. Reisetag – Samstag , 4.4.2015  Seetag

Für heute wird volles Programm geboten.

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Die Spirit Band - heute in der Kopernikus Bar

Am Vormittag ist ein Jazz-Frühschoppen einschließlich Grillen angesetzt. Es spielt die Spirit Band. Diese Band gehört wie die Artania Showband zum festen Inventar des Schiffes und spielt fast jeden Abend auf Deck 9 in der Pazifik Lounge und zu besonderen Anlässen  wie heute eben auch mal Open Air in der Koperinikus Bar.
Am Nachmittag um 16 Uhr ist die Kopernikus Bar umdekoriert für den Artania FernSeeGarten. Diese zweistündige Veranstaltung gab es irgendwann auf dieser Reise schon einmal.

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Co-Moderatorin Uschi Nerke im Artania FernSeeGarten

Es treten Sängerinnen und Sänger vom Show Ensemble verkleidet als Andrea Berg, Jürgen Drews und Roger Cicero auf. Moderiert wird der Event vom Phoenix-Moderator Axel und Beatclub-Ikone Uschi Nerke.  Muss sie also doch ein wenig mehr arbeiten als nur zwei Minuten, wie ich fälschlicherweise in meinem Beitrag vom 31.3. gemutmaßt habe.
Die Schiffsärztin, die Doris beim Einrichten des gebrochenen Arms mit einer Art KO-Tropfen in das Land der schönen Träume versetzt hat, dient als “Versuchskaninchen“  für eine Schmink-Demonstration. Man braucht da als Zuschauer in einer Entfernung von 50 Metern schon ein gutes Auge oder einen 30-Fach-Zoom am Foto, um überhaupt etwas zu sehen.  

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Schmink-Demo

Den aus Passagieren bestehende Artania-Chor konnte man hingegen ob der größeren Personenanzahl gut sehen und wegen der Mikrophontechnik auch gut hören.
Als ob es im Fernsehen viel zu wenig Kochshows gäbe, wird hier endlich ein Wettbewerb im Herstellen von Schwarzwälderkischtorten durchgeführt und rein „zufällig“ meldet sich hierzu eine der gecasteten Protagonistinnen von Verrückt nach Meer und wird natürlich prompt genommen. Hatte ich schon erwähnt, dass auch zwei Kamerateams filmenderweise umherwuselten?

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Die Stimmung ist fast überall gut, selbst beim Kapitän.
Bei Doris hingegen ist die Beegeisterung eher verhalten.

Da verzog ich mich dann lieber an ein ruhiges Plätzchen, schweren Herzens, verpasste ich dadurch doch den Wettbewerb im Seemannsknoten machen. Doris hatte sich bereits bei “Roger Cicero“ verdrückt. Allerdings ist sie rechtzeitig zum Höhepunkt der Show wieder zurück, als nämlich VoxxClub noch ein Ständchen gibt. Sie zückt gerade ihre Kamera, als eine “Dame“ fragt, ob Doris kurz zur Seite gehen und Platz machen könne, weil sie, die “Dame“, nur schnell mal ein Foto machen möchte. Das Fotomachen entpuppte sich allerdings als größerer Dreh für ein Video. Was fällt einem dazu ein? Nix bis garnix!

 

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VoxxClub - Schließlich gelang Doris doch  noch ein Foto

 

Damit mit den Vergnüglichkeiten aber noch nicht genug. Für halb elf abends, eine Zeit, wo wir beiden Kreuzfahrer normalerweise schon langsam unser Tagwerk beenden, steht noch einmal ein Auftritt der Flower Power Man auf dem Programm. Diesmal auf der kleineren Bühne in der Pazifik Lounge, wo sonst die Spirit Band allabendlich spielt. The Flower Power Men spielen heute Abend ohne Begleitmusiker.
Auch hier macht Uschi Nerke die zweiminütige Anmoderation. Ja, dass Mädchen hat wirklich viel zu tun. Dann legen die beiden Flower Power Jungs los. Rainer Schindler, der Rhythmusgitarrist und Sänger mit der vielseitigen beeindruckenden Stimme und Adax Dörsam der brillante Leadgitarrist.

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The Flower Power Men
Adax Dörsam und Rainer Schindler (v.l.n.r.)

Ich habe ja schon vom Auftritt vor ein paar Tagen geschwärmt, aber hier, ohne das Korsett der Begleitmusiker der Artania Showband und in der Clubatmosphäre der Lounge hier oben auf Deck 9 statt in einem Theatersaal, legen sie noch eine Schippe drauf. Es gibt kaum Überschneidungen zum ersten Auftritt und aus der geplanten Stunde des Konzerts werden anderthalb.
Bei den rockigen Nummern wie etwa Born To Be Wild von Steppenwolf verfalle ich automatisch wie ganz ganz früher in den  Headbanging-Modus*. Aber irgendetwas ist anders als früher. Dann komme ich dahinter. Headbanging geht nur mit langen Haaren, mit meiner Igelfrisur ist das  relativ uncool.
Ein weiterer Wermutstropfen ist an diesem Abend ist der Kapitän. Nach dem offiziellen Programm der Flower Power Men und vor dem obligatorischen Zugabe-Teil eilt der gute Kapitän Hansen auf die Bühne und meint uns, dem Flowerpower-Volk erklären zu müssen, wie toll der Abend war. Mit seiner weißen Uniform steht er zwischen den beiden Musikern auf der Bühne und wirkt dabei noch uncooler als ich beim Headbanging.

 

headbanging

Headbangen
Foto:Wikipedia



*Headbangen

Beim Headbangen wird der Kopf im Takt der Musik schnell vor- und rückwärts, seitwärts, im Kreis oder in Achterform bewegt. (Quelle: Wikipedia)

 

90. Reisetag – Sonntag , 5.4.2015 (Ostersonntag)  Seetag

2015-04-05 Seetag hoe P1030620Das Handgelenk von Doris schmerzt, vermutlich hat  sie gestern Abend zu viel Beifall geklatscht. Zum Trost hat der Phoenix-Osterhase ein reichlich gefülltes Nest vor die Kabinentür gelegt. Mich würde mal interessieren, ob es Passagiere gibt, die beim Verlassen der Kabine in ihr Osternest getappt sind.
Wie transportiert man in knapp einer Woche unversehrt die beiden Schokoladen nach Hause (wenn man sie nicht einfach aufgegessen hat)? Antwort: Gar nicht. Wir haben das Osternest Caroline, unsere Kabinenstewardess (so nennt man an Bord die Zimmermädchen) geschenkt. So haben wir ein logistisches Problem gelöst und Caroline hat sich gefreut.
Auf dem Frühstückstisch stehen ebenfalls Osternester, aus denen man, wenn man möchte, sich bedienen kann und im Foyer steht ein riesiger Korb voll mit gefärbten Eiern. Ostern satt!
Zur Krönung streifen noch ein Osterhase und ein Osterhuhn durchs Schiff und sorgten durch ihr Outfit (Huhn hat Gummistiefel an) für etliche Lacher.

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Die Lager sind schon recht leer.
Sie werden in wenigen Tagen
in Cádiz wieder aufgefüllt.

Um halb elf nehmen wir an einer Führung durch die Schiffsküche und die Lagerräume teil. Das Ganze ähnelte allerdings einer Stadtbesichtigung, man kann die “Reiseleiter“ nicht verstehen, wenn man nicht ganz vorne in der Gruppe steht. Im Lagerraum werden wir von einer Getränkestewardess erwartet, die für jeden einen doppelten Wodka bereit hält und damit ist die Führung auch schon zu ende.

 

 

 

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91. Reisetag – Montag, 6.4.2015 (Ostermontag) Seetag

Die Atlantiküberquerung ist bald geschafft. Die Temperaturen sind nicht mehr karibisch. Seit einigen Tagen ist es wichtig, eine Jacke anzuziehen, wenn man sich auf die Außendecks begibt. Man merkt es auch beim Duschen, dass man sich jetzt nicht mehr in tropischen Gefilden befindet. Wenn man jetzt die Dusche auf „kalt“ stellt, kommt tatsächlich kaltes Wasser aus der Brause und nicht mehr lauwarmes.

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Riesenei vorher

Am Nachmittag findet in unserem Wohnzimmer, also in Harry’s Bar die Veranstaltung „Riesenei und Schoko-Eierlikör“ statt. Ursprünglich sollte dieser Event auf dem Außendeck stattfinden, aber wegen der kühlen Witterung findet die Veranstaltung jetzt im Saale statt. Das Riesenei sieht gut aus, besteht aber zu 99% aus fester Buttercreme, was aber die meisten Gäste nicht daran hindert, XXL-Stücke davon zu verdrücken.  Trotzdem ist nach Beendigung der Kaffeestunde noch die Hälfte vom Riesenei übrig.

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Riesenei nachher

Parallel zur Buttercremeverzehr wird auch eine Seekarte mit der eingezeichneten Route von diesem Reiseabschnitt (Willemstad – Marseille ) verlost. Hierzu konnte man Lose kaufen. Wir haben keine Lose erworben, da man uns nicht garantieren konnte, die Karte nicht zu gewinnen und wir wollten uns keine weiteren logistischen Transportprobleme einhandeln. Als Überraschung werden noch 10 DIN A3 große Fotos von unserem telegenen Kapitän Hansen als Trostpreise –pardon, als Sonderpreise – verlost. Eine Dame gewinnt mit ihren Losen sogar zwei Portraits unseres gerne im Mittelunkt stehenden Kapitäns. Donnerwetter, ein doppelter Hansen! Was wird da wohl zu Hause von der Wand weichen müssen, ein Van Gogh oder der “Röhrende Hirsch“?
Beim Abendessen stellten wir fest, dass sämtliche Schokoladenhasen aus den Nestern, die immer  noch auf den Tischen stehen, verschwunden sind. Wurden sie etwa zu dem Schoko-Eierlikör verarbeitet, der heute Nachmittag für 2,50 € das Glas  angeboten wurde?

 

 

92. Reisetag – Dienstag, 7.4.2015  Funchal/Madeira - Portugal

 

2015-04-07 Funchal hoe P1030657

Gleich am Hafen das Ronaldo-Denkmal.
Er stammt aus Funchal.

Nach sechs Tagen auf See haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Da der Kapitän im Schweinsgalopp über den Atlantik gefahren ist, kommen wir bereits vier Stunden eher als geplant, nämlich schon um acht Uhr an.

 

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Die Seilbahnfahrt ist schon seit langem auf der Habenseite

Da wir Funchal bereits von einer früheren Reise kennen, brauchen wir nicht mehr mit der Seilbahn nach “Monte“ fahren, einen hoch an der steilen Küste gelegen Ortsteil von Funchal. Von dort kann den asphaltierten Weg zurück in einem Kornschlitten herunterrutschen. Die Korbschlitten, die über keinerlei Lenkung oder Bremsen verfügen, werden von zwei in der traditionellen weißen Tracht gekleideten Schlittenlenkern gesteuert. Es kommt dabei immer wieder mal zu Unfällen. Wir hatten damals schon auf dieses Abenteuer verzichtet und werden es auch heute nicht herausfordern. 

2015-04-07 Funchal hoe P1030726Ein Bummel durch die Altstadt soll genügen. Als es plötzlich anfängt zu regnen stehen wir genau vor einem Lokal, das auch WiFi anbietet. Dadurch kann Blogeintrag Nummer 13 der Weltöffentlichkeit (ich schätze so ca. 30-40 Leser) zugänglich gemacht werden.
Der Regen war nur ein kurzer April-Schauer. Zwei Kirchen und ein schöner Park mit Blumen und blühenden Bäumen runden den Spaziergang ab. chiquita
In einem kleinen Gemüseladen kaufe ich noch für 0,41 € fünf Bananen, die hier in Madeira angebaut werden. Die Bananen sind zwar recht klein, haben aber einen sehr intensiven Geschmack, einfach nur gut, da will man eigentlich nie wieder die von Chiquita essen müssen. 

Um 19 Uhr verlassen wir Madeira und wir genießen die herrliche Ausfahrt an der Reling des Promenadendecks.

 

 

93. Reisetag – Mittwoch, 8.4.2015  Seetag

Für die Passagiere, die die gesamte Winterreise gebucht haben, also von Marseille nach Marseille  ist heute ein Restaurant reserviert und der Kapitän und die Phoenix-Reiseleitung hatten hierzu schriftlich zu einem Abendessen eingeladen. Ist es nicht verwunderlich, dass man zu einem Essen eingeladen wird, dass man ja selbst (mit dem Reisepreis) bezahlt hat oder meldet sich ohne Grund einfach nur wieder mal der Waldorf und Statler in mir?

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Ich habe beim Frühschoppen zwar viel fotografiert,
aber nichts, was nicht schon hier im Blog gezeigt wurde.

Am Vormittag drehen wir mehrere Runden auf den über 400 Meter umfänglichen Rundumpromenade. Soviel Bewegung macht hungrig, da passt es gut, dass es um 11 Uhr wieder mal einen Bayerischen Frühschoppen mit Freibier und Weißwurst, Leberkäs und Spanferkel gibt. Ich begnüge mich allerdings mit 2 Weißwürsten und einem Bier (und dann noch einem Bier).
Nebenbei wird auch die Seekarte mit der Route der gesamten Südamerikareise verlost und natürlich auch noch 10 Sonderpreise, der allseits beliebte DIN A3 Hansen.

Das Showprogramm heute Abend steht unter dem Motto “50 Jahre Beat Club“. Und wer tritt da auf? Richtig! Uschi Nerke und die Flower Power Men. Frau Nerke erzählt zwischen den einzelnen Liedern Anekdoten aus ihrer Beat-Club-Zeit. Allerdings haben diese Geschichtchen weder Pfiff noch eine Pointe, sondern sind eher belanglos. Ob die sich beiden Flower-Power.Musiker, die anscheinend mit diesem Konzept und mit Uschi auch auf Tournee gehen wollen, damit einen Gefallen tun, halte ich persönlich für fraglich. Im letzten Drittel der Show tritt Uschi Nerke nicht mehr auf und schon finden die beiden Musikusse zu ihrer von mir bereits beschrieben Spielfreude zurück und sie beenden den Abend mit einem Medley der Creedence Clearwater Revival, das die uns reiferen Kreuzfahrer für kurze Zeit wieder jung macht.

 

 

94. Reisetag – Donnerstag, 9.4.2015  Cádiz/Spanien

 

2015-04-09 Cadiz hoe P1030771

Die Kathedrale von Cádiz. Eintritt 5 €.

Der Stadtbummel heute früh in Cádiz gestaltet sich einfach. Auf dem Stadtplan, den wir von der Tourist-Information erhalten, sind mehrere farbige Routen für Rundgänge eingezeichnet. Diese Routen findet man als farbige Linien auf den Gehsteigen wieder. Uns wurde die lila Linie empfohlen und dieser Empfehlung leisten wir brav Folge. Die Linie führt und durch schmale gassen mit prunkvollen Gebäuden aus dem 17. Und 18. Jahrhundert.
An der Markthalle treffen wir auf die beiden Dottores, die Doris‘ Arm behandelt haben. Sie haben sich Weißbrot, Schinken und Käse gekauft und laden uns spontan dazu ein, mit ihnen zu vespern, was wir auch gerne tun.
2015-04-09 Cadiz hoe P1030766Am Abend findet das angekündigte Gespräch mit dem Phoenix Manager Herrn Schulze,  seines Zeichens Direktor für Schiffsreisen statt. Das Ergebnis ist eher unerfreulich. Im Bericht des örtlichen Reiseleiters steht, dass Doris gestürzt ist, weil sie vor ihm und nicht hinter ihm gelaufen ist, was Phoenix zur Rechtsauffassung kommen lässt, dass der Unfall selbstverschuldet ist und ein Haftung sowieso grundsätzlich abgelehnt wird. Aus Kulanz bietet man uns einen Preisnachlass von 1500 € auf eine künftig zu buchende Reise an.
Mich würde jetzt mal interessieren, was die Leser dieser Blogs davon halten. Ist das Angebot in Ordnung, zu hoch oder zu niedrig? Sollen wir vor Gericht klagen oder es lieber sein lassen? Schreiben Sie mir doch einfach, hier meine E-Mail-Adresse: .

 

95. Reisetag – Freitag, 10.4.2015  Seetag

Wegen schlechten Wetters wird die große Paella-Pfanne nicht draußen in der Kopernikus Bar zubereitet, sondern ganz profan in der Schiffsküche.
Am Nachmittag liest auf der Bühne des kleinen Bordkinos Uschi Nerke aus ihrem Buch “Bei mir wäre ich gerne Tier“ (erschienen bei Fischer, Frankfurt 2012, ISBN 978-3864559846). Nicht dass ich dieser Lesung beiwohne, aber ich möchte mit der Erwähnung dieser Veranstaltung aus dem heutigen Tagesprogramm, das von mir begangene bittere Unrecht wieder gut machen, als ich am 31.3.2015 schrieb, sie könne für einen 2-minütigen Auftritt 3 Wochen Kreuzfahrt genießen. Jetzt ist klar, sie absolviert durchaus das übliche Pensum, wie andere Künstler, Lektoren oder Referenten auch, die für eine Etappe der Reise engagiert sind. 
2015-04-10 Seetag hoe P1030775

 

Am Abend findet die übliche Abschiedsgala statt.

 

 

 

 

96. Reisetag – Samstag, 11.4.2015  Palma de Mallorca/Spanien

2015-04-11 Palma de Mallorca hoe P1030805Hier in Palma liegen wir nur diesen Vormittag und zwar gut 5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
Unsere Hochzeitsreise führte uns im Juni 2000 schon einmal hierher. Nach einer einwöchigen Mittelmeerkreuzfahrt hängten wir noch eine Woche Hotelaufenthalt in Palma dran. Die Kathedrale, das Wahrzeichen der Stadt, der Ballermann und die Schinkenstraße sind uns also bekannt.
Vor 10 Uhr in der Stadt zu sein macht auch keinen Sinn und da man um 12:30 Uhr schon wieder an Bord sein muss, lohnt sich eine größere Landgangsaktion nicht wirklich und so spazieren wir ein wenig an der nahegelegen Marina entlang, kehren in einem WiFi-Lokal ein und gehen dann wieder zurück an Bord.
Am Nachmittag ist Packen angesagt, die mit Abstand unerfreulichste Pflichtveranstaltung einer Kreuzfahrt

 

97. Reisetag – Sonntag, 12.4.2015  Marseille

 

2015-01-06 Anreise Marseille P1000282

Der Passagierhafen von Marseille hat keinerlei Flair

Unser Flieger nach Frankfurt geht erst heute Abend um 19 Uhr, sodass wir bis 15:30 Uhr an Bord bleiben dürfen. Dann wird der Transfer zum Flughafen stattfinden. Die Koffer hatten wir gestern Abend vor die Kabinentür gestellt und wurden schon abgeholt. Sie werden heute Nachmittag in den Bus geladen, sodass wir uns erst am Flughafen bei n einchecken wieder um das Gepäck kümmern müssen.
Ich nutze die Zeit bis zur Abfahrt um die Blogbeiträge seit Ostermontag zu erstellen. Ich habe mir diese Arbeit ganz bewusst für heute aufgehoben, weil das Warten auf dem Schiff an sich eine furchtbar langweilige Geschichte ist. Ich kann dann weder das Sitzen auf Deck gewiesen, noch kann ich mich auf ein Buch konzentrieren. An Bord herrsch so eine ganz seltsame Stimmung. Die Leute haben keine Urlaubsklamotten mehr an, sondern sind bieder gekleidet und sitzen mit finsterer Miene in der Atlantik Show Lounge und bewachen ihr Handgepäck, was man dort deponieren kann.
Um 15:30 fährt uns ein Bus zum Flughafen. Das Einchecken und die Sicherheitskontrolle dauern nervig lange, man steht bis zum Abflug um 19 Uhr nur in Warteschlangen. Der Flug ist pünktlich und um 22 Uhr sind wir wieder zu Hause in Niederhöchstadt.
Phoenix hat uns auch noch ein letztes Ei ins Nest gelegt. Wir hatten bereits zu Hause schon die Plätze für den Flug reserviert,  nämlich zwei Gangplätze nebeneinander. Phoenix hat unsere Reservierung später wieder gelöscht und eigene Reservierungen durchgeführt, damit die Phoenixreisenden im Flieger (Lufthansa) zusammensitzen können.

Div-Kaestchen

Text

Fazit: Die Reise war wunderschön, auch wenn der Leser den Eindruck gewinnen könnte, dass uns Phoenix selbige verdorben hätte. Das war sicher nicht der Fall. Um das mit einem deftigen Spruch zu erklären: „Was stört’s die deutsche Eiche, wenn sich die Sau dran kratzt!“
Phoenix ist als Dienstleister teilweise grottenschlecht, aber sie haben am Markt eine gewisse Monopolstellung. Sie haben kleine, deutschsprachige Schiffe, das Preis- Leistungsverhältnis stimmt und sie bieten die schönsten Routen an. Und das zählt!
Wir haben zwar das ein oder andere Mal geschimpft und uns auch geärgert, aber die Reise selbst, die Ziele und die vielen Eindrücke und Erlebnisse waren einfach toll. Die drei Monate auf dem Schiff waren super und wir wären durchaus auch noch 14 Tage länger geblieben, um die Fahrt ins Schwarze Meer noch mitzumachen, wenn man uns gesagt hätte: „Bleibt doch noch ein bisschen.“
Leider hat uns niemand dazu aufgefordert.

 

 

Hiermit, liebe Leser, endet der Reiseblog. Ich würde mich über das ein oder andere Feedback freuen, insbesondere von den Lesern, die ich nicht persönlich kenne und die durch Zufall auf den Blog gestoßen sind und diesen ganz oder teilweise gelesen haben.
Hier meine E-Mail-Adresse:

 

 

 

 

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